14.10.2017

Pater Victor Clemens verstorben

Der gütige Vater rief am 10. Oktober unseren Mitbruder Victor Clemens in sein Friedensreich. Nach langer Krankheit verstarb der geschätzte Lehrer und Seelsorger im Senorenheim in Vossenack

Pater Victor (Walter) Clemens ofm
* 08.09.1924 in Neuss † 10.10.2017 in Vossenack

Walter wurde am 8. September 1924 in Neuss geboren und wuchs mit zwei Geschwistern in einer rheinisch-katholischen Familie auf, für die die Teilnahme am liturgischen Leben des Kirchenjahres mit seinen geprägten Zeiten selbstverständlich war. Schon in jungem Alter zeigte er ein großes Interesse für klassische Literatur und Musik. In Bonn, wo er mit seiner Familie seine Jugend verbrachte, besuchte er oft Konzerte und Opern.

Noch vor seinem Abitur, das er am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bonn hätte ablegen sollen, wurde Walter zum Kriegsdienst eingezogen (1943). Hier war er als Funker tätig. Er geriet zuerst in englische, dann amerikanische und schließlich in französische Gefangenschaft. Im Oktober 1945 fand er Aufnahme im „Stacheldrahtseminar“ (Kriegsgefangenenseminar, Camp 1) Le Condray bei Chartres, ein Lager, in dem auf Initiative des damaligen Nuntius in Paris, Erzbischof Angelo Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII, Seminaristen untergebracht waren und wo er zunächst das Graecum und das Nachkriegsabitur machte. Anschließend studierte er bis Juni 1947 Philosophie und Theologie.

Hier lernte er auch Franziskaner kennen. Später, nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft und der Fortsetzung des Theologiestudiums in Bonn hatte er immer wieder gute Kontakte zu P. Eucharius Berbuir. Er ging dann für die Kölnische Franziskanerprovinz nach Rietberg ins Noviziat, wo er am 19.04.1951 eingekleidet wurde und den Namen Victor erhielt. Im darauffolgenden Jahr 1952 legte er seine Erste Profess ab und setzte anschließend an der Johannes-Duns-Skotus-Akademie in Mönchengladbach seine Studien fort.

Nach seiner Priesterweihe am 1. Mai 1954 in Mönchengladbach hätte Victor gerne an einer Universität mit theologischer Fakultät in Fundamentaltheologie promoviert. Doch die Provinzleitung schickte ihn zum Zweitstudium der Fächer Religion, Latein und Griechisch nach Münster, wo er für das Lehramt an Gymnasien bis 1960 sein 1. und 2. Staatsexamen ablegte. Danach ging er als Religions-, Latein- und Griechischlehrer ins Kolleg St. Bonaventura nach Exaten (Baexem) in Holland. Mit der Auflösung des Kollegs unterrichtete Pater Victor über seine Pensionierung 1987 hinaus noch bis 1991 am Franziskus-Gymnasium Vossenack. Über Jahrzehnte betreute er in vorbildlicher Weise die Konvents-, Lehrer- und Schulbibliothek.

Viele Jahre war er Vikar der Vossenacker Gemeinschaft, von 1987 bis 1990 deren Guardian. Neben seinem Interesse für Bildung und Erziehung war Pater Victor auch in der Seelsorge sehr engagiert. Für Aushilfen in der Umgebung und Gottesdienste in der Klosterkirche stand er immer bereit. Hier war ihm nichts zu viel. Besondere Aufmerksamkeit richtete er auf seine Predigttätigkeit. Seine Predigten waren nicht selten Katechesen. Ihm lag daran, dass die Menschen, die den Weg zu uns fanden, im Glauben gestärkt wieder in ihren Alltag gingen. Er war sicherlich der Vertreter einer humanen Pastoral: die Menschen sollten Freude am Glauben zeigen, so wie er selbst tief verwurzelt in seiner Gottesbeziehung diese Freude im Glauben ausstrahlte. Hoffnungsvoll und zuversichtlich begleitete er die ihm Anvertrauten mit einem Wort aus Nehemia:

„Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!“ (Nehemia 8, 10)

Das Requiem für Pater Victor feiern wir am Montag, dem 16. Oktober 2017 um 14:30 Uhr in der Klosterkirche der Franziskaner in Hürtgenwald – Vossenack. Anschließend findet die Beisetzung auf der Franziskanergrabstätte auf dem Gemeindefriedhof statt.


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