Von Bruder Helmut Schlegel ofm und Ricarda Moufang (Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität, Frankfurt)

Licht

Schöpfung: Wer staunt, fängt an zu glauben …

Wir laden Sie zu vier Schritten ein: staunen – hören – glauben – tun.

Lichtstimmung. Bild von Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Lichtstimmung. Bild von Andreas Hermsdorf / pixelio.de

staunen

Wie für Zeit und Raum, so gilt auch für das Licht: In ihm leben, sehen und wachsen wir. Unsere Sprache ist voll von Lichtmetaphorik: bei Lichte betrachtet, Lichtgestalt, Heiligen-„Schein“, im Licht der Wahrheit, Erleuchtung, ein „heller“ Verstand.

Von allen physikalischen Grundkonstanten ist Licht die geheimnisvollste. Je mehr die Wissenschaft das Licht erforscht, desto rätselhafter wird es. Da erscheint Licht mal als Welle, mal als Teilchen. Licht lässt sich nicht einfangen, ein Lichtstrahl kehrt nicht mehr zurück, sondern bewegt sich stets weiter. Die Sterne und Galaxien, die wir am Nachthimmel sehen, sind ein Bild der Vergangenheit – Millionen „Licht- Jahre“ alt. Deshalb betrachten manche Physiker heute das Licht vor allem als Informationsträger und das Weltall als gigantischen Lichtspeicher. Nichts geht verloren, weil alles permanent Licht abstrahlt – und Licht geht nun mal nicht verloren. Dazu passt auch die neueste astronomische Erkenntnis, dass sich das Weltall anscheinend immer weiter ausdehnt. So kann das Licht immer weiter und weiter reisen.

Schon seit den Anfängen der Kultur haben Menschen das Licht mit dem Göttlichen in Verbindung gebracht. Die Bibel ist voll von Licht-Worten. In der Genesis ist Licht das Erste, was Gott schuf. Die Begrüßung der Sonne am Morgen, Lichtund Feuerrituale gibt es in allen Religionen. Der Mensch spürt intuitiv: Gott sendet das Licht seiner Liebe in unsere Dunkelheiten. Das Licht Gottes ist anders als alles, was wir kennen, schreiben Mystikerinnen und Mystiker. Und Menschen mit Nahtod-Erfahrungen berichten von dem hellen Licht, das auf sie wartete.

Jetzt im erwachenden Frühjahr freuen wir uns jeden Morgen, dass es ein wenig früher hell wird. Danken wir Gott und lassen wir uns verzaubern von seinem lichtvollen Geheimnis.

hören

Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. (2 Korinther 4,6)

glauben

Wenn ich am Morgen erwache
und mich finde
noch umhüllt vom grauen Mantel
der Dämmerung
dann weiß ich
ein Tag ist mir geschenkt

Noch ahne ich nur
was dieser Tag bringt
ich kenne die groben Umrisse
und werde sie selbst mit Farben füllen
das Licht aber wird mich begleiten
wohin ich auch gehe

So gehst du mit mir
du Lichtgott
Denn bei dir ist
die Quelle des Lebens
in deinem Licht
schauen wir das Licht (Psalm 36,10)

tun

Gehen Sie in einer klaren Nacht hinaus in die Natur und betrachten Sie die Sterne. Jeder dieser Sterne hat eine einmalige Geschichte, jeder hat einen Anfang und ein Ende.

Zünden Sie eine Kerze an für einen Menschen, dem Sie Zuversicht wünsche, oder einen guten Ausgang einer anstehenden OP oder … Licht schafft Verbundenheit und lässt unsere Gedanken zu Gebeten werden.

Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,13a) – eine Zusage und eine Herausforderung zugleich. Für wen kann ich Licht sein? Wem Mut machen? Wo Hoffnung bringen?

 

Erstveröffentlichung Zeitschrift „Franziskaner“ Winter 2014