Pater Georg Andlinger

Aufbau der Provinzverwaltung

800 Jahre franziskanische Geschichte in Deutschland - Vergegenwärtigung Teil 9

Am 1. Juli 2010 vereinigten sich die vier deutschen Ordensprovinzen der Minderbrüder zur „Deutschen Franziskanerprovinz von der Heiligen Elisabeth von Thüringen“. Der Start der Verwaltung wurde dadurch erleichtert, dass die bereits bestehenden Räume und Strukturen des Provinzialats der ehemaligen Bayerischen Franziskanerprovinz mitsamt den angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern komplett übernommen werden konnten. Der neue Provinzsekretär konnte sich insbesondere auf die Erfahrung und Sachkenntnis von Frau Ingeborg Röckenwagner im Büro des Provinzialministers stützen.

 

Provinzssekretär Georg Andlinger bei der Arbeit in seinem Büro in der Ordensverwaltung in München. Archiv Deutsche Franziskanerprovinz von 2011.

Die ersten praktischen Arbeiten
Eine vorläufige Übersicht über die Daten- und Aktenbestände der vier Alt-Provinzen gewinnen, sie zusammenzuführen, sie einheitlich ordnen und den neuen Provinzschematismus erstellen. Am Ende des Jahres kamen dazu die alljährlichen Anfragen zur Statistik durch die Generalleitung des Ordens in Rom, die deutschen Diözesen, in denen die Franziskaner Niederlassungen haben, und die Deutsche Ordensobernkonferenz. Eine aufwendige Arbeit, deren Sinn sich bei manchen der auszufüllenden Formulare nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt.

Das erste Totenbuch der Deutschen Franziskanerprovinz war auf der Grundlage der Totenbücher der vier Alt-Provinzen von P. Dominikus Göcking (Paderborn) zusammengestellt und in Druck gegeben worden. Aufgabe des Provinzsekretärs bleibt es, das Totenbuch in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren.

Ein weiteres Thema war es sich einen Überblick über die Grabstätten der Provinz verschaffen. Wenn für einzelne Grabstätten an Orten, an denen kein Kloster mehr besteht, die Ruhefrist abläuft, muss die Provinzleitung entscheiden, ob die Grabstätte aufgelöst oder noch für eine gewisse Zeit erhalten werden soll.

Das laufende Geschäft neben diesen Anfangsaufgaben
Teilnahme an der Provinzialatskonferenz, eine Idee des ersten Provinzialministers Norbert Plogmann. Teilnehmer sind der Provinzialminister, der Provinzialvikar, der Provinzsekretär, der Provinzökonom und der kaufmännische Direktor bzw. die kaufmännische Direktorin. Hier werden aktuell anfallende Fragen bearbeitet, falls sie nicht dem Definitorium zur Entscheidung vorgelegt werden müssen. Erstellung der Protokolle der Definitoriumssitzungen, der Sitzungen des Provinzrats, der Hausleiterkonferenz und der Provinzkapitel. Herausgabe der monatlich erscheinenden Provinzmitteilungen – in Kooperation mit dem Provinzial. Das ist ein internes Kommunikationsorgan für die Brüder der Provinz mit Informationen aus dem Gesamtorden, der Deutschen Ordensobernkonferenz und natürlich vor allem aus der Deutschen Franziskanerprovinz.

In Zusammenarbeit mit dem Provinzialminister und einem Redaktionsteam gibt der Provinzsekretär die zweimal jährlich erscheinende Germania Franciscana heraus, mit Aufsätzen und Berichten von Brüdern der Provinz oder anderen Autoren zu unterschiedlichen Themen, den Jahresberichten aus den Häusern der Provinz und den Nachrufen auf die verstorbenen Brüder.

Viel Arbeit erforderte und erfordert weiterhin auch die Vorbereitung und Durchführung der Auflösung von Klöstern in Zusammenarbeit mit dem Provinzökonomen und mit den Brüdern vor Ort.

Verwaltungsarbeit?! Kein trockener und eintöniger Job, der eben auch erledigt werden muss. Der Verfasser dieses Artikels war von 2010 bis 2016 Provinzsekretär der jungen Deutschen Franziskanerprovinz. Er blickt gern auf diese Jahre zurück: viel Arbeit, viele Termine, viele Begegnungen und Erfahrungen und viele Einblicke in die neuere Geschichte der Franziskaner in Deutschland! Eine spannende Beobachtung dabei: Eine anfängliche Unsicherheit aller– geschuldet der noch mangelnden Vertrautheit mit den Brüdern, den Sachverhalten, Entwicklungen und sonstigen Gegebenheiten der Alt-Provinzen – wich im Lauf der Zeit einer mehr und mehr zielgerichteten und zupackenden Diskussions- und Entscheidungskultur.

Mit zunehmender Kenntnis der Geschichte, der Brüder und der sonstigen Gegebenheiten der anderen Alt-Provinzen konnten alle in immer stärkerem Maß ihrer Verantwortung als Entscheidungsträger für die Gesamtprovinz gerecht werden.


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