06.02.2018 Gabriel Zornig ofm

Expired: Hirtenwort über die Lage der Nation

Eine Faschingspredigt von Bruder Gabriel Zörnig

„Wenn Faschingszeit, das ist doch klar, die Predigt kommt gereimt, wie´s immer war…“ Bild von wikipedia.org.

Wie im vergangenen Jahr, so hat Bruder Gabriel Zörnig, der Gefängnisseelsorger der Justizvollzugsanstalt Neubrandenburg, auch für diese „Fünfte Jahreszeit“ für die Gefangenen seine Sonntagspredigt in Reimform verfasst.

Wenn Faschingszeit, das ist doch klar,
die Predigt kommt gereimt, wie´s immer war.
Drum lachet in der Kirche heut,
ihr ernsten, frommen, jung und alte Leut´.

Zum Lachen in der Kirche ich nichts richtig fand,
ja, mit dem Rücken stehn´ wir an der Wand.
Kein Geld und Nachwuchs, Jugend fehl am Platz.
Die Predigt kommt mal schnell in Hatz.

Ganz neu´ Strukturen müssen her.
Na klar, wir tun uns damit schwer.
Pastoraler Raum er kommt, die Dekanate weg.
Versuchen könn´ wir´s ja, doch hat es Zweck?

Die Wege werden weiter für jedermann,
alle Gottesdienste, der Pfarrer nicht mehr wirklich kann.
Wo ist die Jugend nur geblieben,
hat sie der Zeitgeist etwa auch vertrieben?

Nur die Alten bleiben stets zurück,
wenn wir die nicht hätten, was ein Glück.
Familien seh´ ich auch nicht viel,
man ist halt heute sehr mobil.

Die Frauen in der Kirche: Übergewicht,
Ich meine zahlenmäßig, sonst doch nicht.
Männer sind halt praktisch orientiert,
auf dem Grundstück sonst ja nichts passiert.

Ach man, was soll´n wir anders machen?
Vielleicht ein wenig Feuer oder Lachen.
Neue Ideen müsste man mal spinnen,
damit uns nicht die letzten Kräfte noch zerrinnen.

Wo fang ich an, wo hör ich auf?
Die Geschichte geht ja doch nur seinen Lauf.
Aufgeben, das ist doch keine Möglichkeit,
drum auf nur, seid bereit zum Streit.

Wir sind doch Kirche und Gemeinde,
Klar, wer Neues wagt, der macht sich Feinde.
Doch lasst euch jetzt nicht irritieren,
Es gibt genug, die immer doch nur kritisieren.

Wenn wir nicht wissen, was zu tun,
dann sollten wir nicht eher ruhn,
bis wir Erleuchtung finden, möglich im Gebet?
Frag einfach nach wie es bei Jesus steht.

Bild von S. Hofschlaeger / pixelio.de

Jesus heilt die Kranken, treibt Dämonen aus.
Er geht zur Schwiegermutter in ihr Haus.
Er betet nachts am einsamen Ort,
dann zieht er gleich schon wieder fort.

Jesus kommt so mit den Menschen in Kontakt,
und das ist wichtig, ja das ist hier der Fakt.
Er sieht die Not und er packt zu,
das Unheil lässt ihn nicht in Ruh.

Doch ohne Stille, Gebet und Rückzugsort,
da ist die Kraft schon sehr bald fort.
Er bleibt nicht nur an einem Fleck:
Ich muss noch weiter und ist weg.

Ich muss mich doch erneuern und bekehren,
So zieh ich aus dem Evangelium Lehren.
Wenn nicht bei mir ich fange an,
dann sind als Kirche wir arm dran.

Nur die andern, die da oben müssten mal …,
so höre ich schon wieder hier im Saal.
Nein, ich bin der Adressat von Gottes Wort,
sonst läuft uns noch der Letzte fort.

Im Knast da ist es einfach, tja,
dort ich nicht mit deutlich´ Worten spar.
Weglaufen könn´ sie mir ja nicht.
Ich nehm´ sie täglich in die Pflicht.

Glauben, Gott und Kirche ist nicht deine Sache?
Ein Angebot ich dir gleich hier und heute mache.
Gott ist es der dich ganz und gar in Liebe führt.
Ich bin mir sicher, dass man das auch wirklich spürt.

Wenn es Franziskus, Papst und Heilg´er Mann doch kann,
nicht nur Strukturen, nein, dein Nebenmann,
den ist es, den ich sehen, lieben muss.
Ich sag Alaaf, Helau und mach hier Schluss.

Ach ja, eh ich´s vergess:
der Erzbischof, er ist an allem schuld,
er bräuchte nur noch etwas mehr Geduld.
Die Kirche wird in Ewigkeit nicht untergehn,
wenn wir in Jesu Christi Fußspuren gehen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.