02.03.2021 Peter Kolar / Hofheimer Zeitung

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“

Hausgottesdienste zur Fastenzeit auf YouTube

Auf Grundlage des diesjähriges Hungertuches der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sanchez gestalten die drei Franziskaner (v.l.n.r.) Stefan Federbusch, Helmut Schlegel und Norbert Lammers die sonntäglichen Hausgottesdienste in der Fastenzeit. Bild von Peter Kolar.

Trotz Corona, in der Natur geschieht gerade etwas Großartiges. Die Sonne scheint, es wird allmählich wärmer, Schneeglöckchen, Winterlinge und erste Krokusse wagen es, den Minusgraden zu widerstehen. Es will nun mit Macht Frühling werden. Das Leben ist stärker als der eisige Winter. Auch im Garten des Hofheimer Exerzitienhauses regt sich das Leben. „Ist das nicht ein Zeichen“, fragen sich dort die franziskanischen Brüder und geben diese Frage weiter an die Menschen. Selbst der graue Aschermittwoch, mit dem die Fastenzeit beginne, zeige ja schon in Richtung Ostern. Und da das Leben stärker ist als der Tod, möchten die Brüder Mut machen. In Corona-Zeiten ist nun einmal Kreativität gefragt. Das Internet kann da zwar nicht die persönlichen Begegnungen ersetzen, aber doch eine Hilfe sein.

Das Misereor Hungertuch 2021

„Mit dem Aschermittwoch haben wir eine Reihe von Hausgottesdiensten unter dem Motto ‚Du stellst meine Füße auf weiten Raum‘ begonnen“, erklärt der Leiter des Hofheimer Exerzitienhauses, Bruder Stefan Federbusch. Diese Gottesdienste wurden als YouTube-Videos aufgenommen und laden alle herzlich zur Teilnahme ein. In der Fastenzeit einmal innehalten, zu sich selbst finden, zu meditieren oder zu beten, das kann vor allem auch in Zeiten der Pandemie sehr viel Kraft spenden.

Das Hauptmotto dieser Gottesdienste wurde dem Titel des Misereor Hungertuchs 2021 entlehnt. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ ist ein Werk der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sanchez. Basis des Bildes ist die Röntgenaufnahme des gebrochenen Fußes eines Menschen, der in Santiago de Chile bei Demonstrationen gegen soziale Ungleichheit durch die Staatsgewalt verletzt worden ist. Das Bild ist auf drei Keilrahmen, die mit Bettwäsche bespannt wurden, angelegt. Also ein so genanntes Triptychon. Der Stoff stammt aus einem Krankenhaus und aus dem Kloster Beuerberg nahe München. Als Zeichen der Heilung sind goldene Nähte, als Zeichen der Solidarität und Liebe, Blumen eingearbeitet. Leinöl im Stoff verweist auf die Frau, die Jesu Füße salbt und auf die Fußwaschung.

Der Franziskaner Helmut Schlegel hat zusammen mit Ricarda Moufang aus Frankfurt für die Hausandachten zum Hungertuch Texte, Lieder, Gebete und Gedichte geschrieben, kurze Gedichte. Beim ersten Hausgottesdienst am Aschermittwoch spielte sie auch meditative Stücke auf der Harfe, Joachim Raabe komponierte und sang das entsprechende Lied zum Hungertuch am Klavier. Außer den bereits Genannten werden die Brüder des Exerzitienhauses Stefan Federbusch, Norbert Lammers und Helmut Schlegel auch für die folgenden Fastensonntage Hausgottesdienste zum Hungertuch gestalten. Unterstützt werden sie dabei von Ricarda Moufang (Texte und Harfe), Joachim Raabe (Kompositionen, Gesang und Piano) und Andreas Walke (Orgel, Aufnahmen, Bildauswahl und technischer Support).

Das ist Fastenzeit: Die Fenster des Herzens öffnen und leben mit einem freien Kopf, mit gütigen Augen, mit hellhörigen Ohren. Das ist die Botschaft aus dem Hofheimer Exerzitienhaus, vor allem in diesen schwierigen Zeiten.

Die Hausgottesdienste, zu denen die Franziskaner in der Fastenzeit per YouTube-Video einladen, stehen unter folgenden Einzelthemen:

Aschermittwoch: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“

Erster Fastensonntag – „Aus welchem Stoff sind wir?“

Dritter Fastensonntag: „Wieder stehen – widerstehen“

Vierter Fastensonntag: „Wir sind verletzlich“

Fünfter Fastensonntag: „Auf Zehenspitzen gehen“

Palmsonntag: „Goldfäden im Chaos“

Natürlich kann man diese meditativen Gottesdienste auch rückwirkend verfolgen. Der Link zu den Videos finden sie auf der Seite des Hofheimer Exerzitienhauses www.exerzitienhaus-hofheim.de unter Hausgottesdienste, oder über die YouTube-Kanäle Exerzitienhaus Hofheim und Misereor.

 


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