22.05.2021 Text, Bruder Andreas Brands, Bilder, Br. Natanael Ganter

Priesterweihe von Bruder Johannes Roth

Im Schatten des Unbekannten gehen

In einem festlichen Gottesdienst wurde Br. Johannes Roth ofm am Samstag, dem 22. Mai 2021, von Erzbischof Stefan Burger aus Freiburg in der Bonifatius-Kirche zu Mannheim zum Priester geweiht. Trotz und mit Corona-Maßnahmen konnte diese Eucharistiefeier mit 100 Menschen stattfinden. Br. Frank Hartmann, Pfarrer von St. Bonifatius, begrüßte den Erzbischof Stefan, den Provinzial P. Cornelius aus München und die anwesenden Gäste von nah und fern, wobei der Großmutter von Br. Johannes mit ihren 96 Jahren ein besonderer Moment gebührte.

Wegweisende Texte für die Liturgie waren dem Buch Deuteronomium und dem Lukasevangelium entnommen. „Segen und Fluch, Leben und Tod lege ich dir vor – wähle das Leben. Halte dich fest an deinem Gott.“ Die Erzählung von den Emmausjüngern, so bekannt sie auch immer ist, fasziniert in gleicher Weise bei jedem Zuhören. Was dort geschieht, ist exemplarisch für jedes christliche Leben. Obwohl die Jünger jahrelang mit Jesus unterwegs waren, sehen und begreifen sie nicht sofort. Auch sie brauchen Zeit, ihre Augen sind gehalten. Sie gehen im Schatten des Unbekannten ihren Weg – und erkennen ihn beim Brot brechen. Erzbischof Stefan verband diese beiden Texte miteinander und bezog Br. Johannes als Weihekandidaten mit seinen Erfahrungen und mit seinen Wünschen, als Priester in der Kirche und im Orden zu wirken, mit ein. Menschen begleiten, mit Menschen unterwegs sein – das kann man als ein Lebensthema von Br. Johannes beschreiben.

Bischof Stefan unterstrich in seinen Ausführungen, dass die Jünger wieder „in der Realität angekommen waren. Alle Hochstimmung ist seit dem Tod von Jesus weg. Depression, Niedergeschlagenheit, Unverständnis bestimmen jetzt ihr Leben.“ Eine „zweite Seite der Niedergeschlagenheit und des Bedrückt-Seins zeigt sich z. B. in all dem menschlichen Versagen in unserer Kirche, das vielen zum Stein des Anstoßes und zum fast unüberwindbaren Ärgernis und Zweifel geworden ist. Eine Kirche, die nicht mehr verstanden wird, deren Botschaft aufgrund schwindender Glaubwürdigkeit und eines einhergehenden Vertrauensverlustes immer weniger Gehör findet. (…) Für diesen Jesus Christus sind Sie unterwegs! Und Sie können solange guten Mutes in allen Phasen menschlichen Lebens andere Menschen begleiten, solange Sie sich selbst von ihm begleiten und führen lassen. Und jetzt sind wir bei dem Wort, das Ihr priesterlichen Leben prägen und gestalten will: Im Buch Deuteronomium: „Liebe den Herrn, deinen Gott, hör auf seine Stimme und halte dich an ihm fest, denn er ist dein Leben.“ Genau das ist die Situation der Emmaus-Jünger als ihnen die Augen aufgehen. Beim Mahl mit Jesus sehen und erkennen Sie ihn. Sie erkennen das Leben selbst.“ Es ist genau diese Feier, die Br. Johannes durch die Weihe anvertraut wird.

Der Bitte um den Heiligen Geist folgte die Allerheiligenlitanei. Die Auflegung der Hände durch den Bischof und die anwesenden Priester, das gesungene Weihegebt, das Anziehen der Messgewänder, die Salbung der Hände und die Überreichung von Brot- und Hostienschale – all das sind die ausdeutenden Riten bei der Übernahme des Priesteramtes. Letztere haben für Br. Johannes eine besondere Beziehung zu seiner Familie, weil in den Kreuzen von Brot und Hostienschale die Eheringe seiner Großeltern eingearbeitet wurden. Mit der Eucharistiefeier, in der Br. Johannes zum ersten Mal die Wandlungsworte mitsprechen durfte, ging der Weihegottesdienst zu Ende.

Gestaltet wurde die Priesterweihe vom Organisten Michael Geipel und vier Solistinnen, die mit ihrem ausdruckstarken Gesang die Feier zu einem Fest werden ließen, in der Situation, in der die Gemeinde nicht mitsingen durfte.

Eine Feier, wie sie im Normalfall stattfinden würde, war aufgrund der Pandemiebeschränkungen nicht möglich. Um die Zeit bis zur Vesper zu überbrücken, wurden im Innenhof der Pfarrei und im Gemeindehaus Versorgungstaschen to go vorbereitet, so dass sich jeder mit Laugenbrötchen und einer Dose Hugo oder Sekt stärken konnte. Um 15:00 h beschloss die Vesper einen ganz besonderen Tag, sicherlich einen der wichtigsten Tage im Leben von Br. Johannes. Im Anschluss an die Vesper erteilte Br. Johannes den Primizsegen, dem nach alter Tradition eine eigene Kraft innewohnt.

Ein ganz besonderer Moment für mich entstand bei der Austeilung des persönlichen Primizsegens. Br. Johannes segnete als erste seine Großmutter. Im selben Moment, als Br. Johannes seine Arme über sie ausbreitete, legte sie ihre Arme auf die von Br. Johannes. So entstand das Bild eines gegenseitigen Segens. Wenn das kein Bild von einer Kirche ist, die wir in unseren Zeiten brauchen!

Priester-werden in Zeiten, in denen es wenig Berufungen gibt, wohnt eine eigene Stimmung bei. Ist es Wehmut, der Abschied von selbstverständlichen Ereignissen, die zu Raritäten werden? Das gilt nicht nur für die Bistümer in Deutschland, sondern in gleicher Weise für unsere Bruderschaft. Mit Blick auf den fehlenden Ordensnachwuchs müssen wir Franziskaner davon ausgehen, dass es in den kommenden 10 Jahren wohl kaum eine Priesterweihe geben wird. Das ist eine Realität, die uns zwar nicht verzagen lässt, aber zu denken gibt – und die Auswirkungen hat auf unsere Standorte und Seelsorgsaufgaben in Deutschland.


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