Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 12. Eine be-Geist-erte Kirche mitgestalten

Glaube der begeistert! Internationale Jugend-Stern-Wallfahrt Vezelay 2010. (Archivbild)

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Das 12. Element hat die Betrachtung einer Begeisternden Kirche zum Gegenstand. Leben mit und in der Kirche hat für Franziskus eine universale Bedeutung. Dabei verliert er jedoch nicht den kritischen Blick auf kirchliche Entwicklungen.

27. Elemente franziskanischer Spiritualität

12. Eine be-Geist-erte Kirche mitgestalten

Für Franziskus ist der Heilige Geist der eigentliche Leiter seiner Gemeinschaft, der eigentliche Generalminister (vgl. 1/2 C 193). Durch den Höchsten selbst hat er seine Berufung erfahren, durch den Heiligen Geist seine Lebensform vermittelt bekommen. Franziskus weiß sich aber eingebunden in kirchliches Handeln. In einer Zeit, die geprägt war von zahlreichen häretischen Bewegungen, war es nicht unwesentlich, sich im Rahmen der Kirche zu bewegen (vgl. 1/2 Gl 32f.; Ord 44; Test 6ff.). So ist es ihm wichtig, seine Lebensweise vom Papst (damals Innozenz III.) bestätigt zu bekommen (vgl. 1/2 C 32).

In Bezug auf die Priester und kirchlichen Würdenträger mahnt er eine große Achtung an, da sie es sind, durch deren Vermittlung den Gläubigen die Eucharistie gereicht wird – selbst dann, wenn ihr Lebenswandel nicht dem Evangelium entspricht (vgl. Test 6-10). Die Brüder sollen in Treue feststehen im „katholischen Glauben“ [hier noch kein konfessioneller Begriff], heißt es nicht nur in der Regel (BR 12,4).

Franziskus hat die Kirche nie direkt kritisiert, sondern einem authentischen Lebensstil den Vorrang gegeben, der anderen Menschen Vorbild sein kann. (Fior 16): „Denn er hat dich nicht allein erwählt um deiner selbst willen, sondern auch zum Heil anderer.“ Entscheidend für ihn war stets das Evangelium. Als Prinzipien gelten ihm: Hören statt Hörigkeit, Charisma statt Macht, Lieben statt Verurteilen, Dialog führen statt einander bekämpfen, den Glauben mit dem Leben bezeugen statt durch Wort und Schwert verteidigen/durchsetzen. Am massivsten hat er sich daher (trotz aller Kirchentreue) in der Frage der Kreuzzüge über die kirchliche Auffassung seiner Zeit hinweggesetzt (s.u.). Aufgrund dieser Prinzipien verbot Franziskus die Annahme jedweder Privilegien (vgl. Test 25; Jord 13).

Eine be-Geist-erte Kirche mitgestalten bedeutet heute:

  • Authentisches Leben nach dem Evangelium
  • Geschwisterliche Gemeinschaft
  • Leben mit und in der Kirche
  • Kritische Auseinandersetzung mit kirchlichen Entwicklungen
  • Erneuerungsbewegung innerhalb der Kirche sein („ecclesia semper reformanda“)
  • Prophetische Kraft entfalten
  • Verzicht auf Privilegien jeder Art
  • Vorrang des (evangelischen) Lebens vor dogmatischen, juristischen und kirchenrechtlichen Regelungen

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