30.03.2018 Cornelius Bohl ofm

Trotzdem. Eine Kurzformel für Ostern.

Osterimpuls von Provinzialminister Cornelius Bohl

Bruder Cornelius Bohl ofm, Provinzial der Deutschen Franziskanerprovinz.
Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

Trotzdem. Das kleine Wort löst ganz unterschiedliche Assoziationen aus.

Trotzdem – der Begriff steht manchmal schlichtweg für Sturheit. Das trotzige kleine Kind ist sprichwörtlich geworden. Dabei geht es eigentlich nicht um Kinder. Es gibt diese trotzige Haltung, gegen alle Widerstände hartnäckig auf etwas zu bestehen: Alle sind dagegen. Aber ich mache es trotzdem. Ich will es einfach. Basta!

Trotzdem – das Wort kann etwas Tragisches an sich haben. Da gerät jemand in ungute Abhängigkeiten. Eine Sucht nimmt ihn mehr und mehr gefangen. Er weiß, dass ihm das nicht gut tut. Aber er kann nicht aufhören. Gegen alles bessere Wissen macht er trotzdem weiter.

Trotzdem – für manchen verbirgt sich hinter dieser Vokabel die Absurdität des Daseins. Das Leben hat keinen Sinn und kein Ziel. Trotzdem kann der Mensch nicht aufhören, nach einem Sinn zu suchen, weil er sinnvoll handeln möchte. Dieses Trotzdem verdichtet sich in einer Figur aus der griechischen Mythologie: Sisyphos muss einen riesigen Stein auf einen Berg hinaufwälzen, aber wenn er fast oben ist, rollt der Felsblock wieder herunter. Er wird ihn nie auf den Gipfel bekommen. Aber er versucht es trotzdem, immer und immer wieder.

Trotzdem – das ist für mich auch ein Schlüsselbegriff christlichen Glaubens. Gott kann nicht bewiesen werden. Vieles spricht gegen ihn. Trotzdem erfahren Menschen seine Gegenwart. Er bleibt oft fremd und unverständlich. Trotzdem vertraue ich ihm mein Leben an. Ist es absurd, zu glauben? Oder naiv? Viele würden das bejahen. Jedenfalls ist der Glaube keine einfache Rechnung, die schnell aufgeht.

Trotzdem – das ist auch eine Kurzformel für Ostern. Das Osterfeuer führt es jedes Jahr vor Augen: mitten im Dunkel ein Licht! Gewalt und Aggression bleiben. Trotzdem glauben wir, dass Versöhnung möglich ist. Das Leiden bleibt. Trotzdem singen wir das Halleluja. Der Tod bleibt. Trotzdem feiern wir, dass das Leben stärker ist. Der Auferstandene trotzt dem Tod.

Trotzdem – dahinter kann eine Haltung stecken, die die große Osterhoffnung in unseren kleinen Alltag übersetzt. Jemand hat mich enttäuscht – trotzdem lasse ich ihn nicht einfach fallen. Ich wurde ausgenutzt – trotzdem will ich mich nicht verhärten lassen und werde weiter Vertrauen wagen. Manche Bemühung war vergeblich – trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf und mache weiter. Ich kann die Welt nicht retten – trotzdem finde ich mich nicht einfach ab mit dem, was ist, und tue, was ich tun kann. So geht Ostern im Alltag.

Trotzdem – ein spirituelles Kraft- und Hoffnungswort, das auch viel mit dem Engagement unserer Projektpartner zu tun hat.

Trotzdem! Sich nicht entmutigen lassen und die Hoffnung nicht aufgeben, der Resignation und der Gleichgültigkeit trotzen und das tun, was möglich ist. Das österliche Trotzdem der Christen ist durchaus kämpferisch, aber nie verbissen. Es hat eine vertrauensvolle Gelassenheit und Leichtigkeit, die aus der Osterfreude kommt. Ich wünsche Ihnen zum nahen Osterfest etwas von dieser widerständigen Hoffnung für ihren persönlichen Alltag.

 

Herzliche Grüße aus München

Pater Cornelius Bohl ofm
Provinzial der Deutschen Franziskanerprovinz


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