17.04.2017 Bruder Stefan Federbusch

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 5. Den Geist des Herrn haben

Den Geist des Herrn haben. Kontemplation nimmt ihren Ausgang in der Welt und führt in der Verbundenheit mit Gott wieder in die Welt hinein.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Gott ist es, der im Menschen wirkt. Kontemplation und Aktion bilden das 5.Element franziskanischer Spiritualität. Sie sind eine nicht zu trennende Einheit, die im Leben konkret verwirklicht wird und alles Handeln und Tun bestimmen.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

5. Den Geist des Herrn haben

Die Wahrnehmung von Franziskus, seine Sicht von Gott und Welt, ist kontemplativ. In seinen Schriften findet sich das Wort „contemplari“ = schauen, beobachten. Es geht um ein Geschehen des Herzens und damit des ganzen Menschen. Kernstück und Zielpunkt seiner Regel ist es „Den Geist des Herrn zu haben und sein heiliges Wirken“ (BR 10,8). Im Sinne des jesuanisch-biblischen Hauptgebotes Gott zu lieben „aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, … mit allen Kräften, mit ganzer Anstrengung, mit ganzer Zuneigung, mit unserem ganzen Innern, mit allen Wünschen“ (NbR 23,8).

Die Kontemplation, das Schauen der Dinge, die Schönheit der Schöpfung führt Franziskus zum Staunen, das Sich-Hineinversenken und Eintauchen in Gott zu Lobpreis und Danksagung. Gott ist es, der im Menschen wirkt. Eines der Lieblingsworte von Franziskus ist das „reddere“, das Zurückgeben. Er erstattet Gott das mit Lob und Dank zurück, was er von ihm in reichem Maße empfangen hat. Kontemplation nimmt ihren Ausgang in der Welt und führt in der Verbundenheit mit Gott wieder in die Welt hinein.

Franziskus hat sich häufig in die Einsamkeit der Einsiedeleien zurückgezogen, um im Zwiegespräch mit Gott zu sein (vgl. seine Regel für Einsiedeleien). Daraus gestärkt ist er wieder durch die Welt gezogen und hat die Menschen teilhaben lassen an der Wirklichkeit Gottes, wie er sie erfahren hat. Gemäß einer zeitgenössischen lateinischen Formel wollte Franziskus „contemplando se tradere“ = sich in der Haltung der Kontemplation hingeben, d.h. alles wird für ihn zum Ort der Kontemplation (Arbeit, Leben mit den Armen, Gemeinschaft, Schöpfung usw.). Für Franziskus ist „Bruder Leib“ seine „Zelle“ (seine Klausur), „und die Seele ist die Einsiedlerin, die zum Gebet und zur Meditation darin weilt“ (Per 108; vgl. 1/2 C 94). Kontemplation und Aktion gehören für Franziskus zusammen (vgl. 1/2 C 35).

Den Geist des Herrn haben bedeutet heute:

  • Kontemplative Grundhaltung
  • Zeiten der Stille
  • Offenheit für Gott und sein Wirken
  • Zusammenspiel von Kontemplation und Aktion, von Mystik und Politik

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