03.09.2021 Bruder Franz Richardt

Zerbrechliche Zukunft

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Franz Richardt

„Zerbrechliche Zukunft“, so titelt die Sept./Okt.-Ausgabe der Zeitschrift Junia. Ja – es gibt so viel, was zerbrochen ist oder zu zerbrechen droht. Weiter Coronainfektionen, die Flutkatastrophe in unserem Land, die Waldbrände und die unerträgliche Hitze in Südeuropa, das Erdbeben in Haiti und dann auch noch das Desaster in Afghanistan. Man mag denken: Nicht auch das noch! Und dann die bevorstehende Bundestagswahl mit manchmal sehr stark tendenziell ausgewählten Bildern der drei, die sich für das Kanzleramt bewerben, die nicht das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Und nicht zuletzt die False-Balance in den Talkshows, wo die wissenschaftlichen Erkenntnisse untergehen können im Gerangel, wer als Sieger glänzen will, oder manchmal erst gar nicht argumentativ entfaltet werden können. In diesem Spiel, dass alles andere ist als ein Spiel, schieben sich – um der Spannung einer Sendung willen – Positionen in den Vordergrund, die alle wissenschaftlichen Erkenntnisse vermissen lassen und dann mit aggressiven Behauptungen auftreten und den Eindruck erwecken, sie seien genauso richtig wie die anderen vorgetragenen begründeten Meinungen. Wenn grundlegende, unter Fachleuten unstrittige Fakten – wie z.B. dass Sars-CoV-2 gefährlich ist oder dass der Klimawandel auch durch menschliches Fehlverhalten verursacht ist, wenn diese Fakten geleugnet werden, wie soll da noch eine argumentative Auseinandersetzung erfolgen.

Im Gespräch mit Leuten kommt dann Reaktionen: „Ich verstehe die Welt nicht mehr.“ „Es wird mir einfach alles zuviel.“ „Wo soll das bloß enden?“ „Die Leute spielen Plem Plem!“

Ja – das ist unsere Wirklichkeit mit einer zerbrechlichen Zukunft. Sie kann das Gefühl von Ohnmacht zeitigen. Zwar muss man sich nicht ständig mit den immer neuen und dann oft wiederholten Nachrichten zudröhnen. Aber die Augen kann man auf Dauer auch nicht verschließen. Es gehört eine Portion Mut dazu, dieser Wirklichkeit, dieser unserer Zukunft, in die Augen zu schauen. Dafür – finde ich – ist es unerlässlich, sich immer wieder in analytisch gediegenen Medien zu informieren und eine Position zu erarbeiten, die ich vor mir selber vertreten und argumentativ ins Gespräch bringen kann.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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