03.12.2021 Bruder Damian Bieger

Der Begriff „Kirchen“ im Koalitionsvertrag

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Damian Bieger

Man lade sich den Koalitionsvertrag der kommenden Regierung herunter und sondiere ihn mithilfe der Suchfunktion auf Schlüsselworte. Zum Beispiel auf den Begriff „Kirchen“.

Ergebnis: ein erster Eindruck darüber, wie die kommende Regierung die gesellschaftliche Rolle der Kirchen sieht und mitgestalten möchte.

Der Koalition geht es im Allgemeinen um die Verbesserung des kooperativen Trennungsmodells. Dabei werden Kirchen neben anderen Religionsgemeinschaften eingeordnet. Trotz Wertschätzung der Koalitionäre gegenüber den Kirchen wird klar. Die kommenden Jahre könnten spannungsreich werden. Die Themenfelder: Arbeitsrecht, Aufarbeitung struktureller sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen, Ablösung der Staatsleistungen. Ganz zu schweigen von weiteren Fragen: etwa der reproduktiven Selbstbestimmung.

Aber welche Rolle will katholische Kirche denn selber spielen? Sie sollte zweierlei tun – und einer Versuchung widerstehen!

  • Freundlich und bestimmt Stellung beziehen und die Wahrheit ansprechen: Das Leben bleibt vom ersten bis zum letzten Moment ein nicht zu verhandelndes Gut. Ausgelebte Selbstbestimmung ist weder voraussetzungs- noch folgenlos und sollte nicht mit Freiheit verwechselt werden.
  • Selbstbewusst bleiben: Die soziale Kompetenz der Kirche stammt aus dem Einsatz für Hilfsbedürftige, Gebrochene und Gescheiterte. Wer aber Diakonie von gelebter Spiritualität trennen will, irrt sich.
  • Einer Versuchung widerstehen: Kirche sollte die Rolle der beleidigten Leberwurst dankend ablehnen. Denn den Part der weltfremden, naiven oder sogar böswilligen Spielverderber bieten ihr in der modernen Gesellschaft doch bevorzugt ihre Gegner an.

Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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