René Arturo Flores OFM

Die Hoffnung der Migranten

Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben

Wenn die Migranten im Migrantenhaus „72“ in Tenosique ankommen, werden sie zunächst empfangen und in einem Raum untergebracht, der für die Neuankömmlinge vorgesehen ist. Dort erhalten sie einige grundlegende Informationen über die Unterkunft.

Im Laufe von Minuten, Stunden und Tagen keimt die Liebe der Migranten, die zur Hoffnung geworden ist, von innen heraus. Das sind Gefühle, die uns Menschen stören und doch sind sie gleichzeitig Teil unseres Mensch seins als Ganzes. Die Hand in Hand mit mit edlen Gefühlen des Kampfes, des Widerstands, der Solidarität, des Mitgefühls und der Hoffnung gehen.

Einer Hoffnung, die trotz Furcht, Angst und Traurigkeit da ist. Wie eine Flamme, die nach mehr strebt, um das Leben zu erhellen, während du gehst.

Hoffnung, die im Innern jedes Migranten existiert, der nach Norden blickt, nicht weil er in einer hochgradig konsumorientierten, mit zweierlei Maß messenden, kriegerischen und fremdenfeindlichen Gesellschaft leben will, sondern weil er den „Norden“ seines Lebens sucht, um zusammen mit seiner Familiee einen Horizont erreichen zu können, der ihm ein besseres Leben ermöglicht.

Hoffnung, die über die Rolle eines Überlebenden hinausgeht und in ihm den tiefen Wunsch weckt, das eigene Leben in Wert und Würde zu leben.

Hoffnung, die eine schwangere Mutter dazu bringt, ihre drei kleinen Kinder auf dem Weg zu ihrem Partner zu bringen, und mit der Gründung eines Heimes zu beginnen.

Der Hoffnung, die entsteht durch das Lächeln der Kinder, die auf der Straße spielen, die mit jedem, den sie treffen, lachen und scherzen, und die Zeit mit anderen Migranten verbringen, die in ihrem Menschsein letztlich alle gleich sind.

Viele Tage unterwegs erreichen die Migranten das Migrantenhaus „72“ der Franziskaner in Tenosique. Hier erhalten sie Unterkunft und Verpflegung, aber auch Beratung durch die Brüder. Bild von Hauke Lorenz.

Die Hoffnung, auf einen Gott zu vertrauen, der mit ihnen geht, der auf dieser Pilgerreise, diesem erzwungenen Exodus, gegenwärtig ist.

Hoffnung in jedem jungen Migranten, der trotz des Schmerzes, das Zuhause verlassen zu haben, in dem er aufgewachsen ist, in dem er geweint, gelächelt und gespielt hat, weiter nach vorne blickt.

Die Hoffnung von Familien, die sich auf den Weg machen, um andere zu treffen, von Familien, die nirgendwo hingehen können, aber wissen, wohin sie gehen, von Familien, die sich mit einer anderen Familie auf diese Reise begeben, die sich miteinander austauschen und für andere kulturelle Erfahrungen öffnen.

Die Hoffnung, dass der morgige Tag besser sein wird als der heutige, dass sie sich in einem anderen Land niederlassen, aber dennoch das Gefühl haben, dass es dieselbe „Mutter Erde“ ist, die sich um sie kümmert und sie willkommen heißt.

Hoffnung, wenn sie ihre Rucksäcke und Kittel nehmen und die „72“ verlassen, um sich auf den Weg zu machen, wobei sie die gemeinsame Hoffnung mit denen teilen, die mit Ihnen ihr Leben in der Unterkunft geteilt haben.

Hoffnung, die in ihren Rucksäcken steckt, voll mit Geschichten, Erinnerungen, Küssen, Umarmungen und der Kleidung, die sie auf ihrem Lebensweg begleitet.

Sie hoffen, dass es ihnen gelingt, mit Widerstand, Mut und Beharrlichkeit eine Behörde zu überwinden, die mit erschöpfender Bürokratie und mangelnder Sensibilität vorgeht. Und sie doch noch ein Visum für einen regulären Aufenthalt in Mexiko erhalten.

Während ihres Aufenthaltes im Migrantenhaus kümmern sich die Brüder um die eingetroffenen Migranten, denen es oft am Nötigsten fehlt. Bild von Hauke Lorenz.

Diese Hoffnung gründet auf Jesus, dem ersten Hoffnungsträger, der Ausgrenzung, soziale Spaltung und religiösen Dualismus überwunden hat. Eine Hoffnung, die von dem Jesus ausgeht, der befreiend gehandelt hat und Leben in Fülle schenkt.

Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.

Röm 8, 19-21


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