04.10.2016 Bruder Michael A. Perry, Bruder Francesco Patton

Franziskaner fordern sofortige Waffenruhe in Aleppo

Zur Lage in Syrien - Gemeinsamer Aufruf des Generalministers der Franziskaner, Bruder Michael A. Perry OFM, Rom, und Bruder Francesco Patton OFM, Kustos des Heiligen Landes, Jerusalem

Zerstörter Wohnblock in Aleppo, Syrien. Bild von der Kustodie des Heiligen Landes
Zerstörter Wohnblock in Aleppo, Syrien. Bild von der Kustodie des Heiligen Landes

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,
Liebe Männer und Frauen guten Willens, Der Herr gebe Euch Frieden.

In unserem Namen und im Namen unserer Brüder, die im Mittleren Osten leben, insbesondere in Syrien, in einer Region, die einen furchtbaren Krieg und gewaltige Konflikte erlebt, möchten wir unsere Dankbarkeit ausdrücken gegenüber Papst Franziskus, für seine unerschütterliche Nähe zum syrischen Volk in einer Zeit, in der es ein unaussprechliches Leid erfährt, insbesondere im Osten und Westen der Stadt Aleppo.

Bruder Michael A. Perry, OFM, Generalminister des Franziskanerordens, Rom. Bild von Generalkurie der Franziskaner
Bruder Michael A. Perry, OFM, Generalminister des Franziskanerordens, Rom. Bild von Generalkurie der Franziskaner

Wir möchten uns den Worten des Papstes anschließen: „Wir müssen mit großer Traurigkeit feststellen, dass seit unserem Treffen vor einem Jahr, trotz großer Fortschritte in verschiedenen Gebieten, sich die Logik von Waffen und von Unterdrückung fortsetzt, um über diese Länder Zerstörung zu verbreiten und dass wir, besonders jetzt, nicht fähig waren, das bittere Leiden und die wiederholten Verletzungen der Menschenrechte zu beenden(…). Gewalt schafft neue Gewalt, und wir haben den Eindruck, in einer Spirale von Arroganz und Untätigkeit gefangen zu sein, aus der es kein Entkommen gibt„. (Ansprache von Papst Franziskus an die Mitglieder katholischer Organisationen, die im Irak, in Syrien und in den benachbarten Territorien tätig sind, Rom, 29. September 2016).

Geleitet durch das Beispiel und die Lehre unseres Ordensgründers Franziskus von Assisi, eines Friedenspropheten, möchten wir uns den Aufruf von Papst Franziskus zu eigen machen, indem wir uns mit allen Kräften seinem Ruf verpflichten: „Den Konflikt zu beenden liegt ebenso in den Händen von Männern und Frauen: jeder von uns muss ein Frieden- Schaffender werden, weil jede Situation von Gewalt und Ungerechtigkeit eine Wunde am Leib der ganzen Menschheitsfamilie ist“ (ebd.).

Daher appellieren wir an alle beteiligten Mächte und an alle, die politische Verantwortung tragen, das Wohl der verteidigungslosen Bevölkerung von Syrien und von der Stadt Aleppo über alles und vor alles zu stellen. Wir rufen zu einem sofortigen Schweigen der Waffen auf, den Hass und jede Form von Gewalt zu beenden, so dass alle den Weg des Friedens, der Versöhnung und der Vergebung finden und gehen.

Bruder Francesco Patton OFM, Kustos des Heiligen Landes, Jerusalem. Bild von der Kustodie des Heiligen Landes
Bruder Francesco Patton OFM, Kustos des Heiligen Landes, Jerusalem. Bild von der Kustodie des Heiligen Landes

Wir fordern, dass die ganze internationale Gemeinschaft konkrete Schritte unternimmt, um Aleppo als eine sichere Zone zu erklären, indem man Lehren und Lösungen bei früheren Konflikten benutzt, um eine größtmögliche Zusammenarbeit für eine solche Initiative zu erreichen. Eine Sicherheitszone um Aleppo herum würde der ganzen Bevölkerung, die durch die furchtbaren Ergebnisse des Konfliktes niedergeschlagen ist, erlauben, wirkliche humanitäre Hilfe ohne Diskriminierung zu erhalten, Verlässlichkeit und Sicherheit sowie Trost und Hoffnung in einer schnellen Lösung, die nur durch Frieden begründet würde.

Weitere Sicherheitszonen sollten in Syrien geschaffen werden als Teil eines umfassenden Planes, um Sicherheit für alle zu gewährleisten, und schließlich einen endgültigen Frieden zu erreichen. Diese Gebiete sollten unter die Kontrolle von UN Friedensstiftern gestellt werden, die unter dem Mandat eines Sicherheitsgremiums und in voller Zusammenarbeit der in diesem Krieg beteiligten Parteien tätig würden.

Außerdem fordern wir weltweit die Länder auf, so großzügig wie möglich syrische Flüchtlinge aufzunehmen, wobei nationale und örtliche Gesetze vollständig zu beachten sind, und alle nötige Hilfe anzubieten, um der dringenden humanitären Not und den Sicherheitsinteressen Syriens zu begegnen.

Nur auf diesem Weg ist es möglich – durch Zurückstellen aller Partei-Interessen -, diesen verwüstenden Konflikt zu beenden, und einen wirklichen Pfad zu eröffnen, um das Leben des Volkes, die Würde und die Hoffnung zu ermöglichen.

Wir bieten unsere Gebete und unsere Hilfe all jenen an, die so furchtbar in diesem Krieg leiden, als auch unseren Brüdern, die voller Mut weiterhin in Syrien leben. Durch ihre Nähe und durch ihre praktische Hilfe gegenüber all jenen, die durch die quälenden Konsequenzen des Konfliktes niedergeschlagen sind, haben sich die Brüder selbst als die „guten Samariter“ erwiesen.

Wir erneuern unsere eigene Verpflichtung und wir laden Euch alle ein, Männer und Frauen guten Willens, wirkliche Friedensstifter zu werden. Möge der Durst nach Frieden, der im Herzen einer jeden Person zu finden ist, besonders in den Herzen unserer Brüder und Schwestern in Syrien, erfüllt werden.

Br. Michael A. Perry, OFM, Generalminister des Franziskanerordens, Rom,
Br. Francesco Patton OFM, Kustos des Heiligen Landes, Jerusalem

Rom/Jerusalem, 04.10.2016

 

Übersetzung aus dem Englischen von Bruder Werner Mertens
Hier lesen sie das Schreiben des Generalministers und des Kustos des Heiligen Landes im Original


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