Bruder Damian Bieger

Das internationale Noviziat der Franziskaner in Irland

800 Jahre franziskanische Geschichte in Deutschland - Vergegenwärtigung Teil 7

In der Gründungsphase des Ordens im Mittelalter halfen sich die Brüder quer durch Europa mit Fachkräften aus: Dozenten wechselten unter anderem zwischen Oxford, Paris und Köln. Die Brüder predigten zwar in den jeweiligen Landessprachen, die Theologenausbildung erfolgte aber in der Wissenschaftssprache des Hochmittelalters: Latein.

Der Orden bringt also in seiner Ausbildung eine internationale Tradition mit. Während das überall auf der Erde bis heute so gepflegt wird, hat in Europa lange die nationale oder sogar nur die provinzielle Perspektive dominiert. Der akute Nachwuchsmangel führt die deutschen Franziskaner hier in der Ausbildung zu ihren Ursprüngen. Denn im Moment haben auch andere Provinzen nicht mehr regelmäßig Novizen; gibt es aber welche, dann häufig nur einen einzigen. Deshalb haben sich verschiedene Länder zusammengetan und ein gemeinsames Noviziat in Killarney, in Irland eingerichtet.

Die Stammbesatzung des dortigen Konventes umfasst vier Iren, einen Engländer, einen dänischen Schweden, der aber zur holländischen Provinz gehört und einen Deutschen. Unter den genannten Brüdern bringen drei Erfahrungen aus der Afrikamission mit. Der Novizenmeister ist Engländer. Die Unterrichts- und Lebenssprache ist Englisch. Unterrichtsgegenstände sind unter anderem: biblische Themen, Eucharistie, franziskanische Quellen, Geschichte des Ordens, Generalkonstitutionen, Centering Prayer und Spiritualität der Wüstenväter nach Johannes Cassian.

 

Selfie: Der internationale Noviziatsjahrgang 2019 bei einer Exkursion in Irland.

Zu den in Killarney auszubildenden Novizen gehörten bislang Deutsche, Iren, Schotten, Engländer, aber auch Novizen aus Kanada und Litauen. Aktuell werden dort ein Belgier und ein Schweizer ausgebildet.

Bruder Augustinus, ein deutscher Franziskaner, der dort seit dem Herbst 2020 als Ausbilder lebt und wirkt, schreibt über seine Erfahrungen: „Chancen eines internationalen Noviziats liegen in der Vielfalt von Traditionen, die hier zusammenkommen und so horizonterweiternd sind und sich später vielleicht auch durch eine stärkere Vernetzung der Provinzen positiv auswirken könnten.“ Die Vielzahl der beteiligten Ordensprovinzen führt zu einer Vielfalt von Referenten aus vielen Ländern, „die so auch einen weiten Rahmen stecken, der über eine Provinz hinausgeht“.

Gleichzeitig bleibt aber die Herausforderung der Sprache: „Was die Grenzen angeht, so ist es auf jeden Fall die Verständigung bei begrenzten Englischkenntnissen, mit den sich daraus ergebenden Folgen. Die Sprachbarriere grenzt aus, auch wenn sich alle Mühe geben. In der Gemeinschaft, wenn das Gespräch hin- und hergeht oder einer eine Geschichte erzählt, der ein anderer nicht folgen kann, fühlt der sich leicht ausgegrenzt und/oder schaltet ab. Auch bei den Lerneinheiten kommt das vor, wenn aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse der Faden reißt.“ Einen fortgeschrittenen Sprachkurs hält er als Vorbereitung auf das Noviziat für dringend erforderlich.

Etwas entbehrt allerdings nicht einer gewissen Ironie: Die Irische Provinz musste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Novizen nach Deutschland schicken. Dadurch wurde diese Provinz von der damals in Deutschland gepflegten Herz-Jesu Frömmigkeit geprägt. Während hierzulande mittlerweile andere Akzente gesetzt werden, sind Reste dieser traditionellen Formen in Irland noch immer sehr präsent. Das provoziert die Frage, welche Schwerpunkte in der Gegenwart denn eigentlich wichtig sind. Br. Augustinus schreibt: „Am Anfang der mittäglichen Gebetszeit gibt es verschieden Andachtsgebete, wie das Kreuzgebet des hl. Franziskus, die Antiphon vom Passionsoffizium oder die Anrufung des hl. Franziskus, Weihe zum heiligsten Herzen Jesu und anderes. Jede Hore beginnt mit dem „Adoramus te“ [einem Gebet, das dem heiligen Franziskus wichtig war] und der Bitte um die rechte Verehrung des Heiligsten Sakraments. Das lässt sich als Bereicherung sehen. Mir wäre es allerdings lieber, wenn mehr Energie auf die Vermeidung von Plastikmüll gelegt und mehr Sensibilität bei anderen Themen in Richtung Bewahrung der Schöpfung da sein würde.“

Internationalität und Vielfalt gehört zwar zum Erbgut der Franziskaner, bedeutet aber für alle Beteiligten immer auch eine Herausforderung zu neuen Antworten.


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