09.07.2018 Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 23. Frieden Stiften

Die Geschichte vom Wolf von Gubbio, steht exemplarisch für das Friedensverständnis aus franziskanischer Sicht. Aus der Perspektive des Heiligen Franziskus ist Frieden und Versöhnung immer und zu jeder Zeit an jedem Ort möglich. Bronzeskulptur von Bruder Laurentius Englisch ofm im Franziskanerkloster in Vossenack. Bild von Bruder Wolfgang Mauritz.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. „Der Herr gebe Euch den Frieden“. Franziskus verkündet der gesamten Schöpfung den Frieden, als ein Geschenk, das von Gott selber kommt. Das 23. Element Franziskanischer Spiritualität betrachtet diese Grundhaltung im Hinblick auf den Friedensstifter schlecht hin – Jesus Christus!

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

23. Frieden Stiften

Franziskus versteht sich als Bote des Friedens. „Bei jeder Predigt flehte er, bevor er den Versammelten das Wort Gottes verkündigte, den Frieden herab mit den Worten: ‚Der Herr gebe euch den Frieden!‘ Diesen Frieden verkündete er allezeit mit größter Liebesglut Männern und Frauen, allen Leuten, die ihm auf dem Weg begegneten.“ (1/2 C 23; vgl. auch 1/2 C 37; 1/2 C 108). Wie die Jünger, so sollen auch seine Brüder den Menschen „Friede diesem Haus“ (Lk 10,5) wünschen (vgl. SP 101). Grundprinzip ist es, „weder Zank noch Streit an[zu]fangen“ (NbR 16,6) und „wenn wir sehen oder hören, dass Menschen Böses sagen oder tun oder Gott lästern, dann wollen wir Gutes sagen und Gutes tun und Gott loben“ (NbR 17,19). In einer Zeit, wo es für bestimmte Stände selbstverständlich war, Waffen zu tragen, erlaubt Franziskus höchstens einen Wanderstab und verdeutlicht so die Friedensbereitschaft seiner Brüder. In seinen Briefen wünscht Franziskus den Empfängern „Heil und Friede“ („salus et pax“). Für Franziskus ist die trinitarische Dimension des Friedens wichtig. Friede ist ein Geschenk des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes. „Der „wahre Friede“ kommt von Gott in der Person des Vaters und inkarniert sich im demütigen und Frieden stiftenden „Bruder und Sohn Jesus Christus“. Schließlich ist es der Geist des Herrn, der zum „wahren Frieden des Geistes“ antreibt“ (Horst von der Bey) (vgl. Gl; Ord; Erm 15).

Mit seinem Friedensverständnis stellt sich Franziskus gegen das kirchliche Denken seiner Zeit, das geprägt war vom Aufruf zum Kreuzzug. Ansonsten äußerst kirchentreu, widersetzt sich Franziskus den päpstlichen Anordnungen, die er als nicht evangeliumsgemäß erkennt. Und das, obwohl P. Innozenz III. in seinem Kreuzzugsbrief „Quia maior“ von 1213 geschrieben hatte: „So sollen (sie) wissen, dass jeder, der in dieser Stunde der Not seinem Erlöser den Dienst verweigert, sich schwer verschuldigt und schwer zu beschuldigen ist.“

Das Handeln von Franziskus zielt auf Versöhnung. Es gelingt ihm in verschiedenen Situationen, Frieden zwischen verfeindeten Parteien zu stiften (vgl. Fior 11; Fior 21; 1/2 C 37; 1/2 C 108). Die eindrucksvollste Erzählung diesbezüglich ist die Geschichte vom Wolf von Gubbio. In den Sonnengesang fügt er die Strophe von Frieden und Versöhnung ein (Sonn 11).

Im weltlichen Dritten Orden gab es das Waffenverbot: „Tödliche Waffen dürfen sie gegen niemanden empfangen noch mit sich tragen“ (Memoriale 15,3), so dass sich viele dem damaligen aufgezwungenen Kriegsdienst verweigerten.

Frieden stiften heute:

  • Absage an Gewalt jeder Art
  • Einsatz für Frieden weltweit und vor Ort
  • Initiativen gegen Rüstungsexport und für Abrüstung
  • Unterstützung von Kriegsdienstverweigerern und von Friedensinitiativen.

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