Im Land des Herrn | 72. Jahrgang | 2018 - 3

uf der Frontseite unseres neuen Heftes sehen Sie ein Mosaikbild, hergestellt im „Mosaikzentrum” Jericho. Dieses Mosaik­ zentrum ist gegründet worden von P. Michele Piccirillo OFM (1944–2008), Archäologe und Professor am „Studium Biblicum” in Jerusa­ lem. Schon öfter haben wir von Arbeiten die­ ser Manufaktur berichtet, seien es Arbeiten in Palästina, Israel oder Jordanien. In den letz­ ten Jahren waren es einige spektakuläre Reno­ vierungen, die das Zentrum bekannt gemacht haben: die Mosaiken im „lateinischen” Teil auf Golgota, die langwierigen Renovierungen der Basilika Getsemani, wo alle Mosaiken, außen wie innen, gründlich restauriert wurden, die großartigen Restaurierungen auf und um den Berg Nebo in Jordanien, aber auch Arbeiten an den Mosaiken des Felsendomes in Jerusalem. Es war für P. Michele ein Anliegen, dass lokale Handwerker gründlich ausgebildet werden und damit auch die Möglichkeit haben, einer qualifi­ zierten Arbeit nachzugehen. In den Anfangsjah­ ren bis heute waren und sind es fast ausschließ­ lich arabische Mitarbeiter, die mittlerweile zu den Spezialisten auf diesem Gebiet im Nahen Osten zählen. Und es war für diesen begabten Franziskaner auch selbstverständlich, dass es Muslime und Christen sind, die zusammen an den Werken arbeiten. Wer den Nahen Osten kennt, kann sicher bestätigen, dass das eine Besonderheit ist, denn gern grenzt man sich dort voneinander ab und bleibt im eigenen sozialen und religiösem Umfeld. Dass P. Michele anders dachte und handelte, lag zweifellos an seiner franziskanischen Prägung, die ihren Ursprung in der Person des heiligen Ordensvaters Franziskus hat; und so möchte ich zum abgebildeten Mosaik selbst kommen: dar­ gestellt ist die Begegnung von Franziskus und dem Sultan, eine Begegnung die genau 800 Jah­ Sehr verehrte Leserinnen und Leser, liebe Freunde und Wohltäter des Heiligen Landes! re zurückliegt: 1219/1220 fand seine Orientreise statt. Dieses Ereignis soll uns im nächsten Jahr auch in unseren Artikeln begleiten, den Anfang macht P. Gregor Geiger mit einer Darstellung in den zeitgenössischen Quellen. Weitere Artikel werden folgen und ich lade heute schon ein zu einer Pilgerreise im Herbst 2019 auf diesem Hin­ tergrund. „Christentum und Islam im Heiligen Land” wird das Thema sein und uns an Orte bringen, die bei kaum einer herkömmlichen Pil­ gerreise auf dem Programm stehen. Aber auch wir deutschen Franziskaner stellen uns diesem Jubiläum, welches Geschichte geschrieben hat: Anfang Juni 2019 werden wir den Apostolischen Administrator der Diözese Jerusalem, Erz­ bischof Pierbattista Pizzaballa OFM, bei uns zu Gast haben; ein ganzer Tag wird diesem Ereig­ nis gewidmet sein. Natürlich werden wir Sie zu gegebener Zeit über alles informieren. Schon im letzten Heft hat sich ein Wechsel ange­ kündigt: aus dem „Kommissariat des Heiligen Landes Werl” wurde ein „Kommissariat des Hei­ ligen Landes München”. Dieser Ortswechsel wurde zum 1. September dieses Jahres auch ein Personalwechsel: P. Werner Mertens, der knapp 30 Jahre mit ungeheurem Eifer und Leidenschaft das Amt des Kommissars innehatte, übergab diese Aufgabe an mich. Es ist mir nicht möglich, P. Werner und das, was er in einem halben Men­ schenleben geleistet hat, in diesem Heft auch nur im Ansatz zu würdigen; immerhin konnte ich ihn zu einem kleinen Interview überreden. Mit Bewunderung und ganz großer Dankbarkeit ver­ abschieden wir ihn als Kommissar des Heiligen Landes und kaum ein Wort der Heiligen Schrift kennzeichnet seinen Charakter so wie die Worte aus dem Evangelium nach Lukas: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven, wir haben nur unsere Schuldigkeit getan” (Luk. 17,20). Vergelts Gott von ganzem Herzen! A 82

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