15.11.2017 Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 17 Einander als Bruder / Schwester begegnen

Einander geschwisterlich begegnen. Im Mittelpunkt des 17. Elementes franziskanischer Spiritualität steht die Entdeckung der persönlichen Berufung innerhalb der Gemeinschaft, im Dienst für die Brüder und Schwestern.
Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Gott ist es, der im Menschen wirkt. Im 17. Element franziskanischer Spiritualität wird die persönliche Berufung des einzelnen Bruders als Charisma zum Wohl der Brüder und der gesamten Gemeinschaft betrachtet.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

17. Einander als Bruder / Schwester begegnen

Für Franziskus ist der Heilige Geist nicht nur Leiter der gesamten Bruderschaft, sondern jedes einzelnen Bruders. Franziskus wollte keine Uniformität (vgl. 1/2 C 102; SP 85). Jeder Einzelne soll seine ganz persönliche Berufung entdecken und sein eigenes Charisma (vgl. NbR 2,1;16,3). So schreibt er an Bruder Leo: „Auf welche Weise auch immer es dir besser erscheint, Gott, dem Herrn, zu gefallen und seinen Fußspuren und seiner Armut zu folgen, so tut es mit dem Segen Gottes, des Herrn, und mit dem Gehorsam gegen mich“ (Leo 3).

Kernelement seiner Lebensweise ist für Franziskus die Brüderlichkeit (fraternitas). Da die ersten Brüder umherziehen und keinen festen Wohnsitz haben, kommt es wesentlich auf die personalen Beziehungen untereinander an. „Mit überaus herzlicher Liebe liebten sie einander, und der eine umhegte den andern und pflegte ihn wie eine Mutter ihren einzigen und geliebten Sohn“, heißt es in der Dreigefährtenlegende (11,41). Franziskus wünscht sich ein familiares Modell für seine Bruderschaft. Dieses Anliegen findet sich auch in der Regel: „Und wo immer die Brüder sind und sich treffen, sollen sie sich einander als Hausgenossen erzeigen. Und vertrauensvoll soll einer dem anderen seine Not offenbaren; denn wenn schon eine Mutter ihren leiblichen Sohn nährt und liebt, um wie viel sorgfältiger muss einer seinen geistlichen Bruder lieben und nähren? Und wenn einer von ihnen schwer krank werden sollte, dann müssen die anderen Brüder ihm so dienen, wie sie selbst bedient sein wollen“ (BR 6).

Einander als Bruder / Schwester begegnen heute:

  • Die Spannung zwischen individueller Berufung und Gesamtberufung der Bruderschaft kreativ gestalten
  • Das eigene Charisma pflegen und den Auftrag der Bruderschaft mittragen Geschwisterlichkeit (Brüderlichkeit) leben
  • Interesse aneinander und Fürsorge füreinander

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.