22.07.2022 Bruder René Walke

Hoffnung in der Apokalypse

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder René Walke

Bomben fallen, Fluten reißen Straßen davon und Menschen in den Tod, Energie wird knapp, Brände toben und wüten, Politiker drohen mit dem roten Knopf, Ost gegen West und Nord gegen Süd, sexueller Missbrauch von Kindern in großen Netzwerken und auch in der Kirche.

Nein – das ist kein Actionfilm und auch kein Bestsellerthriller, das sind die Nachrichten um 12:00 Uhr mittags an einem normalen Tag im hier und heute. Es ist alles ganz furchtbar – und persönliche Schicksalsschläge kommen ja noch dazu.

„Mir kommen jeden Tag die Tränen“, sagt ein Restaurantbesitzer, der gerade durch die Flammen sein Paradies an der Biskaya in Rauch aufgehen sieht. Das Team war super, die Gäste glücklich und nun ist alles aus.

Im gleichen Ort hat eine junge Frau Hirschkühe umherirren sehen, durch die Flammen ganz verwirrt. Mit Kindern und Freunden sammeln sie Futter und legen es an den Waldrand und ganz wichtig: Wannen mit Wasser. „Dort legen wir Steine und Stöcke hinein, damit auch die kleinen Waldbewohner wieder herauskommen.“

„Alles ist jetzt Asche!“, sagt ein junger Vater aus Thüringen. Er ringt um Fassung. Am Montag kam es zu einer Explosion und sein Haus, in dem sechs Familien lebten, ist bis auf die Grundmauern abgebrannt.

Die Feuerwehrleute wurden von Nachbarn mit Essen und Trinken versorgt, die Familien sind bei Freunden und Verwandten untergekommen und das Dorf hat ein Spendenkonto eröffnet und plant eine Benefizveranstaltung für die Geschädigten. „Das Dorf ist enger zusammengerückt“, sagt der Bürgermeister.

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ Dies Zitat von Vaclav Havel macht mir Mut in apokalyptischen Zeiten.


Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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