09.03.2022

KHG Hamburg schreibt Brief an Patriarch Kyrill von Moskau

Studierenden der KHG Hamburg wenden sich an das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche

Pater Thomas Ferencik ist Franziskaner und Hochschulpfarrer in Hamburg. Zusammen mit Studierenden hat er sich gefragt, was sie im Angesichts dieser Situation tun können. In einem offenen Brief wenden sie sich an den Patriarchen Kyrill von Moskau, mit der Bitte, er möge sich auf der ökumenisch christlichen Ebene in Russland für Frieden einsetzen.

Durch eine breite Veröffentlichung in Russisch und Deutsch erhoffen sie sich, auch die in Deutschland lebenden Russen zu erreichen. Es braucht eine breite Bewusstseinsbildung für Frieden, auch bei denen, die noch auf der Seite Putins sind.


Воспользуйтесь своим положением! Поднимите свой голос!

Уважаемый патриарх Кирилл I.,

в Украине убивают тысячи людей, разлучают семьи,  разрушают города и много людей покидают свои дома, спасаясь от бомб.

„Блаженны миротворцы!“ Вы можете стать миротворцем! Воспользуйтесь своим положением. Призывайте к тому, чтобы закончились война против Украины, кровопролитие и смерти. Каждая уничтоженная человеческая жизнь – это публичный акт против Божьего творения. Он пожертвовал своего единственного сына из любви к человечеству. Мы топчем ногами эту любовь, если не поднимаем свой голос за мир и взаимное уважение.

Украина – это суверенное государство. Ни у кого нет права вторгаться в эту страну. Нам нельзя позволять, чтобы в 21-ом веке проявилось право сильнейшего. Сам Бог проявляет солидарность с детьми и беспомощными. Поэтому нам нельзя допустить, чтобы любой тот, у кого наибольшее количество солдат, определял, что происходит в мире.

Мы убедительно просим Вас: Воспринимайте Нагорную проповедь Иисуса Христа серьёзно. Провозгласите послание мира всем верующим и призовите к солидарности и христианской любви к ближнему.

С братским приветом,

Католический академический приход города Гамбурга


Deutsche Übersetzung:
Nutzen Sie Ihren Einfluss! Erheben Sie Ihre Stimme!

Sehr geehrter Herr Patriarch Kyrill I.,
tausende von Menschen werden in der Ukraine getötet, Familien werden getrennt, Städte zerstört und viele Menschen sind auf der Flucht vor den Bomben.

„Selig sind, die Frieden stiften!“ Sie können Frieden stiften! Nutzen Sie Ihren Einfluss. Rufen Sie dazu auf, den Krieg gegen die Ukraine, das Blutvergießen und Sterben zu beenden. Jedes menschliche Leben, das ausgelöscht wird, ist ein offener Akt gegen Gottes Schöpfung. Er hat seinen einzigen Sohn aus Liebe für diese Welt geopfert. Wir treten diese Liebe mit Füßen, wenn wir als Christen nicht unsere Stimme für Frieden und gegenseitige Achtung erheben.

Die Ukraine ist ein souveräner Staat. Keiner hat das Recht, in dieses Land einzufallen. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Recht des Stärkeren sich im 21. Jahrhundert manifestiert. Gott selbst solidarisiert sich für die Kleinen und Machtlosen. Wir dürfen deshalb nicht zulassen, dass jeder in der Welt das Geschehen bestimmt, der die meisten Soldaten hat.

Wir bitten Sie inständig: Nehmen Sie die Bergpredigt Jesu Christi ernst. Verkünden Sie die Botschaft des Friedens allen Gläubigen und rufen Sie zu Solidarität und christlicher Nächstenliebe in ihrer Kirche auf.
Mit geschwisterlichen Grüßen, die KHG Hamburg.


2 Kommentare zu “KHG Hamburg schreibt Brief an Patriarch Kyrill von Moskau

  1. Glaubt Pater Thomas Ferencik wirklich, dass dieser offene Brief auch nur das geringste bewirken wird? Hat die KHG nicht mitverfolgt, wie oft in den vergangenen Tagen Bischöfe, Politiker und auch orthodoxe Kirchenvertreter an Kyrill appelliert haben, endlich sein Schweigen zu brechen und bei Putin für den Frieden einzutreten? Kyrill äussert sich nicht, oder zumindest nicht wie erhofft. Stattdessen bezichtigt er den Westen als Kriegstreiber und Aufhetzer der beiden Brudervölker Russlands und der Ukraine. Machen wir uns doch nichts vor: Kyrill steht auf der Seite Putins und wird sich hüten, die „Symphonie von Staat und Kirche“ zu beenden. Denn immerhin hat nach dem Zusammenbruch der UdSSR die orthodoxe Kirche von staatlichen Geldern profitiert. Warum das Melken dieser Kuh beenden?

    Ganz besonders abstrus sind aber seine Äusserungen, dass der Krieg die Gläubigen seines Landes vor den schädlichen Auswirkungen der Gay-Pride-Paraden schützen würde.

    Machen wir uns nichts vor: Alle Aufrufe an Kyrill werden ungehört verhallen. Stattdessen aber sollte man sich fragen, ob die russisch-orthodoxe Kirche nicht aus dem Rat der ökumenischen Weltkirchen ausgeschlossen werden sollte. Zumindest so lange, bis sich die russische Kirche endlich gegen Putin wendet und ihn zum Ende der Kampfhandlungen auffordert. Und wenn die KHG keine andere Idee hat, wie man helfen kann ausser einen offenen Brief zu schreiben, dann ist das ein schwaches Ergebnis.

    1. Lieber Bruder Ralf, vielen Dank für ihren Kommentar zu unserem Brief an Kyrill.
      Natürlich sind wir uns bewusst, dass unser Brief beim Patriarchen nichts bewirken wird. Aber das heißt ja nicht, es nicht unversucht zu lassen. Die eigentlichen Adressaten dieser Aktion sind Menschen mit russischen Wurzeln in Deutschland und die Christen in Russland selbst.
      Wir sind nicht naiv und schicken nur einen Brief an den Patriarchen. Wir haben verschiedene Stellen in Moskau angeschrieben (von der Diözesanverwaltung bis zur Presseabteilung). Da sitzen einfache Sachbearbeiter, die möglicherweise falsch informiert sind und nun diesen Brief lesen. Vielleicht fragen diese sich nun, warum wir diesen Brief schreiben.
      Dann haben wir die Orthodoxe Kirche in Kiew angeschrieben, um ihnen unsere Solidarität auszusprechen. Möglicherweise können wir auch ihnen durch unsere Aktion ein wenig Mut und Trost zusprechen.
      Und nicht zuletzt arbeiten wir natürlich nicht nur mit einem Brief. Unsere Nachricht ist mittlerweile auf Facebook, Twitter, Instagram und diversen Internetseiten zu finden. Und diese Nachrichten werden nicht nur gelesen, sondern auch geteilt, sodass sich die Zahl der erreichten Personen vergrößert. Allein auf unserer Facebookseite haben wir mittlerweile 1900 Menschen erreicht. Und das ist nur eine Plattform von vielen.
      Unser Plan ist, dass in Deutschland lebende Menschen mit russischen Wurzeln diesen Brief lesen und sich mit ihren Verwandten in Russland darüber austauschen. Gerade in Hamburg gibt es orthodoxe Gemeinden, die diesen Brief in den sozialen Medien gelesen und zum Teil geliked haben. Wir denken, dass es nötig und möglich ist, durch diese Art der Kommunikation die Mediensperre in Russland zu umgehen. Heute wird es noch ein Interview mit der Kirchenzeitung geben, die nächste Woche darüber berichten wird. Auch Katholisch.de, die eine große Gruppe von Lesern hat, teilte bereits unsere Posts.
      Für uns ist das kein schwaches Ergebnis. Unser Brief ist etwas, was wir mit unseren begrenzten Mitteln tun können.
      Und das ist ja auch nicht alles. Wir haben eine Plattform eingerichtet, wo man regelmäßig sehen kann, wer welche Spenden annimmt und wo man diese abgeben kann. Und nicht zuletzt beten wir für den Frieden.
      Die KHG Hamburg ist eine kleine Gruppe von Studierenden, die vermutlich genauso ratlos und sprachlos ist wie Sie.
      Diesen Brief haben übrigens Menschen aus der Ukraine übersetzt, die durch unsere Aktion ein wenig Trost empfangen haben, weil sie nun wissen, dass wir an ihrer Seite stehen.

      Liebe Grüße von P. Thomas Ferencik ofm.

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