24.01.2022 #OutInChurch / Pressemitteilung

#OutInChurch

Für eine Kirche ohne Angst

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Mit der Initiative „#OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst“ und im Rahmen einer TV-Dokumentation outen sich heute 122 LGBTIQ+-Personen, die haupt- oder ehrenamtlich in der römisch-katholischen Kirche im deutschen Sprachraum tätig sind. Sie arbeiten und engagieren sich unter anderem in den Bereichen Bildung und Erziehung, Pflege und Sozialarbeit, Kirchenmusik und Seelsorge. Unter ihnen sind Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen, Religionslehrer*innen aber auch Verwaltungsmitarbeiter*innen.

Inspiriert wurde die Initiative #OutInChurch durch die eindrucksvolle Aktion #ActOut, bei der sich Anfang 2021 zahlreiche LGBTIQ+-Schauspieler*innen geoutet haben. Sie identifizieren sich unter anderem als lesbisch, schwul, bi, trans*, inter, queer und non-binär.

Zu der Aktion erklärt Initiator Jens Ehebrecht-Zumsande, Referent im Generalvikariat des Erzbistums Hamburg: „Viel zu oft wird abstrakt über die Betroffenen gesprochen. Mit #OutInChurch werden diejenigen, um die es geht, in der Kirche selbst hörbar und sichtbar.“

Im kirchlichen Kontext bedeutet ein solcher Schritt immer noch ein erhebliches Risiko, da ein Comingout schwerwiegende Folgen bis zur Kündigung und Zerstörung der beruflichen Existenz haben kann. Tief verankerte kirchliche Methoden der Verurteilung und Beschämung machen es queeren Menschen im Dienst der katholischen Kirche schwer, sich zu zeigen.

Die Initiative #OutInChurch möchte zu einer Erneuerung der Glaubwürdigkeit und Menschenfreundlichkeit der katholischen Kirche beitragen.

Das Manifest der Initiative zielt mit seinen Forderungen unter anderem darauf ab,

  • diffamierende Aussagen der kirchlichen Lehre zu Geschlechtlichkeit und Sexualität auf Grundlage theologischer und humanwissenschaftlicher Erkenntnisse zu revidieren;
  • das kirchliche Arbeitsrecht so zu ändern, dass ein Leben entsprechend der eigenen sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität, auch in einer Partnerschaft beziehungsweise Zivilehe, weder zum Ausschluss von Aufgaben und Ämtern noch zur Kündigung führt;
  • dass die Kirche in Riten und Sakramenten sichtbar macht und feiert, dass LGBTIQ+-Personen und -Paare von Gott gesegnet sind.

#OutInChurch ruft alle LGBTIQ+-Personen, die haupt- oder ehrenamtlich in der römisch-katholischen Kirche tätig sind, auf, sich der Initiative anzuschließen. Zudem sind alle Menschen eingeladen, sich mit der Initiative zu solidarisieren. Die Bischöfe und alle, die in der Kirche Verantwortung tragen, die Kirchengemeinden, Verbände und Ordensgemeinschaften werden aufgefordert, ihre Unterstützung für das Manifest öffentlich zu erklären.

  • Weitere Informationen finden sie in einem Artikel auf der Webseite der franziskanischen Familie (INFAG)
  • Die ARD strahlt am Montag, 24. Januar 2022 um 20:30 Uhr den Film „Wie Gott uns schuf“ aus. Der knapp einstündige Beitrag ist auch über die ARD-Mediathek abrufbar.

4 Kommentare zu “#OutInChurch

  1. Zu den merkwürdigen Auslassungen der Frau Kovalcicz fällt mir spontan nur folgendes ein: jeder, der Priester wird oder in einen Orden eintritt, übernimmt freiwillig die Zölibatsverpflichtung, ob er nun hetero- oder homosexuell ist (tertium non datur).. Es gibt keinen Menschen ohne sexuelle Orientierung; im Hinblick auf den Zölibat spielt entsprechend die jeweilige sexuelle Orienterung überhaupt keine Rolle! Wohl aber bringt jede solcher Orientierungen Haltungen mit sich, die für die Seelsorge, aber auch für das Gemeinschaftsleben einen Gewinn darstellen. Den Katholizismus, den Frau Kovalcziz vertritt, halte ich für eine Horrorvorstellung, die menschenverachtend ist und mit der ich nichts zu tun haben möchte (der hl. Franziskus, so wie ich ihn verstehe, wahrscheinlich auch nicht). Ich gratuliere Br. Norbert zu seinem Mut und wünsche ihm Gottes Segen.

  2. Lieber Bruder Markus

    Ich danke Dir für Deine Antwort auf den Kommentar von Ana Kovalcicz. Ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Ausserdem erspart es mir das „Graben“ in meiner eigenen Biografie und damit der Konfrontation mit alten Ängsten. Menschen wie Frau Kovalcicz haben nicht den Hauch einer Ahnung wie es ist, wenn man feststellt, dass man nicht „normal“ ist; wenn man als LGBTQ+ Witze mit anhören muss, die verletzen; wenn man mitbekommt, dass sich heterosexuelle Klassenkameraden gegenseitig als „schwule Sau“ bezeichnen. Und wenn dann auch noch die Kirche, die man als Zufluchtsort erhofft, sich negativ über queere Menschen äussert, dann schlittert man ganz nah heran an den Moment, wo einem der Suizid als einziger Ausweg vor Augen steht.

    Pace e bene!

    Ralf

  3. Auch einer Ihrer Mitbrüder ist da dabei. Wie ist das mit den drei evangelischen Räten vereinbar? Was ist der Zweck? Ich finde es befremdlich, wenn statt der Verkündigung des Wortes Gottes eine selbstbezogene Nabelschau betrieben wird. Anstatt die eigene Berufung zu hinterfragen – Ihr Mitbruder weiß sicher nicht erst seit gestern von seiner Veranlagung und wie die Kirche dazu steht – wird der Spieß einfach umgedreht – nicht ich bin mit falschen Vorstellungen gekommen, nicht ich habe mich nicht sorgfältig geprüft, ob Gott mich wirklich ruft, nicht ich habe offensichtlich den Katechismus nicht so parat – nein, die Kirche hat gefehlt, sie ist schuld an meiner Misere, an meiner Acedia, da ich nicht weiß, daß ich auch in meiner Homosexualität gewollt bin, diese aber nicht ausleben darf, was aber ohnehin keine Rolle spielen sollte, da ich ohnehin zur Keuschheit angehalten bin.

    Was das Engagement in #outofchurch betrifft, kommt von den drei evangelischen Räten besonders der Gehorsam zu tragen. Man kann keine Exerzitien der katholischen Kirche führen, wenn man die Lehre gar nicht unterstützt. Das ist unmöglich. Eine Rosinenpickerei funktioniert da nicht. -In der EKD ist so ein Wunsch verwirklicht, warum nicht einfach ehrlich sein und wechseln? Die Michaelsbruderschaft?

    Man kann sich durchaus mit seiner Sexualität und seinen Problemen beschäftigen, die Frage ist, was nützt es den Gläubigen? Wenn ich nur um meine Probleme und die meiner „Community“ kreise, wenn ich gerne mit der Zeit gehe, ist das überhaupt nicht verwerflich, aber ich muß mich schon fragen, warum ich überhaupt in einen katholischen Orden eingetreten bin.

    Dort nämlich sollten Leute stehen, die um die Gläubigen kämpfen. Franz von Assisi, Kolbe und Jägerstätter stehen bestimmt nicht dafür, daß man ein zeitgeistiges Kalb anbetet. Das gilt für die anonymen Pfarrer – so sie denn existieren- und die beiden Jesuiten genauso.

    Sie sehen ja selbst, woher der Applaus, der durch diese Aktion resultiert, mehrheitlich kommt. Mission ist diese Nabelschau besorgter Angestellter bestimmt nicht.

    Ich wünsche ihnen Gottes Segen, beten Sie bitte für mich und unsere Kirche

    1. Sehr geehrte Frau Kovalcicz,

      ich danke Ihnen für Ihren sehr offenen und pointierten Kommentar. Ich vermute, dass nicht wenige Menschen ähnlicher Ansicht sind. Gerne möchte ich zu den von Ihnen angesprochenen Fragen Stellung beziehen.

      Sie sind offensichtlich der Auffassung, dass sich mein Mitbruder Norbert vor seinem Ordenseintritt gründlicher hätte fragen sollen, ob er denn wirklich zu einem Leben als Franziskaner berufen ist. Denn er habe ja gewiss schon frühzeitig von seiner homosexuellen Veranlagung gewusst, und so habe er ja auch wissen müssen, worauf er sich bei der Kirche und insbesondere beim Ordensleben einlässt. Sich nun über die Diskriminierung von homosexuellen Menschen in der Kirche zu beklagen, sei ein Ausdruck von Ungehorsam, von Nachlässigkeit bzw. Trägheit („Acedia“) und von Anbetung des Zeitgeistes. Wer eine solche „selbstbezogene Nabelschau“ und „Rosinenpickerei“ betreibe, möge doch besser gleich evangelisch werden.

      Frau Kovalcicz, Ihr Statement macht auf prägnante Weise deutlich, warum die Initiative #outinchurch dringend notwendig ist. Wer oder was gibt Ihnen das Recht über die Berufung eines Menschen zu urteilen? Wieso sollte ein homosexueller Mann nicht Franziskaner werden können? Und warum soll ein homosexueller katholischer Ordensmann nicht ehrlich sagen dürfen, dass es ihn verletzt, wie sich seine Kirche über homosexuelle und anders liebende Menschen äußert und wie die Kirche mit ihnen umgeht?

      Ihre Argumentation, Frau Kovalcicz, folgt der Logik: Was nicht sein darf, das gibt es auch nicht. Wer etwa homosexuell ist, der kann eigentlich nicht von Gott zum Ordensleben berufen sein. Und wenn doch, dann nur, wenn er sein Anders-Sein unterdrückt bzw. geheim hält. Eine solche Haltung ist weder vernünftig, noch gesund. Und schon gar nicht entspricht sie der biblischen Botschaft von einem Gott, der jeden Menschen, so wie er ist, bedingungslos liebt und auf ganz individuelle Weise beruft. Gott diskriminiert nicht. Er liebt. Warum diskriminiert dann die Kirche? – Solche Fragen dürfen und müssen meines Erachtens gestellt werden in der Gemeinschaft der Glaubenden.

      Mit freundlichen Grüßen; pax et bonum!
      Bruder Markus

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