Eine Buchempfehlung der Brüder Stefan Federbusch, Jürgen Neitzert, Markus Fuhrmann, Peter Fobes und Johannes Baptist Freyer.

Franziskanische Impulse für die interreligiöse Begegnung

Religionsdialog aus franziskanischer Sicht

Franziskanische Impulse für die interreligiöse Begegnung. Adrian Holderegger, Mariano Delgado, Anton Rotzetter (Hrsg)
Franziskanische Impulse für die interreligiöse Begegnung. Adrian Holderegger, Mariano Delgado, Anton Rotzetter (Hrsg)

In der religiösen Mentalitätsgeschichte spielt Franz von Assisi (1182-1226) eine bedeutende Rolle. Mit seinem Sonnengesang stellt er die Gottesbeziehung in einen universalen Horizont.

Bei seiner friedlichen Begegnung mit dem Sultan von Ägypten (1219, während des fünften Kreuzzugs) überschreitet er ein begrenztes Gottesverständnis und belebt den Austausch zwischen islamischer und westlicher Welt.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes stellen sich der Frage, welche Bedeutung dieser Impuls für das interreligiöse Gespräch grundsätzlich hat und welche Wirkungen im Lauf der Jahrhunderte davon ausgegangen sind.

Vorwort der Herausgeber:

Mit diesem Buch dokumentieren wir für einen weiteren Interessentenkreis die Vorträge des Symposions „Franziskanische Impulse zur interreligiösen Begegnung“ vom 4./5. Mai 2012 an der Universität Freiburg/Schweiz.

Der Flyer, der zum Anlass einlud, zeigt Franz von Assisi und den Sultan El-Kamil von Ägypten in einem heftig gestikulierenden Gespräch. Bis heute ist nicht nur die Erinnerung an die Begegnung der beiden in Damietta lebendig, sondern auch das Bewusstsein, dass dieser große Bedeutung für die Gegenwart zukommt.

Dafür zwei Beispiele: Ende der 1980er Jahre besuchte Marco Orsolic OFM,Soziologieprofessor in Sarajevo, Anton Rotzetter, einen der Mitorganisatoren des genannten Symposions, um ihn zur Mitwirkung an der Gründung eines „Internationalen multireligiösen und interkulturellen Zentrums“ einzuladen.

„Wir müssen die Aufklärung nach Bosnien bringen, sonst schlagen sie einander die Köpfe ab!“, sagte er, und fügte hinzu: „Wir Franziskaner in Bosnien sind heute leider eher Capistraner.“ Der hl. Johannes Kapistran (1386 –1456), einer der großen Franziskanerprediger, gilt als Retter Europas bzw. Belgrads, weil er mit seiner Predigt den Siegeswillen der Krieger beflügelte.

Marco Orsolic verwies dagegen auf Franziskus, der im Gespräch mit dem Sultan die gewaltlose Alternative zum Programm erhob und wohl anders gehandelt hätte. In diesem Sinne kam dann das genannte Institut zustande, 2012 wurde sogar in Belgrad ein zweites Institut mit gleicher Zielsetzung eröffnet.

Das zweite Beispiel: Seit 2005 betrachten sich alle franziskanischen Orden und Kongregationen mit Sitz in Rom als Trägerschaft der so genannten „Damietta Initiative“, die im Geiste der Begegnung zwischen Franziskus und dem Sultan ein Programm für ganz Afrika vorschlägt.

Die Damietta Initiative, ein  Projekt, das auch Begegnungen mit den Vertretern und Vertreterinnen des Islams, der Volksreligionen und der anderen Konfessionen impliziert, wird wie folgt definiert: „Die Damietta Friedensnitiative ist ein franziskanisches interreligiöses Friedensprojekt für den afrikanischen Kontinent auf der Grundlage von Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Respekt vor der Schöpfung. Es ist eine proaktive Antwort auf ein weitherum vorhandenes Bedürfnis: Die Spaltungen in unserer Gesellschaft müssen überwunden werden, um miteinander die großen menschlichen Fragen teilen zu können, die uns sonst verschlossen bleiben. Alle Menschen müssen lernen, Teil der Schöpfungsgeschichte zu sein. Wir müssen lernen, miteinander und gegenüber der Natur in Freundschaft zu leben.

Die Damietta Friedens-Initiative konzentriert sich auf einen bestimmten Aspekt der großen Geschichte: Sie verpflichtet zu einem praktischen Weg, Verhaltensweisen müssen sich ändern, Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung als kulturelles Unterfangen begünstigt werden. Wir wollen in ganz Afrika Gruppen bilden, die geschult sind, Spannungen und Konflikte zu beobachten und zu lernen, schnell zu intervenieren.“

Was ist damals in Damietta zwischen Franziskus und dem Sultan wirklich passiert? Welcher Geist hat sie verbunden bzw. getrennt? Die Beiträge von Niklaus Kuster, Leonhard Lehmann, Laurent Gallant und Jan Hoeberichts zeigen nicht nur die komplexe historische Situation auf, sondern versuchen auch, im Detail auf die genannten Fragen einzugehen. Tatsächlich entsteht ein faszinierendes Bild, das an sich als Modell interreligiöser Begegnung fungie-
ren könnte.

Freiburg/Schweiz, im August 2013
Adrian Holderegger, Mariano Delgado, Anton Rotzetter

Produktinformation:

  • Verlag: Kohlhammer
  • ISBN/EAN: 9783170254053
  • Sprache: deutsch
  • Seiten: 296
  • Preis: 34.99 €

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