15.11.2017 Bruder Heribert Arens

Elisabeth von Thüringen – Barmherzigkeit in Person

Elisabeth von Thüringen ist die Barmherzigkeit selbst, die Schwester der Armen.

Bild "The Charity of St. Elizabeth", Edmund Blair Leighton (1895)
Bild „The Charity of St. Elizabeth“, Edmund Blair Leighton (1895)

Die heilige Elisabeth von Thüringen ist Patronin der deutschen Franziskanerprovinz. Was sich auch nach 800 Jahren noch mit ihrem Namen verbindet, ist ihre Barmherzigkeit, ihr Herz für die Armen. Ihre Barmherzigkeit ließ sie allen Reichtum und alle Standesehre aufgeben. Sie wurde Schwester der Armen. Eine Fülle von Legenden rankt sich um ihr Leben. Die bekannteste ist das „Rosenwunder“, das von ihrer Barmherzigkeit erzählt und davon, das Gott sie dabei schützt und stützt:

Elisabeth ging täglich mit gefüllten Körben nach Eisenach hinunter und verteilte Brot. Doch die Verwandten auf der Burg waren aufgebracht. Ihnen war die Freigebigkeit der Landgräfin ein Stachel im Fleisch, spürten sie doch das Gewissen, das ihre Lebensart infrage stellte. So hetzten sie Landgraf Ludwig, ihren Ehemann, auf und behaupteten, Elisabeth habe Brot von ihren Tischen genommen. Ludwig konnte es nicht glauben, aber er versprach zu prüfen, was seine Gattin in den Körben trug. Er kam auf dem Pferd nach Eisenach geritten und überraschte Elisabeth: „Zeigt mir, was Ihr im Korb tragt“, sagte er. Als diese den Korb aufdeckte, lag kein Brot darin – nur Rosen, weiße Rosen. Das Gesicht des Landgrafen hellte sich auf, er stieg vom Pferd und umarmte Elisabeth stumm. Die Menschen aber, die Zeugen des Geschehens waren, gerieten außer sich vor Staunen. Sie erzählten in der ganzen Stadt das Wunder vom Brot und von den Rosen.

Eine weitere Legende zeigt, dass die Barmherzigkeit sich von keinem Gesetz und Gebot einschränken lässt. Sie zeigt gleichzeitig, wie die Barmherzigkeit einen Menschen beflügelt, Fantasie zu entwickeln für das Leben der Menschen. Zum Verständnis dieser Legende muss man wissen, dass Elisabeth einen geistlichen Führer hatte, der sich durch große Strenge hervortat: Magister Konrad von Marburg.

Almosen zu geben, war ihre besondere Freude. Dass sie stets großherzig mit offenen Händen gab, war aber dem strengen Magister Konrad ein Dorn im Auge. In Sorge, sie würde am Ende auch das Letzte ihres Vermögens verschenken, versuchte er, sie mit allen Mitteln zu zügeln. Auch bestellte er Aufseherinnen, die Elisabeth kontrollieren und ihm über alles berichten mussten. Hatte sie den Armen früher je sechs Pfennige geschenkt, befahl er ihr, nur noch einen Pfennig zu geben. Elisabeth gehorchte seinem Befehl, schenkte dafür aber umso mehr Menschen ihre Pfennige oder schenkte ihnen mehrmals nacheinander, Als ihm das gemeldet wurde, ordnete Konrad an, sie dürfe gar kein Geld mehr verteilen, sondern nur noch Brot. Aber Elisabeth ließ große Brote backen und gab den Hungernden die ganzen Laibe. Das war ihm wiederum nicht recht, und er gebot, nur noch Brotstücke zu verschenken. Auch diese Anordnung befolgte sie. Allerdings gab sie jedem sehr viele Brotstücke, wohl mehr als zu einem Laib gehörten, und die Hungernden hatten glückliche Tage.

 


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