03.05.2017 André Madaus / Thomas Meinhardt

„Ich bin nicht ins Kloster gegangen – ich bin Franziskaner geworden“

Franziskaner werden – Franziskaner sein

Franziskaner werden – Franziskaner sein. Was bewegt Menschen ihre gewohnte Umgebung, Beruf und alle Sicherheiten zu verlassen und sich einer Ordensgemeinschaft anzuschließen?

Als Benedikt Haag zum ersten Mal die dicken Mauern des Klosters Frauenberg in Fulda sah, konnte er sich nicht vorstellen, dort sein ganzes Leben zu verbringen. Franziskaner wurde der Pfälzer aber trotzdem.

Mein Weg in die Ordensgemeinschaft hat sich ganz allmählich entwickelt. Geboren und aufgewachsen bin ich in Kaiserslautern: Wir waren eine normale katholische Familie. In der Pfarrei habe ich mit meinen Geschwistern in Jugendgruppen mitgemacht, war Ministrant, ohne besonders fromm zu sein.

Handys, Fernseher, Computer gab es damals noch nicht. In der freien Zeit bin ich mit Freunden aus der Jugendgruppe gewandert, habe Radtouren gemacht, bin abends zum Tanzen und im Sommer zum Schwimmen gegangen. Ich habe auch gerne gelesen, insbesondere Geschichten über Heilige, über Missionare, über Menschen, die sich um andere gekümmert haben. So erinnere ich mich an Damian De Veuster, der als Ordensmann und Missionar auf der hawaiianischen Insel Molokai mit den Leprakranken gelebt hat. Der hat mir ungeheuer imponiert. So war es auch bei Franziskus, von dem mir meine Schwester nach einem Besuch in Assisi erzählt hatte. Das Einfache, das Leben mit den Ärmsten, das hat mich irgendwie angezogen. Eine Berufung zum Ordensleben habe ich damals aber nicht gespürt.

Nach der Schule hatte ich Büromaschinenmechaniker gelernt und auch in diesem Beruf gearbeitet. Inzwischen reifte in mir der Plan, in einen Orden einzutreten. Als ich dann zum Wehrdienst eingezogen wurde, habe ich mich bewusst dafür entschieden. Ich wollte ausprobieren, ob ein einfaches Leben etwas für mich ist: Da bist du weg von zu Hause, auch getrennt von der Freundin; du bekommst wenig Geld, hast keine Räumlichkeiten, um dich auszubreiten, und musst gehorchen.

Meine Einberufung zum Militär erhielt ich zu den Pionieren nach Hannoversch-Münden. Dort in der Nähe fand ich kein Kloster. Aber unser Militärpfarrer war Franziskaner. Pater Leonard Holtz OFM informierte mich über den Franziskanerorden und gab mir die Adresse in Fulda, weil er der Meinung war, die dortige Provinz sei für mich das Richtige. Da Minen legen, Sprengkörper basteln und Schwimmbrücken bauen für meine geplante Zukunft nicht sinnvoll war, meldete ich mich zur Ausbildung im Sanitätsdienst. Im Rahmen dieser Ausbildung arbeitete ich auch in einem Krankenhaus.

Während der Militärzeit war ich zwei oder drei Wochenenden bei den Franziskanern in Fulda zu Gast. Als ich den Frauenberg zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich: Hinter diesen dicken Mauern sollst du dein Leben verbringen? Aber wenn Gott mich hierher geführt hat, wird’s schon richtig sein. Dieses Gottvertrauen hat mich eigentlich schon immer begleitet, das Vertrauen, dass Gott mich an den richtigen Ort führen wird. Im April 1962 wurde ich aus der Bundeswehr entlassen. Nach einer Woche zu Hause und einer Woche Urlaub in Paris fuhr ich am Dienstag nach Ostern nach Fulda auf den Frauenberg. In die Heimat zu meiner Familie kam ich erstmals wieder im Jahr darauf, zur Priesterweihe eines Verwandten.

Vielleicht kann ich nach Brasilien in die Mission, dachte ich. Aber im Grunde hatte ich keine bestimmte Vorstellung. In die Mission bin ich nicht gekommen. Aber die Sanitätsausbildung hatte die Richtung vorgegeben. In nun über 50 Ordensjahren als Franziskaner war ich in mehreren Konventen und habe verschiedene Aufgaben wahrgenommen. Doch zumeist war ich in der Kranken- oder Altenpflege tätig, habe mich um Obdachlose gekümmert. So konnte ich für diejenigen sorgen, denen es nicht so gut geht. Und das war es ja auch, was mich an Damian De Veuster und Franziskus angezogen hat.

Ich bin dankbar für diesen Lebensweg, den ich nicht als Mönch im Kloster, sondern als Franziskaner unter den Menschen gehen durfte.

Erstveröffentlichung in Zeitschrift Franziskaner / Winter 2015


2 Kommentare zu “„Ich bin nicht ins Kloster gegangen – ich bin Franziskaner geworden“

  1. Hallo,
    Ich bin selbständiger Schuhmachermeister, lebe und wohne im oberbayerischen Miesbach. Im August habe ich eine Mitlebewoche im Kloster Hülfensberg genossen. Wenn ich doch nur meinen Beruf mit ins Kloster nehmen könnte. Auch das Beten mit dem Stundenbuch bereichert mein Leben. Ich sehe meine Zukunft bei den Franziskanern.
    Muss ich alles weltliche abbrechen und hinter mir lassen, oder gibt es noch andere Möglichkeiten den Weg des Franz von Assisi zu gehen?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gott segne Sie / Euch

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