20.07.2017 Dorothée Schenk / KirchenZeitung, Ausgabe 29/2017

Ordensleute auf „Spurensuche“

In diesem Jahr waren die Franziskaner in Vossenack Gastgeber für 250 Ordensleute beim Ordenstag im Bistum Aachen

Geselligkeit mit Gott pflegen

Im Tau vereint. Bild von Andreas Schmittler / Bistum Aachen

Ordenstag ist für die geistlichen Gemeinschaften ein wichtiger Tag fürs Glauben – Leben und Klönen Wie gut gelaunt Glaubensleben zelebriert werden kann, ist beim jährlichen Ordenstag zu erleben. Diesmal waren die Vertreter der 45 geistlichen Gemeinschaften im Bistum Aachen ins Franziskanerkloster Vossenack eingeladen. Ein Drittel der Geladenen kam zum Austausch.

Auf einem Plakat in den Klostergängen ist zu lesen: „Wer Gott sucht, findet Freunde“. Diese Worte spiegeln wunderbar die Stimmung wieder. „Der Mann sagte: Das kann ich doch nicht den Nachbarn erzählen, was die Soldaten mit meiner Frau gemacht haben“, berichtet eine Ordensschwester, guckt erschüttert und meint: „Kein Wunder, dass die Frau nicht spricht.“ Kleine Wortfetzen, die beim Weg durch die Gänge ans Ohr wehen. „…nein, die ist doch schon viel älter.“ Eine Ordensschwester guckt ungläubig ihre Gesprächspartnerin an. Einige Meter weiter droht ein Benediktiner scherzhaft einer Nonne mit einem Kaffeelöffel.

Einstimmung im Gottesdienst und Freude an der Begegnung

Einmal im Jahr haben zum Beginn der Sommerferien die Ordensschwestern und -brüder Gelegenheit zum zwanglosen Austausch über Erfahrungen und Erlebnisse. Um dabei sein zu können, verlängert die Oberin vom Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi Dernbach sogar den Besuch bei ihrer Schwester in Brüggen-Bracht, und eine Schwester aus Bonn-Tannenbusch verzichtet auf die Teilnahme an der Beisetzung von Kardinal Meisner. Schwester Salome von den Schwestern vom armen Kinde Jesus aus Aachen beschreibt es so: „Es ist sehr schön. Erstmal ist es ein religiöses Erlebnis. Wir beten, wir singen zusammen. Aber auch die Begegnungen sind schön. Ich treffe hier beispielsweise eine Schwester aus meiner Gemeinschaft aus Indonesien, die zwar auch in Aachen lebt, die ich aber sonst nicht sehe. Vor allem aber gilt eins: Wir stehen alle vor Gott. Egal in welcher Aufgabe. Das hat Weihbischof Borsch ja auch so schön gesagt.“ Stimmungsvoll begonnen hatte der Tag mit einer gemeinsamen Messfeier, die Weihbischof Karl Borsch als Bischofsvikar für Ordens- und Säkularinstitute und Gesellschaften des Apostolischen Lebens im Bistum Aachen gemeinsam mit Weihbischof Karl Reger zelebrierte. Nach der Predigt über das Thema Gottesherrschaft und Gottesdienst spielte Franziskaner-Bruder Daniel auf der Trompete aus Andrew Lloyd Webbers Musical „Jesus Christ Superstar“: I don’t know how to love him. „Wie kann ich ihn nur lieben…“, übersetzt der Franziskaner, grinst und sagt: „Ich finde es schön, den anderen den Marsch zu blasen, auf meine ganz eigene Weise.“

Wo der Weihbischof persönlich die Suppe serviert

Impressionen vom Ordenstag des Bistums Aachen 2017. Bilder von Andreas Schmittler / Bistum Aachen.

Zum anschließenden Mittagsgebet dirigiert Bruder Wolfgang das gesungene Tischgebet in allen Essensräumen, ehe er die Suppenkelle schwingt und kräftig die Klostersuppe austeilt – unter anderem an Weihbischof Karl Borsch. Ganz seinen Worten folgend, stellt dieser sich in den Dienst seiner Tischnachbarin, holte ihr einen Nachschlag Gemüsesuppe und servierte ihn auch gleich. Erfreut grüßt er an den Nachbartisch, an dem Inge Mühlbeyer und ihr Mann Platz genommen haben. Die pensionierte Leiterin des Ordensbüros, seit Frühjahr im Ruhestand, erzählt lächelnd: „Ich habe eine lebenslange Einladung zu den Ordenstagen. Der bin ich gerne nachgekommen.“ Nicht nur aus dem Bistum Aachen kommen die überwiegend weiblichen Gäste. Provinzoberin Schwester Katharina der Franziskanerinnen von Lüdinghausen reiste aus Münster an. Nach eigenem Bekunden, weil sie das Stück „Nudo“ des Franziskaner-eigenen Marionettenensembles „Streppkes Trekker“ lockte, das als Höhepunkt des Ordenstages aufgeführt wird. Vorher steht sie aber ins Gespräch vertieft mit Abt Friedhelm aus Kornelimünster zusammen. Sie philosophieren über die zahlenmäßige Überlegenheit der Frauen. „Es gibt Leute, die sagen, es hat damit zu tun, dass die Rollenbilder sich angleichen. Im 19. Jahrhundert sind wir ja alle wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die da (weist auf den Abt) sind ja alt („Uralt…!“ bestätigt dieser lachend). Im 19. Jahrhundert wurden Frauen wach, aber sie konnten nicht als Single leben und als Verheiratete Lehrerin sein…“ Abt Friedhelm: „Ich finde diese Gründerinnen waren gestandene Frauen, die manchem Bischof das Fürchten gelehrt haben.“ Und sind oft sehr pragmatisch:?„Die Krypta ist ja so weit weg – da gehen wir in die Natur beten“, lässt eine ältere Ordensfrau vernehmen.

 

 

 

 

 


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