22.11.2021 Thomas Abrell ofm

Laudato Si – Nachgedacht (5)

Die Umweltenzyklika unter der Lupe

Jedes Jahr verschwinden tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer. Bild von Archiv Deutsche Franziskaneprovinz.

„Die Ressourcen der Erde werden auch geplündert durch ein Verständnis der Wirtschaft und der kommerziellen und produktiven Tätigkeit, das ausschließlich das unmittelbare Ergebnis im Auge hat. Doch es genügt nicht, an die verschiedenen Arten nur als eventuelle nutzbare „Ressourcen“ zu denken und zu vergessen, dass sie einen Eigenwert besitzen. Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer. Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem menschlichen Tun zusammenhängen. Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht. „ (Enzyklika von Papst Franziskus: Laudato si‘ 32a.33)“

Wir sind es gewohnt, nützliche und unnütze Geschöpfe zu unterscheiden oder Pflanzen und Unkraut. Diese Betrachtungsweise offenbart ein sehr enges Verständnis der Schöpfung und reduziert alles auf die Frage nach der Möglichkeit, es für uns zu gebrauchen. Vielfach verloren gegangen ist, die Gaben der Natur in ihrer Vielfalt zu genießen, unabhängig davon, ob sie uns gefallen oder nützen. So zeigt sich eine andere Schönheit als ein gepflegter Rasen oder ein pflegeleichter Vorgarten. Hier verbindet sich Schönheit mit Wildnis, die zu einer Entdeckungsreise einlädt.

Mit dem Schlagwort „Rettet die Bienen“ wurden verschiedene Bürgerentscheide initiiert. Ob sie ähnlich erfolgreich gewesen wären, wenn es um die Rettung der Wespen gegangen wäre? Das Schlagwort ist verräterisch, auch wenn damit die Rettung der Artenvielfalt gemeint ist, lenkt es den Fokus doch wieder in Richtung Nützlichkeit. Es ist dem Menschen aber die gesamte Schöpfung anvertraut worden, nicht nur der Teil, den die Menschen für sich nutzen können. Lässt der Mensch die Natur machen, dann muss er aushalten, dass sie sich anders entwickelt als geplant und dass alles seine Zeit braucht. Zu erkennen und zu entdecken, dass gerade Langsamkeit zu einem guten Ergebnis führt, könnte uns motivieren, die Dinge etwas langsamer und mit mehr Gelassenheit anzugehen.

Erstveröffentlichung Zeitschrift Franziskaner Herbst 2021


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