30.04.2021 Bruder Stefan Federbusch

Luthers Schuhe: Stand-Punkte

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Stefan Federbusch

„Die sind aber viel zu groß für mich“, lautete eine Rückmeldung, als ich den Mitgliedern unserer Weggemeinschaft das Foto mit den „Luther-Schuhen“ mailte und der Einladung, selbst mal zumindest virtuell hineinzuschlüpfen. Letztes Jahr in Worms habe ich es gewagt. Zugegeben, sie sind ein wenig groß, aber sie regen an nachzuspüren, was es heißt: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir!“

Das 500-jährige „Jubiläum“ Luther vor dem Reichstag ist angesichts des staatlichen und kirchlichen Gedenkens an die Verstorbenen der Corona-Pandemie etwas untergegangen. Eigentlich hatten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford-Strohm am 18. April einen Ökumenischen Gottesdienst in Worms feiern wollen. Was gibt es aus katholischer Sicht zu „feiern“ an diesem Showdown des 37-jährigen Reformators vor dem erst 21-jährigen Kaiser Karl? Nicht viel. Eher ein Anlass zur Selbstbesinnung, warum es überhaupt so weit kommen musste. Ebenso zur kritischen Reflexion, wie es sich mit der Gewissensfreiheit in der Katholischen Kirche bis heute verhält.

Martin Luther hat mit Blick auf die Bibel und sein Gewissen Standfestigkeit bewiesen. Auch wenn Jesus der (gemeinsame) Weg ist, brauchen wir Standpunkte. Diese evangelische oder sollten wir besser sagen evangeliumsgemäße Qualität macht auch heute „Rom“ Angst. Nicht, weil Protestanten sie üben, sondern Katholiken! Bischof Georg Bätzing hat mit Blick auf den Ökumenischen Kirchentag und die Frage der Einladung von Nichtkatholiken zur Eucharistie, mit Blick auf die Segensfeiern für homosexuelle Paare sowie mit Blick auf die Themen des Synodalen Wegs diese Standhaftigkeit eingefordert – weil wir katholisch sind und Teil dieser Kirche! „Papst Franziskus spricht selbst von der Notwendigkeit einer gewissen Dezentralität, ohne Rom als Zentrum aus dem Auge zu verlieren.“ Als starke Ortskirche sei es jetzt wichtig, „strittige Fragen in einem ehrlichen und offenen, vor allem konstruktiven Dialog anzusprechen. Ich möchte in Rom um Verständnis werben, theologisch durchdacht. Das gilt auch für ökumenische Themen.“

„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir!“ Vielleicht mögen auch Sie einmal hineinschlüpfen und Ihren Standpunkt überprüfen!?


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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