Bruder Franz Josef Kröger

Spoleto und Monteluco

Als der Traum vom Rittertum für Franziskus endete

Blick auf das Spoletotal mit seinem historischen Stadtkern und dem Dom.
Blick auf das Spoletotal mit seinem historischen Stadtkern und dem Dom.

Hier, im Spoletotal, hörte Franziskus im Traum eine Stimme, die sein bisheriges Leben ganz auf den „Kopf“ stellte. Als Ritter wollte er Ruhm und Ehre erlangen. Die Biographen berichten, dass ihm Christus im Traum erschienen sei und ihn fragte, ob er lieber dem Knecht als dem Herrn dienen wolle. Franziskus, von diesem Ereignis berührt, kehrt zurück nach Assisi. Die Rückkehr leitet den Bekehrungsweg im wahrsten Sinne des Wortes ein.

In diesem abgelegenen Tal lassen sich schon früh Franziskaner nieder. Im Dom von Spoleto wird der persönliche und herzliche Brief des heiligen Franziskus an Bruder Leo aufbewahrt. Die heutige Einsiedelei befindet sich, umgeben von einem jahrhunderte alten Buchenwald, auf dem Hochplateau des Monteluco.

Monteluco galt schon immer als ein heiliger Berg. Auch vor Franziskus lebten hier schon Einsiedler, die sich in die Stille und Abgeschiedenheit zurückzogen, um sich ganz der Kontemplation hinzugeben.

„Ich habe nichts Schöneres gesehen als mein Spoletotal“

Wer diesen Ausspruch in lateinischer Sprache, in Stein gemeißelt, liest, der hat die Aussichtsplattform des Monteluco oberhalb von Spoleto erreicht. Und wer bei einigermaßen schönem Wetter von hier aus ins Tal schaut, der versteht diesen Satz, der dem heiligen Franziskus in den Mund gelegt wird. Auch die Stadt Spoleto selbst ist einen Besuch wert. In der Bekehrungsphase des Heiligen spielt Spoleto eine nicht unbedeutende Rolle. Alte Quellen berichten, dass Franziskus hier einen Traum hatte, in dem er gefragt wurde, wer ihm mehr zu bieten habe, der Herr oder der Knecht. Franziskus versteht, bricht seine Reise nach Apulien ab, die ihm als Ritter Ruhm und Ehre bringen sollte, und kehrt nach Assisi zurück – eine wichtige Etappe seines „Lebens-Wandels“.

Ein heiliger Berg

Einsiedelei von Monteluco: Ansicht des Klosters. Foto von Kerstin Meinhardt.
Einsiedelei von Monteluco: Ansicht des Klosters. Foto von Kerstin Meinhardt.

Wer zu Fuß den Monteluco erwandern möchte, kann als Ausgangspunkt den Dom von Spoleto wählen. Hier wird der Brief von Franziskus an Bruder Leo aufbewahrt, in dem der berühmt gewordene Satz steht: „Und wenn es dir guttut, Bruder Leo, dann komm.“ Im gleichen Dom wurde im Jahr 1232 auch der Franziskaner Antonius von Padua heiliggesprochen. In etwa zwei Stunden Fußweg erreicht man die Einsiedelei auf dem Gipfel des Berges.

Schon lange bevor Franziskus und seine Brüder diesen Ort erreichten und ihre Zellen aus Lehm, Kalk und Holz errichteten, galt Monteluco als heiliger Berg beziehungsweise als heiliger Wald. In einem Gesetzesschreiben aus dem dritten Jahrhundert vor Christus, das im Stadtmuseum von Spoleto aufbewahrt wird, heißt es: „Niemand darf diesen heiligen Wald entheiligen; niemand darf auf einem Karren oder auf dem Arm etwas, das zum heiligen Wald gehört, wegtragen. Auch darf niemand Holz schlagen, außer an dem Tag, an welchem das jährliche Opfer dargebracht wird.“ (Lex Spoletina)

Bereits in den ersten christlichen Jahrhunderten kamen Gläubige hierher, „um im Schweigen und in der Einsamkeit des Berges Ruhe zu finden“. Im sechsten Jahrhundert befand sich hier die „Kongregation der Eremiten von Monteluco“. Später folgten die Benediktiner, die, der Überlieferung nach, im Jahr 1218 Franziskus diesen Ort überlassen haben.

Mit der stillen Schönheit seiner Wälder und der Weite seiner bergigen Höhen atmet der Ort auch den offenen Geist franziskanischer Stille: Von knorrigen Steineichen umgeben, eröffnen Kloster und Felsterrassen einen Panoramablick über das Spoletotal: auf die Felder und Dörfer der weiten ‚Valle umbra‘ und bis Assisi am Horizont.

Ein Leben am „Abgrund“

Die Einsiedelei auf dem Berg Monteluco mit der einfachen Kapelle und dem für die Gegend typischen kleinen Campanile (Glockentürmchen). Foto von Kerstin Meinhard.
Die Einsiedelei auf dem Berg Monteluco mit der einfachen Kapelle und dem für die Gegend typischen kleinen Campanile (Glockentürmchen). Foto von Kerstin Meinhard.

Monteluco war von Anfang an ein Ort, an dem besonderer Wert auf das Gelübde der Armut gelegt wurde. Ein konsequenter Verfechter dieser spezifisch franziskanischen Lebensweise war Angelus Clarenus, der im 14. Jahrhundert mit seinen Brüdern hier wohnte. Diese Prägung eines franziskanischen Lebens in Einfachheit, Sammlung, Stille und Gebet hat sich bis heute erhalten. In der kleinen Gemeinschaft bereiten sich die Postulanten der umbrischen Franziskanerprovinz von Assisi auf ihre Einkleidung und das Noviziat in San Damiano vor.

Fast sämtliche Gebäudeteile, die heute noch stehen, gehen auf das Ende des 14. Jahrhunderts und auf Bernhardin von Siena zurück, der dem Konvent, wie es heißt, neues Leben verlieh. An Franziskus selber erinnert der Brunnen im Klosterhof. Der Überlieferung nach begann hier eine Quelle auf das Gebet des Heiligen hin zu sprudeln. Mit diesem Wasser soll Franziskus ein behindertes Mädchen geheilt haben.

Links vom Eingang befindet sich das Oratorium des heiligen Bernhardin von Siena. In der Kirche – rechts vor dem Kloster – liegt ein franziskanischer Volksheiliger begraben, der selige Leopold von Gaiche. Die Kirche bewahrt das Kreuz auf, das der Selige während seiner fast 50 Pilgerjahre mit sich führte. Dem seligen Leopold, der aus ganz einfachen umbrischen Verhältnissen stammte, sagt man nach, dass er fast 50 Jahre auf den Straßen Italiens unterwegs war und auf Plätzen und Kanzeln predigte „zum großen Segen der Menschen, die ihm gerne zuhörten“.

Im Kloster selbst zeigt man einen kleinen Gang zu sieben Zellen. Kleine Teile davon sollen auf Franziskus und seine ersten Brüder zurückgehen. Während die Zeit der Herkunft der Zellen unsicher ist, glaubt man, das Oratorium des heiligen Franziskus auf seine Lebenszeit zurückführen zu können. In diesem Oratorium sind einige alte Fresken zu sehen. Nicht zu besichtigen ist die Kapelle, die der heiligen Katharina geweiht ist. Sie stammt aus vorfranziskanischer Zeit, also aus der Zeit, als Einsiedler auf dem Monteluco lebten.

Außerhalb der eigentlichen Einsiedelei kann man sich im Wald und in den Felsen auf die Suche nach den Grotten des heiligen Franziskus, des heiligen Antonius, des heiligen Bernhardin und anderer franziskanischer Persönlichkeiten machen. Gerade hier zeigt sich, dass ein Leben, wie es Franziskus und seine Brüder führten, ein Leben der Grenzerfahrungen ist, manchmal sogar ein Leben am „Abgrund“ – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.


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