25.03.2022 Bruder Helmut Schlegel

Mitleiden… Mitfühlen… Mittun

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Ukraineflüchtlinge in einer Notunterkunft in Polen. Foto von Philipp Spalek, Caritas Deutschland

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Helmut Schlegel

Sagen Sie bitte niemandem: „Ich bemitleide dich!“ Es klingt wie eine Beleidigung! Ja: Mitleid ist zu wenig. Gefragt ist Mitgefühl. Menschen, die sich in andere hineindenken, die sich Zeit nehmen am Krankenbett, die dem Freund, der Freundin empathisch zuhören, die nachfühlen, wie es Menschen gehen mag, deren Haus zerbombt wird und die nun auf der Flucht sind.

Ich möchte trotzdem eine Lanze brechen für das verstaubte Wort „Mitleid“. Ist es nicht doch etwas anderes, an den Schmerzen anderer mitzutragen, ihr Leid mit auszuhalten als eben nur mit-zu-fühlen? Ist es nicht Gott selbst, der mit uns Menschen und mit seiner Schöpfung leidet? Der so weit geht, dass er unsere Schmerzen und unseren Tod auf sich nimmt? Das ist es doch, was wir in diesen Wochen feiern (ja, feiern!). „Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (1 Petr 2, 24)

Was Gott leidet und tut, ist mehr als Mitgefühl. Im Grunde auch mehr als das, was das Wort „Mitleid“ ausdrückt. Was die Menschen in der Ukraine in diesen Wochen füreinander tun, wenn sie etwa trotz Beschuss ihrer Städte und Dörfer die Verschütteten ausbuddeln, den Wohnraum und die Lebensmittel teilen, es ist mehr als Mitgefühl. Auch was die vielen Helfer hierzulande für die Geflüchteten leisten: es ist ein Mit-Leiden und Mit-Tun im tiefen humanen und christlichen Sinn. Mitleiden – mitfühlen – mittun: es ist ein Zusammenspiel.

Nur so geht Zusammenleben.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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