Pressestelle Erzbischöfliches Generalvikariat Paderborn

Abschied von Werl

Franziskaner geben die Marienwallfahrt an das Bistum Paderborn ab.

 

Gehen und Ankommen, Abschied und Willkommen, Ende und Anfang stehen oftmals in einem engen Zusammenhang: So auch am heutigen ersten Sonntag im September 2019, als Erzbischof Hans-Josef Becker die Franziskaner im bedeutenden Wallfahrtsort Werl verabschiedete und das neue diözesane Wallfahrtsteam begrüßte und einführte.

Nach 170 Jahren verlassen die Franziskaner den Marienwallfahrtsort und das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“. Es komme darauf an, dass sich Abschied und Dank mit der Zuversicht des Neubeginns verbinde, sagte Erzbischof Becker. Nach dem Pontifikalamt in der Werler Wallfahrtsbasilika wurde eine Stele zur Erinnerung an die lange Tradition der Wallfahrtsseelsorge durch die Ordensleute eingeweiht. Danach wurde rund um das Kloster ein Fest der Begegnung gefeiert. Als die Franziskaner nach dem feierlichen Gottesdienst aus der Wallfahrtsbasilika auszogen, applaudierten die rund 2.000 Gottesdienstteilnehmer zum Zeichen der Verbundenheit und des Dankes.

„Es ist wichtig für mich, heute mit Ihnen gemeinsam an diesem besonderen Ort zu sein und die heilige Messe zu feiern, an diesem Tag, der von Abschied und Dankbarkeit und zugleich von Neubeginn und Zuversicht geprägt ist, hier, im Angesicht der Mutter Gottes von Werl“, sagte Erzbischof Becker zu Beginn seiner Predigt in der voll besetzten Wallfahrtsbasilika. Er kennzeichnete Maria als die Treue, Bleibende und Standhafte, als eine Trösterin mit einer grenzenlosen Liebe. „Der Blick auf Maria, die Trösterin, der Blick auf den Sohn auf ihrem Schoß: Dieser Blick ist immer realistisch. Maria begegnet uns als große Trösterin, der nichts Menschliches fremd ist.“

„Wir bleiben zusammen“

Im Hinblick auf die Situation in der Kirche heute sagte der Paderborner Oberhirte, es sei wichtig, auf Maria als die Standhafte zu schauen. „Wir lassen uns nicht spalten, wir bleiben zusammen. Das kann und wird gelingen!“ Er führte weiter aus: „Wenn wir wie Maria mit Christus in unserem Herzen durch den Dornwald der Welt und auch unserer Kirche gehen, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass die Dornen einmal in Rosen verwandelt werden. Dann kann sich Feindschaft und Misstrauen in Frieden verwandeln. Bleiben wir der Botschaft treu, bleiben wir standhaft, bleiben wir zusammen.“

170 Jahre segenreicher Dienst

Die Franziskaner tragen das in Werl verehrte Gnadenbild der Trösterin der Betrübten weiter in sich und nehmen es an jeden Ort mit, sagte Erzbischof Becker im Hinblick auf die Verabschiedung der Ordensgemeinschaft. „Wir sind zu großem Dank verpflichtet, dass Sie, liebe Brüder des heiligen Franziskus, 170 Jahre diesen Ort auf Ihre Weise segensreich geprägt und belebt haben!“ Zugleich gebe es eine große Zuversicht, dass die zahlreichen Pilgerinnen und Pilger auch zukünftig Trost bei der Muttergottes finden: „Dem neuen Wallfahrtsteam wünsche ich Gottes reichen Segen und Freude, Leichtigkeit, Tiefe und Leidenschaft in diesem Dienst.“

„Dem Vergangenen Dank – dem Kommenden Ja!“

Guardian und Wallfahrtsleiter Pater Ralf Preker OFM hatte zu Beginn des Gottesdienstes die zahlreichen Pilger und damit die rund 2.000 Gottesdienstteilnehmer in der Wallfahrtsbasilika, auf dem Vorplatz der Basilika und in der alten Wallfahrtsbasilika begrüßt. „170 Jahre durften die Brüder des Franziskanerordens die Pilgerinnen und Pilger begrüßen, mit ihnen beten und singen, Gottesdienst feiern und sie seelsorglich begleiten. Heute darf ich als letzter Wallfahrtsleiter der Franziskaner sie alle hier in der übervollen Basilika willkommen heißen“, sagte Pater Ralf Preker. „Dem Vergangenen Dank, dem Kommenden Ja! So möchten wir diesen denkwürdigen Tag verstanden wissen.

Das Gnadenbild anvertraut

Zum Zeichen des Wechsels und der Übergabe überreichte Wallfahrtsleiter Pater Ralf Preker OFM das in Werl verehrte Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ an Erzbischof Becker. „Was wir selbst empfangen haben, geben wir nun weiter“, so der Franziskanerpater. Der Paderborner Erzbischof reichte dann das Gnadenbild an Dechant Dr. Gerhard Best weiter, der dieses stellvertretend für das neue diözesane Wallfahrtsteam entgegennahm. Anschließend stellte der neue Wallfahrtsleiter die Statue zurück in die Stele in der Wallfahrtsbasilika. Die versammelte Gottesdienstgemeinschaft stimmte dann das Te Deum an.

Provinzialminister der Franziskaner: „Wir danken!“

„Unser Abschied aus Werl, ist eine tiefe Zäsur, nicht nur für die Geschichte der Wallfahrt in Werl, sondern auch für uns Franziskaner in Deutschland“, sagte der Provinzialminister der Franziskaner, Pater Dr. Cornelius Bohl OFM. Er erläuterte den Rückzug aus Werl mit dem Hinweis, die zahlenmäßig rapide kleiner werdende Ordensprovinz könne nicht mehr all das weiterführen, was die Generationen zuvor aufgebaut haben. Zum Abschluss seines Grußwortes sagte Pater Dr. Cornelius Bohl OFM: „Wir Franziskaner danken heute Gott, was er in 170 Jahren auch durch unsere Mitbrüder, in allen ihren Schwächen und Begrenzungen, hier in Werl getan hat. Wir dürfen dankbar sein, dass hier an diesem Ort viele Menschen in der Begegnung mit Minderbrüdern auch Jesus begegnen durften. Wir danken den vielen Wallfahrern, die uns Vertrauen entgegen gebracht haben. Wir danken den Generationen von Bürgerinnen und Bürgern aus Werl, die mit uns gelebt und uns vielfältig unterstützt haben. Und wir danken ganz besonders herzlich dem Erzbistum Paderborn und besonders Ihnen, Herr Erzbischof, für alles Wohlwollen, für alle gute Zusammenarbeit und alle Hilfe, die wir immer von Ihnen erfahren durften.“

Den Pilgern entgegen gegangen

Stefan Höller, Brudermeister der Wallfahrer aus Much, die sich jährlich auf einen dreitägigen Pilgerweg nach Werl begeben, um am Fest Mariä Heimsuchung das Patronatsfest der Wallfahrtsbasilika mitzufeiern, dankte stellvertretend für alle Werlpilger den Franziskanern für ihre herzliche Gastfreundschaft. Dass die Franziskaner Wallfahrern entgegen gehen, um sie abzuholen, sei ein wahres Zeichen des Willkommenseins, so Höller. Er sagte im Namen aller Wallfahrer zudem Erzbischof Becker Dank, der dafür Verantwortung übernommen habe, dass die Wallfahrt nach Werl zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ personell und strukturell eine gute Zukunft hat. Der neue Wallfahrtsleiter, Dechant Dr. Gerhard Best, lud nach dem Abschluss des Pontifikalamtes zu einer Prozession vor die „Alte Wallfahrtskirche“ ein, wo eine Erinnerungs-Stele an die Kapuziner und Franziskaner in Werl von Generalvikar Alfons Hardt gesegnet wurde. Diese ist ein Geschenk der Stadt Werl.

 

Die Wallfahrtsbasilika in Werl.

Dank und Gruß der Stadt Werl

Die Wallfahrt mit dem Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ sei für die Stadt auch im weltlichen Sinne ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal und habe Werl weit über die Stadtgrenzen bekannt gemacht, sagte Werls Bürgermeister Michael Grossmann. Den scheidenden Franziskanern dankte er im Namen der Bürgerinnen und Bürger für ihre Arbeit und ihr Wirken „und vor allem für die so gute Art, wie sie ihre besonders verantwortungsvolle Aufgabe erfüllt haben“. „Ein herzliches Dankeschön für das, was war! Gottes Segen für das, was kommt!“, sagte Bürgermeister Grossmann.

Segnung der Erinnerungs-Stele

Zur Segnung der Erinnerungs-Stele vor der Alten Wallfahrtskirche, der Verabschiedung der Gemeinschaft der Franziskaner und zur Begrüßung des diözesanen Wallfahrtsteams betete Generalvikar Alfons Hardt: „Gütiger Gott! Zur Verherrlichung deines Namens und zum Segen für die Menschen haben hier in der Wallfahrtsstadt Werl die Kapuziner und nach ihnen die Franziskaner 374 Jahre lang gewirkt. Wir bitten dich: Segne diese Stele und schenke allen, die an diesem Wallfahrtsort beten auf die Fürsprache Mariens, der Trösterin der Betrübten, Hilfe in ihren vielfältigen Anliegen, Sorgen und Nöten. Nimm unseren Dank entgegen für das Vorbild des heiligen Franziskus von Assisi. Lass uns deiner Schöpfung ehrfurchtsvoll und geschwisterlich begegnen und uns stets für ihren Schutz und Erhalt einsetzen, so wie er es getan hat.“
Die Erinnerungs-Stele aus Anröchter Dolomit („Grünsandstein“) steht vor der Alten Wallfahrtskirche nach dem Vorbild der 2011 errichteten 350-Jahre-Jubiläums-Stele. Sie ist eine Arbeit des Werler Bildhauers Bernhard Sobbe. Als Halbrelief ist die Darstellung „Franziskus predigt den Vögeln“ zu sehen. Die beiden Inschriften lauten: „1645 – 1836 Kapuziner in der Wallfahrtsstadt Werl“ und „1849 – 2019 Franziskaner in der Wallfahrtsstadt Werl“. Die Erinnerungs-Stele ist ein Geschenk der Stadt Werl.

Neues diözesanes Wallfahrtsteam

Für Erzbischof Hans-Josef Becker war es wichtig, dass der Wallfahrtsort Werl auch nach dem Weggang der Franziskaner als festes und lebendiges Element für das Erzbistum Paderborn erhalten bleibt. Um die Wallfahrt und Wallfahrtsseelsorge auch in eine gute Zukunft zu führen, hat der Paderborner Erzbischof mit Dechant Dr. Gerhard Best frühzeitig einen Nachfolger benannt, der im Team mit Pastor Stephan Mockenhaupt und Gemeindereferentin Ursula Altehenger die Leitung übernimmt.

Zukunftssicherung für die Wallfahrt

Als im Jahr 2015 bekannt gegeben wurde, dass der Franziskanerorden die Wallfahrtsseelsorge in Werl im Jahr 2019 aufgeben werde, hatte Erzbischof Becker zum Ausdruck gebracht, dass das Erzbistum Paderborn für eine gute Folge-Lösung Sorge tragen wolle, damit die Wallfahrt zur „Trösterin der Betrübten“ in Werl auch weiterhin ein festes und lebendiges Element im Erzbistum sei und bleibe. Gespräche zwischen der Ordensleitung der Franziskaner und Vertretern des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn im Hinblick auf das Grundstück und das Klostergebäude, das sich im Besitz der Franziskaner befindet, führten 2017 zum Ergebnis, dass das Erzbistum Paderborn beides erwirbt. „Wir wollen die Wallfahrt und Wallfahrts-Seelsorge in Werl in eine gute Zukunft führen. Wir nutzen die Möglichkeit, der Wallfahrt auch einen Ort zu sichern“, so Generalvikar Alfons Hardt bei der Bekanntgabe des Kaufs des Areals und des Gebäudes durch das Erzbistum Paderborn. Das Klostergebäude soll nach dem Weggang der Franziskaner umgebaut werden, um dort ein Wallfahrtszentrum einzurichten. Darüber hinaus sollen darin kirchliche Einrichtungen angesiedelt werden. Zudem ist die Unterbringung der Ursulinenschwestern im ehemaligen Franziskaner-Klostergebäude geplant, da sie ihr eigenes Kloster in der Neuerstraße in Werl verlassen werden.

Marienwallfahrt Werl

Vor über 350 Jahren, im Jahr 1661, gelangte durch die Vermittlung des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Maximilian Heinrich das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ nach Werl. Zuvor war es in der seit der Reformation evangelischen Kirche St. Maria zur Wiese in Soest verehrt worden. Damit begann in Werl die bis heute lebendige Marienwallfahrt. Werl ist einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte der Bundesrepublik, nach Kevelaer und Altötting der drittgrößte. Die Werler Madonna zählt zu den schönsten Mariendarstellungen Europas. Unter Papst Pius X. wurde das Gnadenbild 1911 gekrönt. Die Krone ist ein kostbares Schmuckstück, das die Madonna lediglich zu hohen Feiertagen trägt. Traditionell wird jährlich am 1. Mai die Wallfahrtszeit zum Werler Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“, das in der Wallfahrtsbasilika verehrt wird, eröffnet. Bis zum Abschluss der Wallfahrtssaison am Hochfest Allerheiligen (1. November) kommen rund 100.000 Menschen als Pilger in den berühmten Marienwallfahrtsort des Erzbistums Paderborn. Im Jahr 2011, als das 350-jährige Jubiläum der Wallfahrt zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ begangen wurde, waren rund 200.000 Wallfahrer in den bedeutenden Marienwallfahrtsort gekommen: Pilger aus dem ganzen Erzbistum Paderborn und darüber hinaus hatten an zahlreichen Pilgermessen, Pilgerandachten und Lichterprozessionen im Jubiläumsjahr teilgenommen.

 

Lesen sie mehr über den Abschied von Werl auf domradio.de

Auch der WDR berichtet online: Franziskaner verlassen Werl


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