Bruder Franz Josef Kröger

Santa Chiara

Grabstätte der heiligen Klara

Das Augenpaar des Gekreuzigen von San Damiano. Klara mag wohl an diesen Anblick Jesu gedacht haben, als sie Ihren Brief an Agnes von Prag verfasst hatte. ""Schau in den Spiegel.....""
Das Augenpaar des Gekreuzigen von San Damiano. Klara mag wohl an diesen Anblick Jesu gedacht haben, als sie ihren Brief an Agnes von Prag verfasst hatte. „“Schau in den Spiegel…..““

Nach ihrem Tod wird der Leichnam der heiligen Klara zuerst von San Damiano in die kleine Kirche San Giorgio überführt. Dieses Kirchlein liegt innerhalb der Stadtmauern Assisis. Die Bürger der Stadt wollten mit dieser Maßnahme einen Raub der kostbaren Reliquie verhindern.

Auch nach ihrem Tod wollen die Schwestern die Nähe ihrer Gründerin nicht missen und tragen sich mit dem Gedanken sich in der Nähe von San Giorgio anzusiedeln. Es folgen langwierige Verhandlungen mit den Eigentümern, bis die Schwestern endlich mit einem meuen Kloster- und Kirchenbau beginnen können. Die noch unfertige Kirche wird auf den Namen der heiligen Klara geweiht.

Die Schwestern nehmen bei ihrem Umzug von San Damiano auch das gemalte Tafelkreuz mit. Dieses Kreuz ist untrennbar mit dem Leben und der Berufung von Franziskus und Klara verbunden. Zunächst wurde es in der Klausur der Schwestern aufbewahrt. Heute hängt es im Seitenschiff der Klarakirche.

Klararetabel mit Episoden aus ihrem Leben: Von links oben beginnend: Die eigene Familie versucht Klara zurückzuholen; Franziskus bekleidet Klara mit dem Habit; .Klara und ihre Gefährtinen vor Franziskus; Klara empfängt den Palmzweig durch den Bischof; Die Schwester Klaras, Agnes, wird von ihrer Familie zurückgeholt; Brotwunder Klaras im Konvent San Damiano; Tod Klaras; Heiligsprechung Klaras.
Klararetabel mit Episoden aus ihrem Leben: Von links oben beginnend: Die eigene Familie versucht Klara zurückzuholen; Franziskus bekleidet Klara mit dem Habit; .Klara und ihre Gefährtinnen vor Franziskus;  Klara empfängt den Palmzweig durch den Bischof;  Die Schwester Klaras,  Agnes wird von ihrer Familie zurückgeholt; Brotwunder Klaras im Konvent San Damiano; Tod Klaras;  Heiligsprechung Klaras.

Santa Chiara – auch im Verborgenen

Die Sicherheit der Schwestern war ausschlaggebend dafür, dass im Jahr 1253 erste Überlegungen beginnen das Kloster San Damiano aufzugeben und sich näher an der Stadt niederzulassen. Noch ist der Überfall von Söldnern auf San Damiano gut zehn Jahre zuvor nicht vergessen. Augenzeugenberichte erzählen, Klara habe durch ihr Gebet und ihr Auftreten mit der Monstranz den Überfall letztlich verhindert. Aber ein Leben außerhalb sicherer Stadtmauern ist und bleibt ein gefährdetes Leben – zumal für eine Gemeinschaft von Frauen.

Sehnsucht nach Klara

Der aufgebahrte Leib der heiligen Klara in der Krypta der Kirche. Er vermittelt die Nähe der Schwestern zu ihrer Ordensgründerin.
Der aufgebahrte Leib der heiligen Klara in der Krypta der Kirche. Er vermittelt die Nähe der Schwestern zu ihrer Ordensgründerin.

Wichtiger ist aber wohl ein anderer Grund, der die Klarissen bewogen hat, San Damiano aufzugeben. Im Jahre 1253 ist ihre Gründerin Klara von Assisi gestorben. Wie Franziskus wird auch Klara in der kleinen Kirche von San Giorgio beigesetzt, die damals außerhalb Assisis, aber direkt an der Stadtmauer liegt. Genau dort, wo heute Kirche und Kloster von Santa Chiara liegen. In der Lebensbeschreibung der heiligen Klara heißt es: „Nach Klaras Totenamt hielt man es für zu unsicher und auch unpassend, dass eine so kostbare Reliquie weit entfernt von den Einwohnern der Stadt liegen sollte. Darum trug man ihren Leichnam unter Hymnen und Lobgesängen, unter Posaunenschall und feierlichem Jubel ehrfürchtig zur Kirche San Giorgio. Dort war auch Franziskus zunächst begraben gewesen, sodass er, der ihr in ihrem Leben den Weg gewiesen hatte, auch nach ihrem Tod einen Platz für sie bereitete.“ (Leben Kl 48) Auch nach ihrem Tod wollen die Schwestern die Nähe ihrer Gründerin nicht missen. So zieht es sie nach San Giorgio. Aber die Verhandlungen darüber ziehen sich hin. San Giorgio ist Eigentum der Kanoniker (Stiftsherren) von San Rufino. Und diese sehen vor allem das lukrative Wallfahrtsgeschäft, das ihnen entgeht, wenn sie San Giorgio den Schwestern zur Verfügung stellen.

Erst 1260 können die Schwestern ihr neues Domizil beziehen. Auch wenn die Kirche noch unfertig ist, ihr Name Santa Chiara zeigt allen, wo ab jetzt das neue Zuhause der Klarissen ist. Mit den Schwestern zieht auch das Kreuzbild von San Damiano um, vor dem der heilige Franziskus ein entscheidendes Berufungserlebnis hatte. Fast zur gleichen Zeit wird – wieder aus Sicherheitsgründen – die Stadtmauer Assisis verlegt, und zwar so, dass auch die Schwestern in Santa Chiara im Schutze der Stadtmauern leben können.

Das Kreuz von San Damiano

Heute ist das Kreuz von San Damiano das wahre Herzstück der Kirche Santa Chiara. Natürlich pilgern auch viele Menschen zum Grab der heiligen Klara, die ihren Platz in der Krypta unterhalb der Kirche gefunden hat. Aber vor allem die Beter zieht es immer wieder zu diesem Kreuz, das einen so einzigartigen Stellenwert in der franziskanischen Geschichte und Spiritualität hat. Dabei hatte es in den vergangenen Jahrhunderten seine Kraft eher im Verborgenen entfaltet. Erst 1953, anlässlich des 700. Todestages der heiligen Klara, kommt dieses Kreuz sozusagen wieder ans Licht der Öffentlichkeit: Es wird in einer großen Prozession durch die Straßen Assisis getragen. Als es anschließend wieder wie gewohnt in der Klausur der Schwestern seinen Platz finden soll, lässt die Bevölkerung das nicht mehr zu. Vor diesem Kreuz sollen künftig nicht nur Schwestern im Verborgenen beten, sondern es soll zugänglich für alle Beter und Pilger sein. So findet es seinen Platz in der Kirche von Santa Chiara. Seitdem ist dieses Kreuz von San Damiano weltberühmt geworden – selbst über den christlichen Raum hinaus. Die Klarakennerin Martina Kreidler-Kos schreibt über seine fast magische Anziehungskraft: „Es gibt kaum eine Ikone, die sich weltweit in allen Kulturen derart verbreitet hat. Ikonen bewegen nur, wenn sie von Suchenden betrachtet werden. Als bloßer Wandschmuck vermögen sie Vorübergehende nicht zu berühren.“ Dieses Kreuz hat das Gesicht der Kirche zur Zeit des heiligen Franziskus verändert. Welche Spuren es in den Jahrhunderten im Verborgenen einer Klausur hinterlassen und welche Kraft es dort für die Schwestern und durch sie für die Welt entfaltet hat, das können wir nur ahnen.  (Siehe auch Artikel: Franziskanische Schriften, Gebet vor dem Kreuzbild.)

Zwei franziskanische Schätze

Gesamtansicht des Konvents und der Kirche Santa Chiara in Assisi
Gesamtansicht des Konvents und der Kirche Santa Chiara in Assisi

Sehenswertes außer dem San Damiano-Kreuz und der Krypta mit dem Grab der heiligen Klara hält die Kirche – im Vergleich zu anderen franziskanischen Stätten – nur wenig bereit. Vielleicht entspricht das dem bescheidenen, einfachen und eher verborgenen Leben der Klarissen, deren Gründerin Klara sich das Privileg der Armut regelrecht von der Kirche „erkämpfen“ musste. Neben einigen Reliquien von Franziskus und Klara, die hinter einem Gitter zu besichtigen sind, sind es vor allem zwei Malereien, die in der Kirche auffallen: das Kreuzbild über dem Hauptaltar und das Klararetabel im rechten Querschiff.

Interessant ist vor allem das Kreuzbild, das – im Gegensatz zum Kreuzbild von San Damiano – Christus als den leidenden Gottesknecht zeigt, dessen Körper schmerzlich verdreht ist und dessen Augen gebrochen sind. Das Kreuzbild von San Damiano zeigt dagegen Christus als den Auferstandenen, der ruhig und mit offenen Augen aufrecht steht. Diese Stiländerung in der Kreuzesdarstellung vom Auferstandenen zum leidenden Gottesknecht wird oft den Franziskanern zugeschrieben, da sie in ihren Predigten sehr nachdrücklich das menschliche Leiden Christi betont hätten.

Von Bedeutung ist auch die Darstellung der heiligen Klara im rechten Querschiff, umgeben von Szenen aus ihrem Leben. Wer dieses Bild zu „lesen“ versteht, der erhält einen Einblick in das bewegte und bewegende Leben der Heiligen. Santa Chiara steht sicher im Schatten von San Francesco und der Portiuncula. Aber mit dem San Damiano-Kreuz und dem Grab der heiligen Klara beherbergt sie zwei Schätze franziskanischen Lebens, die beide Quellen und Inspiration für ein Leben in der Nachfolge Jesu sind – sei es für ein Leben im Verborgenen oder für ein Leben in der Öffentlichkeit.


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