27.11.2020 Pater Thomas Ferencik

Reform des Liturgischen Kalenders

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Pater Thomas Ferencik mit Studierenden der KHG Hamburg

Wer kennt sie nicht – die Gedenk- und Feiertage von Heiligen oder biblischen Ereignissen wie Weihnachten und Ostern. Der liturgische Kalender unserer Kirche ist ziemlich gefüllt, so dass sich bestimmte Tage die Heiligen teilen müssen. Und es wird auch schon mal der persönliche Kalender nach dem liturgischen Kalender ausgerichtet: „Am Fest des Heiligen Augustinus bin ich in den Urlaub gefahren“. Solche oder ähnliche Aussagen kann man bei manch einem Liturgieprofi durchaus zu hören bekommen.

Gefeiert werden eigentlich nur kircheninterne Angelegenheiten, biblische Events oder Menschen, die sich irgendwie in Sachen Kirche und Glaube einen Namen gemacht haben. Aber was ist mit Festen oder Gedenktagen außerhalb des kirchlichen Binnenraums? Man stelle sich vor, am 30.11. steht im Kirchenkalender: FEST – HL. ANDREAS, APOSTEL +++ GEDENKTAG FÜR DIE OPFER CHEMISCHER WAFFEN. Oder wir lesen am 3.5.: PHILIPPUS UND JAKOBUS, APOSTEL +++ WELTTAG DER PRESSEFREIHEIT. Natürlich gibt es schon zarte Versuche, nichtkirchliche Vollzüge in liturgische Feiern aufzunehmen, wie z.B. das Fest der Lebenswende (eine Art spirituelle Jugendweihe). Aber was fehlt, ist eine konsequente Ausweitung dieser Formen.

In vielen Foren und Gremien überlegt man, wie Kirche in unserer Zeit attraktiver gestaltet werden kann. Auch wenn die Gottesdienste nur ein Teil kirchlicher Vollzüge sind, so könnte man doch mit ihren Ausrichtungen auf bestimmte Themen beginnen. Die UN geben uns einen Kalender an die Hand, der die Anliegen dieser Welt widerspiegelt. Ich wünschte mir, dass diese Anliegen nicht nur in den Fürbitten aufgegriffen werden, sondern thematisch den gesamten Gottesdienst durchdringen.

Einige Beispiele

  • 20. Februar: wir feiern einen Gottesdienst zum WELTTAG DER SOZIALEN GERECHTIGKEIT
  • 2. März: wir feiern einen Gottesdienst zum WELTTAG DES WASSERS
  • 15. Mai: wir feiern einen Gottesdienst zum TAG DER FAMILIE
  • 5. Juni: wir feiern einen Gottesdienst zum TAG DER UMWELT
  • 12. August: wir feiern einen Gottesdienst zum TAG DER JUGEND

Was mir also fehlt, sind Liturgievorschläge mit Texten, Gebeten und Liedern zu den Gedenktagen, die von der Weltgemeinschaft vorgeschlagen werden. Und mit Texten meine ich nicht ausschließlich biblische Texte, die doch oftmals sehr konstruiert hinzugezogen werden. Ob Kirche nun dadurch attraktiver wird? Zumindest könnte sie dadurch die Welt noch ein Stück mehr in ihre Heiligen Hallen lassen. Sie würde Solidarität und Anteilnahme zeigen, indem sie diese Weltthemen offiziell aufnimmt. Und sie würde uns Christen zeigen, dass wir nicht in einem „Jammertal“ leben, sondern berufen sind, gemeinsam mit Anders- oder Nichtgläubigen diese Welt zu gestalten.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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