29.03.2019 Von Bruder Frank Krampf

Kanzlerin Merkel übergibt in Assisi Friedenspreis an König Abdullah II.

Lampe des Friedens

Zahlreiche christliche und muslimische Würdenträger sowie Vertreter von Politik und Gesellschaft kamen in die Basilika San Francesco nach Assisi.

Mit der „Lampe des Friedens“ ehrt der Sacro Convento di San Francesco in Assisi Persönlichkeiten, die sich für den Frieden einsetzen. Die Auszeichnung wird nicht jährlich verliehen, sondern je nach Situation.

Im Mai 2018 wurde die Lampe vom kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos an Angela Merkel weitergereicht. Er hatte sie für seinen Friedenseinsatz und der Aussöhnung in Kolumbien bekommen. Bundeskanzlerin Merkel für ihren Einsatz für den Frieden, besonders auch für ein friedliches Europa. Heute hat sie die Lampe an den jordanischen König Abdullah II. weitergereicht.

Die Veranstaltung fand in der Oberkirche von San Francesco statt. Zahlreiche kirchliche und muslimische Würdenträger, aber auch Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Gesellschaft nahmen daran teil.

In seiner Begrüßung sprach der Custode des Sacro Convento, Bruder Mauro Gambetti, von der Begegnung des heiligen. Franz von Assisi mit dem Sultan vor 800 Jahren, die Kraft des Wortes, die Brücken zwischen den Menschen bauen kann und dem gemeinsamen Traum vom Frieden.

Und so dankte er dem König von Jordanien für seinen Einsatz für Frieden und Menschlichkeit, seinen Einsatz für Geflüchtete und für christliche und muslimische heilige Stätten im Heiligen Land. Er dankte ihm für seinen ganz persönlichen Einsatz in vielen Reden und Initiativen zum Dialog. Er betonte auch die interreligiöse Bedeutung von der Sorge um die Geschöpfe und das Gebet für den Anderen und die Liebe zu Gott. Am Ende seiner Begrüßung sprach er von dem Wunsch, dass die Geschwisterlichkeit in der Welt gefördert werden möge.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach über die Bedeutung, die die Stadt Assisi für den Frieden hat. Einmal durch den heiligen Franziskus, aber auch aufgrund der Friedensgebete, die dort schon stattgefunden haben. Sie sprach über die Notwendigkeit des Friedens in unserer Zeit. Millionen Menschen vor Krieg und Gewalt auf der Flucht. Dabei würdigte sie den Einsatz Jordaniens für die geschenkte Menschlichkeit im Krieg. Neben den Palästinensern hat Jordanien offiziell 670.000 Geflüchtete aufgenommen. Dazu kommen noch viele, die nicht gezählt sind. Und dies bei 10 Millionen Einwohnern. Hochgerechnet würde die für Deutschland bedeuten, 5 Millionen aufzunehmen und für Italien 4 Millionen. Daran sollten sich die europäischen Länder orientieren, so Merkel. Darum muss Jordanien dabei geholfen werden, diese Hilfe leisten zu können. Und es muss ein Ziel sein, die politischen Prozesse in Syrien so zu verändern, dass die Menschen wieder zurückkehren können und es Frieden gibt.

Frieden, so Merkel, ist eine große Aufgabe: nie selbstverständlich, benötigt Arbeit, muss bewahrt und erhalten werden. Wie der heilige Franziskus sich für Kranke und Aussätzige einsetzte und so die Annahme des anderen Vorlebte, so müssen auch heute Religionen für den Frieden einstehen.

Beim aktuellen Unfrieden fragt sich die Angela Merkel, was wir Menschen aus der Geschichte gelernt haben? Sie empfindet diese Frage als deprimierend. Doch darf man sich damit nicht abfinden, so die Bundeskanzlerin. Sie wünscht sich ein friedliches Miteinander, wenigsten ein friedliches Nebeneinander. Darum muss der interreligiöse Dialog geführt werden, auch wenn er nicht einfach ist. Denn Religion und Kultur sind für jeden Menschen wichtig. Darum muss man die Welt mit dem Auge des anderen sehen und auch mit dem anderen Ohr hinhören. Darum muss friedliches Zusammenleben gestärkt werden.

Darum dankte sie dem König für den Brief von 2007, der den interreligiösen Dialog förderte und seiner Rede vor der UNO von 2010, auf die „die Woche der Harmonie der Religionen“ zurück geht.

Sie danke König Abdullah II. für seine mutige und weltoffene Art und gratulierte ihm dazu, jetzt „Weltbotschafter des Friedens“ zu sein. Besonders freute sie sich, dass die Königin Rania Al Abdullah auch mit nach Assisi gekommen ist.

 

Im Beisein der letztjährigen Preisträgerin Angela Merkel überreicht Bruder Mauro Gambetti dem jordanischen König Abdullah II. die Lampe des Friedens

In seiner Dankesrede ging König Abdullah II. auf den Geist des Friedens ein, den die Basilika für ihn ausstrahlt. Er bat auch um ein Gedenken im Schweigen für die muslimischen und christlichen Opfer durch Gewalt.
Er nimmt, so der König, die Lampe des Friedens für all die entgegen, die Opfer für eine bessere Zukunft für alle bringen.

Ausdrücklich danke er den Franziskanern für ihre Friedensarbeit in aller Welt, besonders im Heiligen Land. Er dankte Italien für die Verbundenheit und er dankte der katholischen Kirche für den Dialog. „Nur Friede bringt eine bessere Zukunft für alle. Darum ist es unsere Aufgabe, Öl für die Lampe bereit zu stellen. Und das erfordert Mut“, so König Abdullah II.

Er danke auch Angela Merkel („meine Freundin“) für ihren Einsatz für den Frieden. Zum Frieden gehört der Einsatz für die Umwelt und gegen alles Übel. So ist Franz von Assisi bekannt für seine Barmherzigkeit und seinen Einsatz für alle Geschöpfe. So müssen die Menschen nicht alle gleich sein, doch haben sie gleiche Sorgen. Darum müssen die positiven Werte, die alle verbinden, gelebt werden. Dazu gehört, Respekt zu haben, gemeinsamer Dialog, Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe.

Für ihn gehören auch die Christen zur Wurzel seines Landes. Sie sind für ihn in der ganzen Region wichtig. Darum setzt er sich auch für muslimische und christliche Heilige Stätten, z.B. auch die Grabeskirche in Jerusalem oder die Taufstelle am Jordan, ein.

So müssen die Krisen in der Region angegangen werden. Es braucht eine zwei Staaten Lösung. Es muss ein eigenständiges Palästina mit der Hauptstadt Ostjerusalem geben und Israel muss von den muslimischen Staaten anerkannt werden. Jerusalem muss dabei eine einigende und vereinigte Stadt sein. So wie Muslime fünf Mal am Tag für den Frieden beten, so sollen es alle tun, so die Einladung von König Abdullah II.

Passend dazu wurde zwischen den Reden eine Vertonung des „Sonnengesangs“ („Lied der Kreaturen“) gespielt. Und weil Maria im Christentum und im Islam verehrte wird, sang Andrea Bocelli zum Schluss ein „Ave Maria“.

Später gab es noch ein Gespräch mit Jugendlichen und die Installation „Berliner Mauer“ wurde eröffnet.


Die Friedenslampe der Minoriten ist eine Nachbildung der gläsernen Öllampe, die am Grab des heiligen Franz von Assisi (1181/82-1226) brennt. In früheren Jahren ging die Lampe unter anderen an Lech Walesa, Yasser Arafat, Michael Gorbatschow und Shimon Peres.


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