Schwester M. Bernadette Bargel OSC

Klarissen heute

800 Jahre franziskanische Geschichte in Deutschland - Vergegenwärtigung Teil 10

Brüder aus dem nahen Franziskanerkloster in Killarney besuchen die Klarissen in Galway. Sommer 2019, Bild Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

Papst Franziskus beginnt die Apostolische Konstitution über das kontemplative Leben in Frauenorden „Vultum Dei Querere“ mit den Worten: „Die Suche nach dem Angesicht Gottes durchzieht die Geschichte der Menschheit, die von jeher zu einem Dialog der Liebe mit ihrem Schöpfer berufen ist.

Für die Schwestern der heiligen Klara von Assisi ist dieser Satz von großer Bedeutung, denn das ist das Leben einer Klarisse heute: Die Suche nach dem Antlitz Gottes. Mit den Menschen von heute ist sie unterwegs, um das Leben wahrzunehmen mit all seinen Höhen und Tiefen. – Klarissen schauen auf eine lange Tradition zurück. Tradition gibt Halt, gibt Sicherheit, kann aber auch zur Erstarrung und zum Absterben führen. Eine gesunde Tradition ist offen für das Heute; denn sie ist verwurzelt in der lebendigen Spiritualität, die die heilige Klara lebte. Nicht die Frage „Wie würde die heilige Klara heute das kontemplative Leben gestalten?“ bringt uns weiter. Vielmehr müssen wir uns fragen: „Wie können wir heute unser Ordensleben in der Nachfolge von Franziskus und Klara authentisch leben?“

In dem Lärm, der Hektik, der Ruhelosigkeit von heute versuchen die Schwestern in ihren Konventen und Klöstern einen Ort der Stille zu schaffen und zu erhalten. Das äußere Sich-Zurückziehen muss identisch bleiben mit dem inneren Sich-Öffnen für Gott und den Menschen. Die in der Regel Klaras stehenden Weisungen betreffs der Zeiten des Gebetes und der Stille geben der Gemeinschaft und der einzelnen Schwester Halt und Sicherheit. Siebenmal am Tag unterbrechen die Schwestern ihre verschiedenen Arbeiten, um sich zum Chorgebet und zur Meditation zu versammeln. Beim Beten der Psalmen, beim Hören der Worte aus der Heiligen Schrift, im stillen Gebet tragen die Schwestern alles vor Gott: Glaube und Anbetung, Dankbarkeit, tiefe Freude und ergriffenes Staunen, aber auch Zweifel, Dunkelheit und Klage.

Klarissen stehen vor Gott ein für die vielen Menschen, die um Gebetshilfe baten und bitten, die nicht mehr beten können oder wollen. Im Buch der Sprichwörter heißt es: „Selig der Mensch, der auf mich hört, der Tag für Tag an meinen Toren wacht. Wer mich findet, findet das Leben.“ (Spr 8,34a ff.)
Hören auf Gott, hören auf die Menschen, wach sein für Gott und für die Menschen. Die Rückbesinnung auf die Vergangenheit befähigt uns, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen. Franziskus sagte kurz vor seinem Heimgang: „Ich habe das meine getan, was ihr tun müsst, lehre euch Christus.“

Klarissen sind und bleiben auf der Suche. Der Kern unserer Lebensform – das Leben nach dem Evangelium – bleibt. Doch: Was bleiben will, muss sich ändern. Klausurformen, strikte Trennung von der Welt zum Beispiel, ändern sich. Die Feier der Liturgie wird in einigen Konventen gemeinsam mit den Gläubigen in der Kirche gefeiert.

Klarissenleben braucht die Gemeinschaft

Gemeinschaft als Stütze, als Beheimatung, als Korrektur. Das, was eine Gemeinschaft ausmacht, schreibt Franziskus über Klara: „Sei gelobt, mein Herr, für Schwester Klara. Du hast sie schweigsam gemacht, tatkräftig und einfühlsam. Durch sie leuchtet dein Licht in unsere Herzen.“

Niemand ist für sich alleine Christ. Wir stehen alle auf den Schultern derer, die vor uns geglaubt und klarianisches Leben gewagt haben. Glaube ohne Rückbindung an die Kirche, an die eigene Gemeinschaft verdunkelt, verblasst oder wirkt verzerrt. Glaubensfreudiger Einsatz bewahrt das Leben vor Erstarrung. Gerade heute, wo eine Grundstimmung der Angst, der Verdrossenheit, der Müdigkeit sich breit macht und Lebensinhalte, Lebensbejahung und Lebensfreude vermisst werden, können die Gemeinschaften der Klarissen Kraftfelder für ein gelungenes Leben werden.

Klara von Assisi schrieb an Agnes von Prag: „Ich halte dich für eine Gehilfin Gottes selbst und eine Stütze der gebrechlichen Glieder seines Leibes, der Kirche. Unser Herr sei mit dir zu allen Zeiten, und gebe Gott, dass du allezeit mit ihm seiest.“ Diese Aufforderung ist zeitlos. Sie gilt auch für die Klarissen von heute.


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Calm the Soul: Irische Klarissen landen Hit mit Gebetsvertonung

Die Idee unserer Schwestern aus Galway, einen Meditationstext ihres Gebetsbuchs mit irischer Musik zu vertonen, begeistert. Das YouTube Video hat schon mehr als 101.000 Aufrufe gesammelt.

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