10.12.2021 Bruder Franz Richardt

Wann, wenn nicht jetzt

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Franz Richardt

Die Einstellung zu dem, was jetzt ist und was jetzt dran ist, kann sich ändern. Getrieben von den Realitäten der jeweiligen Jetzt-Zeit entscheidet sich z.B. eine Partei für eine allgemeine Impfpflicht, obwohl sie vorher dagegen war.

Getrieben von massiven gesellschaftlichen Veränderungen muss sich die Kirche mit Positionen auseinandersetzen, die sie vor Jahrzehnten anzugehen nicht gewagt hätte.

Es ist keine Schande, seine Meinung zu ändern, wenn die Sachverhalte es erfordern. Im Gegenteil: einfach so weitermachen wie bisher, kann ein weiterer Schritt in die Bedeutungslosigkeit sein.

Das heißt nicht, auf das Trittbrett jeder neuen Entwicklung zu springen. Es heißt aber sehr wohl, sich darauf einzulassen, was zur Lösung von Gegenwartsfragen herausfordernd auf einen zukommt. Das gilt für das persönliche Leben, es gilt für politischen Institution, es gilt für eine Glaubensgemeinschaft/Kirche. Das Konzil hat diesen Balanceakt deutlich benannt; „auf die Zeichen der Zeit hören“. Und ihn eindringlich gemacht mit dem Wort „Pflicht!“ „Zur Erfüllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben.“ (Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ Nr 4).

Das Ringen um den Koalitionsvertrag auf der politischen Ebene, das Ringen im Synodalen Weg auf der kirchlichen Ebene zeigen diesen Mut, auf die Notwendigkeiten der Zeit eine Antwort zu wagen. Dass dabei Ängste um Verlust von alten Positionen aufkommen, ist verständlich. Es darf die argumentative Auseinandersetzung herausfordern, darf aber nicht zum Sand im Getriebe werden, weil dieser Sand zum Stillstand führt.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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