26.03.2021 Bruder Johannes Roth

Anders als erwartet?!

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche.

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Johannes Roth

In den letzten beiden Wochen ist gesellschaftlich und kirchlich viel geschehen. Dabei kam mir oft der Gedanke: „Das ist aber jetzt anders als erwartet!“

Dazu ein paar Schlaglichter

  • Die Bitte der Bund-Länder-Konferenz, an den Kar- und Ostertagen auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Das hatte die Bischofskonferenz so nicht erwartet und ich auch nicht unbedingt, auch wenn mir bewusst war, dass die Inzidenz-Werte immer weiter steigen und eine Absage in Regionen mit hohen Zahlen durchaus passieren kann, ähnlich wie an Weihnachten.
  • Die lang ersehnte Veröffentlichung der Missbrauchsstudie des Erzbistums Köln, deren Ergebnis anders war als ich erwartet hatte. Nicht dass ich angezweifelt habe, dass es im Erzbistum Köln Missbrauchsfälle gab, aber das Ausmaß hat mich doch sehr erschreckt. Wahrscheinlich haben neben mir vielleicht auch andere erwartet, dass Kardinal Woelki tiefer darin verstrickt ist als es die Ergebnisse der Studie aufweisen. Nicht erwartet hätte ich, dass so viele personelle Konsequenzen gezogen werden, wobei deren Ausmaß ja noch aussteht.
  • Die Bereicherung von Politikern am Verkauf von Masken. Dies hätte ich so nicht erwartet. Hier wurde die Notlage der Menschen und die gesundheitliche Gefahr schamlos ausgenutzt. Da ist es nicht überraschend, dass sich dies auf die Wahlergebnisse auswirkt.
  • Das Nein aus Rom zu Segensfeiern von gleichgeschlechtlichen Paaren. Ich gebe zu, dieses Nein war zu erwarten, aber ich hatte mir eine ehrliche und offene Diskussion und mehr als ein schlichtes „Nein“ erhofft. Vielleicht kam es auch für die Glaubenskongregation anders als erwartet. Denn statt eines Aufgebens hat sich eine ungeheure Welle an Solidarität und Auflehnung gegen dieses Nein formiert, die ich so nicht unbedingt erwartet hätte.

Manchmal kommt es eben doch anders als erwartet, und das ist nicht immer schlecht, sondern es legt Dinge offen, bringt sie in Bewegung und ermöglicht eine Auseinandersetzung.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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