17.10.2016 Helmut Schlegel

Expired: „Laudato Si‘ – Ein franziskanisches Magnificat“

Franziskanisches Musikerlebnis im Limburger Dom - Premiere bereits ausverkauft

 

laudatoneu_a4Am 6. November feiert das Referat Kirchenmusik im Bistum Limburg (RKM) sein 50-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum werden mehr als 250 Musiker erstmalis „Laudato Si‘ – ein franziskanisches Magnificat“ aufführen. Den Text zu diesem musikalischen Oratorium hat Bruder Helmut Schlegel, ausgerichtet am Magnificat des neuen Testamentes und den beiden Enzykliken „Laudato si'“ und „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus geschrieben. Die Musik komponiert von Peter Reulein. Mit einem vier- bis achtstimmigen Chor, einem Kinder- und Jugendchor, einer Choralschola, Orgel und einem symphonischen Orchester wird das Werk ein weites Spektrum kirchenmusikalischer Formen und Stile präsentieren.

„Klangraum des Gebetes“ – so könnte man ein musikalisches Oratorium bezeichnen. Wenn wie Paulus sagt, „der Glaube vom Hören kommt“, dann sind Laute, Worte und Töne die vornehmsten Interpreten der Geheimnisse Gottes. Das Oratorium ist so etwas wie eine textlich-musikalische Collage, in der Worte der Heiligen Schriften, Gebetstexte, meditative Impulse und aktuelle Fragen miteinander zu einer einheitlichen Kunstform verwoben werden.

„Laudato Si – ein franziskanisches Magnificat“ – diese Überschrift verrät, dass das Lied Marias, das sie bei der Begegnung mit ihrer Verwandten Elisabeth singt und das Lukas in das erste Kapitel seines Evangeliums aufgenommen hat, im Mittelpunkt dieser Tondichtung steht. Dieser Text ist so etwas wie die Ouvertüre der lukanischen Verkündigung. Der Evangelist macht deutlich: mit dem Rabbi Jesus von Nazaret beginnt etwas ganz Neues, und das nicht nur für die jüdische Religion und Kultur, sondern für die Menschheit insgesamt. Gott ist nicht mehr nur der Ewige und Erhabene, er wendet sich in Jesus den Armen und nicht zuletzt den religiös Ausgegrenzten zu.

Das Magnificat hat eine gesellschaftliche, Welt gestaltende Dynamik und darf nicht nur als Lobpreis Gottes gedeutet werden. Dieses Lied stellt herkömmliche Wertvorstellungen und Gewohnheiten auf den Kopf. Es intendiert nicht nur einen „spirituellen Mehrwert“, es fordert ein „Mehr“ an Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit. Von Dietrich Bonhoeffer stammt die Aussage: „Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht … ein hartes, starkes, unerbittliches Lied von stürzenden Thronen und gedemütigten Herren dieser Welt, von Gottes Gewalt und von der Menschen Ohnmacht“ (Zitiert nach: Hartmut Handt und Armin Jetter, Voller Freude. Liedandachten zu den Sonntagen und Festen des Kirchenjahres, Strube Edition 9044, München 2004, 1. Aufl., S. 20.)

Das vorliegende Oratorium ist auf dem Hintergrund eines aktuellen, religiösen und gesellschaftlichen Kontextes entstanden. Papst Franziskus hat in seinen beiden Enzykliken „Evangelii Gaudium“ (2013) und „Laudato Si“ die Grundanliegen des Magnificat aufgenommen und entscheidende Fragen der Menschheit im Licht der christlichen Botschaft gestellt. Es geht ihm um das große Thema „Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung“, ja es geht ihm um die Zukunft der Menschheit und des Planeten Erde. Der Papst beruft sich dabei nicht zuletzt auf seinen Namenspatron Franz von Assisi, den er vor allem in der Enzyklika „Laudato si“ zitiert und dessen bekannteste Dichtung – der Sonnengesang – für dieses Apostolische Schreiben Pate stand. Das Oratorium „Laudato Si“ nimmt sowohl Texte des großen Heiligen aus Umbrien wie auch wichtige Aussagen der beiden genannten Enzykliken auf. Um sie musikalisch gestalten zu können, wurden sie textlich neu gefasst. Der Autor nimmt sich die Freiheit, auch Klara von Assisi Gehör zu verschaffen. Nicht nur, weil Franziskus ohne Klara nicht denkbar ist, sondern weil das Magnificat nicht zufällig, sondern bewusst und provokativ das Lied einer Frau ist. Zu den Menschen, deren Ent-Niedrigung dem Evangelisten Lukas, und noch mehr Jesus am Herzen liegt, gehören vor allem die Frauen. Der Anbruch des Reiches Gottes duldet weder die patriarchalische Dominanz noch ein „Oben“ oder „Unten“ in den Geschlechterrollen. Das Reich Gottes „stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Erniedrigten“.

Die Geschichte Marias ist der narrative rote Faden in diesem Oratorium. Ihre Berufung und Erhöhung durch den Gottesboten Gabriel, ihr mutiges Auftreten bei der Hochzeit zu Kana, in dem sie sogar ihren Sohn Jesus konfrontiert, die Szene unter dem Kreuz, in der Jesus die Mutter dem Freund und den Freund der Mutter anvertraut, die Freude der Auferstehung Jesu als Neuaufbruch seiner Botschaft. Maria ist es, die in ihrem tiefen Glauben und in ihrer erfrischenden Menschlichkeit das Magnificat lebendig macht.

Ist nicht das Wort „Barmherzigkeit“ sozusagen das Grundwasser der biblischen Botschaft, ja sogar aller Religionen der Menschheit? Papst Franziskus hat ein außerordentliches Jubiläum der Barmherzigkeit ausgerufen und im Verkündigungsschreiben die folgenden Worte an den Anfang gesetzt: „Misericordiae vultus Patris est Christus Iesus. Qui Eum videt, videt Patrem.“ (Des barmherzigen Vaters Antlitz ist Christus Jesus. Wer Ihn sieht, sieht den Vater (vgl. Joh 14,9). Dieser Gedanke bildet den Anfang und den Schuss dieses Oratoriums.

6. November 2016
Uraufführung – Oratorium „Laudato si‘ – ein franziskanisches Magnificat“

  • Uhrzeit und Ort
    16.30 Uhr Limburger Dom
  • Kosten
    Freier Eintritt in Limburg – Platzkarten erforderlich

Karten sind erhältlich beim Referat Kirchenmusik

eMail: rkm.sekretariat@bistumlimburg.de
Tel.: 06433-88720)

Eine Wiederholung des Konzertes gibt es am Sonntag, 29. Januar 2017, im Frankfurter Dom. Dabei beträgt der Eintritt 10.- Euro.

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