27.05.2022 Bruder Andreas Brands

Sie sind doch noch Kinder!

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Andreas Brands

Sie war’n voller Neugier, sie war’n voller Leben, die Kinder von Uvalde…

Wieder einmal erschüttert mich eine Nachricht aus den USA: Ein junger 18-jähriger Mann erschießt in einer Grundschule 19 Kinder und zwei Lehrer, nachdem er zuvor seine Großmutter angeschossen hat. Über die Hintergründe ist bislang nichts bekannt, und dennoch spüre ich eine (vorverurteilende) Wut in mir aufsteigen: Was hast du getan??? Es waren doch Kinder…

Sie war’n voller Neugier, sie war’n voller Leben, die Kinder von – irgendwo auf der Welt. Die ersten Worte sind dem Lied von Reinhard Mey „Die Kinder von Izieu“ entnommen. Diese Liedzeilen stehen für alle Kinder, die irgendwo auf der Welt ermordet, um ihr Leben gebracht werden, so oft aus niederträchtigsten Motiven.

„Sie war’n genau wie ihr, sie war’n wie alle Kinder eben…“

Wie viel junges Leben wird einfach zerstört, beendet, genommen. Wie viel Trauer wird verursacht für die zurück Bleibenden, die Eltern, Geschwister, Großeltern, Freundinnen und Freunde. Weil Menschen ihren Hass und ihre Wut – auf die Welt, ihr Leben – nicht anders kanalisieren können, als unschuldiges Leben mit in den Abgrund hineinzuziehen. Was für eine Enthemmung, die um sich greift.

Dazu eine Waffenlobby, die begünstigt, dass jeder, der meint, eine Waffe haben zu müssen, eine bekommt. Es ist eine perverse Welt.

Ich werde den jungen Mann nicht verstehen, nie, und es gibt keine Entschuldigung für seine Tat. Wir werden nie erfahren, was ihn dazu angetrieben hat. Er kann nicht mehr für sich sprechen. Auch sein eigenes Leben hat er weggeworfen.

Wie jeden Morgen gingen sie zur Schule, haben sich im Unterricht gelangweilt oder etwas Spannendes gelernt, haben sich auf die Pause gefreut und auf das Toben und Spielen.

Nein, ich werde mich nie abfinden mit einem so barbarischen Verhalten Einzelner. Und immer intensiver bete ich ein Hochgebet von Huub Oosterhuis, in dem es heißt: Gott, bezwinge in uns den Trieb, mit der wir einander nach dem Leben trachten.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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