Cornelius Bohl ofm

Türen…

Pfingstimpuls von Provinzialminister Cornelius Bohl

Wir Christen dürfen als österliche Menschen immer wieder erfahren, wie der Geist Gottes unsere Verschlossenheit aufbricht.
Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

Bilder können oft mehr erzählen von unseren Hoffnungen und Sorgen als Worte. Die Tür ist so ein sprechendes Bild.

Manchmal tut es gut, die Tür hinter sich zumachen zu können, um seine Ruhe zu haben. Viel öfter aber macht die Vorstellung von verschlossenen Türen Angst. Es ist ein Alptraum, irgendwo eingeschlossen zu sein und nicht ins Freie zu kommen. Dann bin ich hilflos gefangen. Gefängnistüren können nur von außen geöffnet werden. Es reicht schon die Erfahrung, sich selbst irgendwo eingeschlossen oder von der eigenen Wohnung ausgeschlossen zu haben, um uns den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Schlimmer noch, von Menschen ausgeschlossen zu sein. Und manchmal verschließt sich jemand auch selbst in Trauer, Depression oder Angst und kommt da nicht mehr raus!

Das Neue Testament berichtet, dass die Jünger nach der Auferstehung Jesu aus Angst sich selbst eingeschlossen haben. Zwei Mal ist da ausdrücklich von „verschlossenen Türen“ die Rede (vgl. Joh 20,19 und 26)! Da ist nichts von Osterfreude zu spüren. Die verschreckten Männer verkriechen sich, trauen sich selbst nichts zu, sehen für sich keine Zukunft. Es wird erst Ostern, als Jesus durch diese verschlossenen Türen auf sie zugeht. Sie kamen selbst nicht aus ihrer Trauer heraus. Aber er kommt in ihre Not hinein und schenkt ihnen Frieden. Die Pfingstgeschichte greift das Bild indirekt wieder auf und führt es weiter: Wieder sind die Jünger drinnen, „im Haus“ (vgl. Apg 2,2). Und nun ist es der Geist Gottes, der sie befähigt, selbst die Türen zu öffnen, nach draußen zu gehen und dort couragiert aufzutreten.

Wir Christen dürfen als österliche Menschen immer wieder erfahren, wie der Geist Gottes unsere Verschlossenheit aufbricht. Zugleich lädt er uns ein, mitzuhelfen, dass sich auch für andere Menschen Türen in die Zukunft öffnen.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Pfingsttage, die erfahren lassen, wie der Geist Gottes Türen öffnet, wo wir uns selbst aus Kleinmut oder Angst verschlossen haben oder von anderen ausgeschlossen fühlen. Wir können das Ganze auch umdrehen: Wo immer sich Menschen füreinander öffnen und wo immer für uns oder andere Menschen Türen aufgehen, da ist der Geist Gottes am Werk. Da ereignet sich Pfingsten. Und dieser Geist tut nicht nur etwas an uns. Er wirkt auch durch uns für andere.


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