Im Land des Herrn | 72. Jahrgang | 2018 - 2

reude und Leid liegen oft eng beieinan- der. Eine Lebensweisheit, die auch für den Inhalt dieses Heftes stehen kann: Auf der Titel- seite sehen Sie ein Bild von der Priester- und Diakonatsweihe im Juni dieses Jahres in der Basilika der Verkündigung in Nazareth. Auf der Rückseite sehen Sie Kinder aus Syrien, die in unserem Konvent in Aleppo scheinbar unbe- schwert spielen und lernen. Es war ein großes Fest in Nazareth, als am 30. Juni 2018 der Apostolische Administrator der Diözese Jerusalem, Erzbischof Msgr. Pier- battista Pizzaballa OFM, zwölf jungen Fran- ziskanern die Diakonatsweihe und zwei Mit­ brüdern die Priesterweihe spendete. „Wie eine ganze Fußballmannschaft schaut das aus”, so hörte ich es in den letzten Tagen. In der Tat, keine deutsche Diözese und keine Ordensgemeinschaft kann solche Zahlen auf- weisen. Es werden, so Gott will, auch in den nächsten Jahren nicht weniger Mitbrüder sein, eher im Gegenteil: unser Seminar in St. Salvator Jerusa- lem hat längst keine freien Zimmer mehr. Dafür haben wir Gott zu danken, der uns diese Gnade der Berufungen schenkt. Wir haben den Eltern und Familien der Mitbrü- der zu danken, den Ausbildern und auch den Betern, die nicht müde werden, für Arbeiter im Weinberg zu bitten. Unter den jungen Brüdern, die sich momentan auf den Ordensberuf vorbereiten, sind eini- ge Brüder aus Syrien und anderen arabischen Staaten. Damit sind wir wieder beim Einlei- tungssatz; neben der Freude über die Neuge- weihten steht auch das Leid – konkret das Leid der Menschen in Syrien. Ein längeres Interview mit einem unserer syri- schen Mitbrüder beleuchtet die aktuelle Situa­ Sehr verehrte Leserinnen und Leser, liebe Freunde und Wohltäter des Heiligen Landes! tion und ich hoffe, damit die sehr oft gestellte Frage beantworten zu können, wie die Lage in Syrien sich für die Christen dort darstellt. Sicher, es wäre reizvoll, Ihnen eine weitere archäologische Grabung vorstellen zu können oder Bilder von biblischen Landschaften zu zeigen. Aber wir Söhne des hl. Franziskus haben im Hei- ligen Land eine zweifache Aufgabe: die Sorge für die Heiligen Stätten – aber über „die alten Stei- ne” hinaus gehört unser Augenmerk den „leben- digen Steinen”, den Christen im Nahen Osten. Ausdrücklich möchten wir Sie bitten, unsere Brüder und Schwestern dort nicht zu vergessen, denn in den Medien sind sie scheinbar schon vergessen. Auch wenn in manchen Gegenden der Krieg überwunden scheint – es sind so viele Wunden zu heilen! Aber auch die christlichen Heiligtümer werden in diesem Heft nicht zu kurz kommen. Als ich im Mai dieses Jahres nach Deutschland zurückkehren konnte, bat ich einen Freund mich am letzten Abend vor dem Abflug nach Betlehem zu fahren. Ich wollte die Geburtskir- che ohne Gerüste sehen und es war ein unbe- schreibliches Erlebnis, die Basilika fast fertig renoviert zu sehen. Besonders die Mosaiken geben der Kirche ihre Schönheit und Würde zurück, deren sie so lange beraubt schien. P. Frederic Manns OFM führt uns in seinem Artikel in die Symbolik der Darstellungen ein – und vielleicht weckt er ja in dem einen oder anderen Leser den Wunsch, diesen Glanz mit eigenen Augen zu sehen. Eine ausgezeichnete Gelegenheit dazu bietet sich bei unseren Pilgerfahrten – die Kommissa- riate des Heiligen Landes bieten auf der letzten Seite dieses Heftes eine reiche Auswahl an. Gemeinsam mit den anderen deutschsprachi- gen Kommissaren des Heiligen Landes möchte ich Ihnen noch schöne sommerliche Tage wün- schen, Ihr F 42

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