25.07.2017 Redaktion Tauwetter

Geschlechtersensible Kirche

Ein bisher besonders defizitär erfahrbarer Zustand von Kirche

Titel der Ausgabe Tauwetter Nr. 2 / Juli 2017 / 32. Jahrgang. Klick auf Bild öffnet PDF Datei

Es gibt Dinge, die liegen lange in der Luft, ihre Realisierung erfolgt dann aber doch unerwartet plötzlich. So war es beim Fall der Mauer 1989, so geschah es bei der „Ehe für alle“ im Juni 2017. Bei der Wende spielte der berühmte Zettel eine Rolle, mit dem Günther Schabowski die sofortige Grenzöffnung verkündete, bei der Ehe für alle war es eine kleine Bemerkung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Interview, die zu einer raschen Entscheidung im Deutschen Bundestag führte. Damit trat in Kraft, was die Mehrheit der Parteien bereits seit Jahren wollte, was die ablehnende Haltung der CDU/CSU und die Koalitionsdisziplin aber bislang verhinderte. Deutschland ist somit das 14. Land der Europäischen Union, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt hat. Kurz darauf folgte Malta als 15. Land.

In der katholischen Kirche warten viele auf einen solchen Überraschungsmoment, an dem lang erwartete Reformen Wirklichkeit werden. Diese Tauwetter-Ausgabe widmet sich dem Thema „Geschlechtersensible Kirche“ und verweist damit auf einen Bereich, in dem der bisherige Zustand als besonders defizitär erfahren wird. Frauen sind von den Weiheämtern ausgeschlossen und somit nicht Teil der kirchlichen Hierarchie. Macht und Einfluss liegen einseitig im männlichen Bereich, Entscheidungen werden hauptsächlich von zölibatär lebenden Männern getroffen. Begründet wird dies mit biblischen und theologischen Argumenten, die im wahrsten Sinne des Wortes fragwürdig sind und heutzutage nicht mehr plausibel erscheinen.

„Der anhaltende Patriarchalismus erzeugt geschlechtergebundene Machtgefälle und Abhängigkeiten und zementiert diskriminierende Strukturen“, so Sr. Katharina Ganz in ihrem Beitrag. „Noch ist völlig unklar, ob und wie das Patriarchat in der katholischen Kirche überwunden werden kann oder jemals wird. Um angesichts dieser Stagnation nicht zu resignieren, ist die Fähigkeit gefordert, aus und in der Unterlegenheitsposition Autorität zu gewinnen. Wer an der Wunde des Patriarchats nicht verbluten will, wird Kreativität brauchen, um mit den Widersprüchen und Paradoxien umzugehen und angesichts der strukturellen Grenzen einen Sinn für die pastoralen Möglichkeiten zu entdecken und diese Handlungspotentiale mutig auszuschöpfen.“

Geschlechtersensibel zu handeln heißt laut Hildegund Keul: „spezifische Perspektiven von Männern und Frauen wahrnehmen, sie miteinander ins Gespräch bringen und im Licht des Evangeliums weiterführende Handlungsoptionen erforschen“.

„Für das Wirken der Kirche in der heutigen Gesellschaft ist eine geschlechtersensible Pastoral von hoher Bedeutung“, hatte die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 21. Februar 2013 in ihrer Erklärung zum Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche festgehalten.

Im Bewusstsein der rein männlichen Besetzung unserer Redaktion möchten wir diesen Prozess vorantreiben und mit dieser Tauwetter-Ausgabe unseren Beitrag dazu leisten.

 

Inhalt

  • Gender trouble in der katholischen Kirche – Gleiche Würde trotz ungleicher Rechte?!
    Dr. Katharina Ganz OSF
  • Sex und Gender: unterscheiden, aber nicht trennen!
    Prof. Dr. Hildegund Keul
  • Geschlechtersensibel – aus Sicht einer kritischen theologischen Männerforschung
    Dr. Hans Prömper
  • INFAG Grundlagen-Seminar: Mut zur Standhaftigkeit: Antonia Werr – Impulse zu einem geschlechtersensiblen
    Umgang in der Kirche
    Gertrud Smitmans OSF / Stefan Federbusch OFM
  • Sr. Mary Melone – Erste Frau als Rektorin einer päpstlichen Universität
    Dinko Aracic
  • Elisabeth Gnauck-Kühne – Die vergessene Frau, die für die Frauen kämpfte
    Alfred Sobel
  • Über das Weibliche
    Leonardo Boff
  • Der Weiberaufstand (Buchbesprechungen)
    Ricarda Moufang
  • Ehe, Liebe & Sexualität im Christentum (Buchbesprechungen)
    Stefan Federbusch ofm
  • Gendergerechtigkeit: eine Herausforderung für Kirche und Theologie (Buchbesprechungen)
    Dinko Aracic

Jetzt online lesen (PDF Datei)

Redaktion Tauwetter

Bruder Peter Amendt ofm, Bruder Stefan Federbusch ofm, Bruder Markus Fuhrmann ofm, Korbinian Labusch und Bruder Jürgen Neitzert ofm. Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Bruder Jürgen Neitzert ofm, Köln

Das Heft Tauwetter können Sie auch in gedruckter Form bestellen unter

Redaktion Tauwetter
Gemeinschaft der Franziskaner
Burgstrasse 61
51103 Köln

Tel.: 0221 / 873 113
eMail: tauwetter@franziskaner.de


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.