23.03.2022 Provinzialminister Cornelius Bohl

Geld regiert die Welt

Die Zeitschrift der Franziskaner - Frühling 2022

Titel der Zeitschrift Franziskaner, Frühling 2022
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Für Franz von Assisi ist die Sache einfach: Geld ist Mist! Die Geschichte dazu ist drastisch: Ein Bruder, der Geld nur berührt hatte, muss es auf einen Haufen Eselsmist tragen. Das absolute Geldverbot der Regel hat die Brüder bald in große Schwierigkeiten gebracht und zu abenteuerlichen Rechtskonstruktionen geführt, die es möglich machten, mit Geld zu wirtschaften, ohne es zu besitzen. Solche institutionalisierte Selbsttäuschung kommt uns heute unehrlich vor. Dabei kannte schon Franziskus Ausnahmen: „Wegen der offenkundigen Not kranker Brüder“ ist die Annahme von Geld durchaus erlaubt. Das heißt doch: Ja, Geld ist gefährlich. Es kann das Herz eines Menschen vergiften, eine Gesellschaft spalten, Elend und Tod produzieren. Das hat der Kaufmannssohn aus Assisi in der Zeit der aufkommenden Geldwirtschaft erfahren. Aber: Geld ist in sich nicht „böse“. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.

Wie also mit Geld umgehen? „Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben“, so Oscar Wilde. „Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt.“ Hier ist Jesus ganz klar: Du musst entscheiden, was für dich das Wichtigste ist. Gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen, das geht nicht! Die Welt funktioniert zwar nicht ohne Geld, aber Geld ist immer relativ – im wahrsten Sinn des Wortes. Mit Geld bezahlen wir Waffen ebenso wie Brot. Ich kann Geld horten, verantwortlich investieren, verschwenden oder teilen. Es ist ein Unterschied, ob Geld ehrlich verdient, geraubt oder erpresst wurde. Der reiche Mann im Evangelium merkt zu spät, wie dumm er eigentlich war: Scheunen und Konten sind voll, aber im Grunde genommen ist er ein armer Kerl.

Geld und Spiritualität, das scheint nicht zusammenzupassen, schon gar nicht für franziskanisch inspirierte Menschen. Ich selbst habe als Provinzialminister lernen müssen, wie hochspirituell der Umgang mit Geld ist: Für was geben wir Geld aus – und für was eben auch nicht? Was tun wir, weil es uns wichtig ist, obwohl es sich nicht rechnet? Wie legen wir Geld an? Wo kippt die notwendige und verantwortliche Sorge um die Zukunft in einen Zwang zur Selbstsicherung, der jede Art von Vertrauen nur als Bedrohung sieht? Da wird eine ökonomische Diskussion sehr schnell zu einem geistlichen Austausch. Geld oder Leben? Das muss kein Widerspruch sein. Gerade der Arme aus Assisi lädt uns zu solchem Nachdenken ein.

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