23.10.2017 Von Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 16. Arbeit als Gnade schätzen

„Geh auch Du in meinen Weinberg….“ Der Weinberg gilt aus biblischer Sicht als Ort des Gebetes und der Arbeit gleichermaßen. Weinlese im Kloster Engelberg. Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Arbeit sieht Franziskus als Gnade an. Sie ist unabdingbar für den Lebensunterhalt der Gemeinschaft. Jedoch darf sie nicht so dominant sein, dass sie die Beziehung zu Gott, die durch das Gebet gefördert und unterstützt wird, beeinträchtigt. Das 16. Element franziskanischer Spiritualität betrachtet die enge Verbindung von Arbeit und Gebet.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

16. Die Arbeit als Gnade schätzen

Franziskus ging es nicht um einen rein asketischen Verzicht, sondern um ein alternatives Lebensmodell zu den aufkommenden Produktions- und Wirtschaftsverhältnissen. Dazu gehörte für ihn der Verzicht auf gesicherte Arbeit, der Verzicht auf sozial bedeutsame Tätigkeiten, der Verzicht auf das Einfordern von Rechten und die Solidarität mit den lohnabhängigen Armen.

Körperliche Arbeit war seit der Antike Sklaven- und Knechtsdienst. Für Franziskus ist Arbeit eine Gnade und „jene Brüder, denen der Herr die Gnade zu arbeiten gegeben hat, sollen in Treue und Hingabe arbeiten“ (BR 5,1). Gemeint ist vor allem die Handarbeit. Die Arbeit soll in einem Maß erfolgen, dass sie „den Geist des Gebetes und der Hingabe nicht auslöscht“, d.h. das Gebet vollzieht sich (auch) in der Arbeit. Das Ineinander von Gebet und Arbeit ist das Lebensprogramm von Franziskus. Durch die Arbeit tragen die Brüder zum Lebensunterhalt bei. Nur wenn das nicht reicht, dürfen sie betteln gehen.

Arbeit als Gnade schätzen heute:

  • Durch die Arbeit zum Lebensunterhalt beitragen
  • Die Arbeit auf das spirituelle Leben hinordnen
  • Neue Sicht von Arbeit im Zeichen der umfassenden Durchökonomisierung des Lebens
  • Solidarität mit Menschen ohne (bezahlte) Arbeit

 


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