05.08.2022 Bruder Franz Richardt

Das Einzige, was wir brauchen, ist weniger

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Franz Richardt

„Das Einzige, was wir brauchen, ist weniger!“ Die Formulierung klingt paradox. Eigentlich löst die Formulierung „Das Einzige, was wir brauchen…“ eine Erwartung auf ein bestimmtes Mehr aus, auf einen bestimmten Wert für die Verbesserung von Lebensqualität, auf eine bestimmte Entscheidung der Regierung, auf eine Hoffnung, dass es endlich mit dem Krieg aufhört. Aber dass dann in der Fortführung des Satzes das Wort „weniger“ kommt, lässt beim ersten Hören stolpern. Stimmt aber sofort auch überraschend und nachdenklich.

Klar, ich glaube, sehr vielen Menschen ist klar, dass z.B. im Blick auf das Klima weniger CO₂ das einzig Notwendige ist. Dass es äußerst sinnvolle wäre, wenn weniger noch gut erhaltene Lebensmittel weggeworfen würden. Dass für eine beträchtliche Anzahl von Menschen weniger Gewicht ein Gewinn an Lebensqualität wäre. Dass ein weniger leichter Zugang zu Waffen in den USA eine Mehr an Leben für viele Menschen bedeuten.

„Das Einzige, was wir brauchen, ist weniger!“ Dieser Satz stammt von Eckart von Hirschhausen. Er hat ihn in einer Veranstaltung des Katholikentages in Stuttgart gesagt. Er ruft die Kurzformel wach: „Weniger ist mehr!“ Deswegen ist es, wenn wir z.B. an die Klimaentwicklung denken, langfristig unumstößlich wahr: „Das Einzige, was wir brauchen, ist: weniger!“

DAS wissen wir alle, aber der Weg von Wissen zum Tun ist kompliziert und weit und mit dem Willen zum „Weniger!“ verbunden. Eckart von Hirschhausen hat für diese Umsetzung vom Wissen zum Handeln das Motto des Katholikentages in Stuttgart aufgegriffen: „leben teilen“. Mit diesem Motto muss nun nicht eine deprimierende Moralpredigt verbunden sein. Vielmehr knüpft die Erinnerung an Erfahrungen von Lebensgewinn genau hier an: teilen von Sachen, Erfahrungen, von Geräten, Autos, Handwerkszeug, von Zeit und Zuhören, von Räumen und Denkräumen hat das Leben reicher, tiefer, erfrischender gemacht. Nicht immer, aber eben oft.


Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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