12.11.2021 Bruder Helmut Schlegel

Der Humanität ein Vergissmeinnicht

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Helmut Schlegel

Der Schöpfer hat es gut eingerichtet und uns als besonders Gnade das Vergessen geschenkt. Zum Glück hat unsere Psyche so etwas wie einen mentalen Müllschlucker, es wäre nicht auszuhalten, müssten wir alles im Kopf behalten, was sich irgendwann da hineindrängt.

Aber was vergessen wir? Und was nicht?

Noch ist sie nicht vergessen, wir werden täglich in den Nachrichten erinnert: Die Tragödie an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Tausende Geflüchtete kampieren bei eisiger Kälte an der Grenze zur EU. Weitere sind auf dem Weg dorthin. Von einem perfiden Diktator schamlos gelockt und angelogen. Mit dem Versprechen, sie ins Paradies der Europäischen Union zu führen.

Bestraft wird aber nicht der Täter. Über die angedrohten Sanktionen lacht Lukaschenko. Und mit ihm lachen Putin und Erdogan. Bestraft werden die Geflüchteten. Frauen, Männer und Kinder, die es in ihren Krisengebieten nicht mehr ausgehalten haben.

Vergessen ist offensichtlich, dass die Krisen im Nahen und Mittleren Osten – von dort kommen die Geflüchteten – nicht zuletzt von Ländern des Westens verursacht worden sind.

Vergessen, dass viele von uns selbst das Schicksal der Flucht erleben mussten. Rund die Hälfte der Deutschen ist dagegen, dass die Bundesrepublik einen Teil der Geflüchteten aufnehmen soll. Die geschäftsführende Kanzlerin Merkel hat mit Wladimir Putin telefoniert und ihn gebeten, auf Lukaschenko einzuwirken. Das wird nichts helfen. Will man die Menschen dort an der belarussisch-polnischen Grenze nicht vergessen, braucht es deutlichere Maßnahmen.

Vergessen. Gut, dass wir es können. Noch besser: Wir können auch entscheiden, was wir nicht vergessen wollen und unter keinen Umständen vergessen dürfen. Der Humanität ein Vergissmeinnicht!


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
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Immer freitags auf franziskaner.de


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