22.02.2022 Tobias Rauser, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Deutsche Kapuzinerprovinz

Wohlstand und Elend

Eindrücke von Kapuzinerbruder Moritz Huber während seines sozialen Praktikums in München

Der Kapuzinerbruder Moritz Huber arbeitete in der Antoniusküche (Bild), im Projekt Omnibus und im Pfarrverband Isarvorstadt in München.
Bild von Tobias Rauser.

„Unsicherheit, Elend, Absturz: Das alles ist ganz nah.“ Buder Moritz Huber hat in den letzten Monaten in München viele Menschen und ihre Schicksale kennengelernt. Und hautnah miterlebt, wie die Schere in einer reichen Stadt auseinander geht.

Auf der einen Seite der Wohlstand und das Lifestyle-Leben, auf der anderen Seite Armut, Angst und Absturz. „Es ist wirklich erschreckend, wie schnell Menschen im Elend landen. Da spielt es auch keine Rolle, ob man verschuldet oder unverschuldet in diese Situation geraten ist“, sagt Bruder Moritz. Das Sozialsystem in Deutschland fängt einiges auf, aber die Erfahrung des 26-jährigen Kapuziners ist: „Viele sind überfordert und brauchen Hilfe.“

Der Kapuziner-Junior hat in den letzten Monaten sehr unterschiedliche Eindrücke mitnehmen können. In seiner Ausbildung zum Kapuziner sind Praktika vorgesehen, die er in München in der Antoniusküche, im Projekt Omnibus und im Pfarrverband Isar-Vorstadt absolviert hat. „Ich nehme vor allem die krassen Gegensätze von Wohlstand und Elend mit, und auch Geschichten des Scheiterns. Ich habe gemerkt, dass ich – wäre ich in der gleichen Situation – genauso hilflos und aufgeschmissen wäre“, sagt Bruder Moritz.

Die Antoniusküche in der Innenstadt von München ist ein ganz besonderes Projekt: In der Kirche bekommen Hilfsbedürftige eine warme Mahlzeit – und dürfen diese im Kirchenraum verspeisen. Der gemeinsame Altar- und Mittagstisch ist ein echtes Leuchtturmprojekt, das Bistum, Caritas und viele Helferinnen und Helfer gemeinsam bewerkstelligen.

Schwerkranke Kinder und deren Eltern hat das Projekt „Omnibus“ im Blick. Wenn Kinder in einer Notsituation in die Haunersche Kinderklinik in München eingeliefert werden, brauchen die Eltern eine Unterkunft. In vielen Fällen eine organisatorische und finanzielle Belastung. Hier unterstützt die Stiftung „Projekt Omnibus“ der Deutschen Franziskanerprovinz, und der Franziskaner Igor Hollmann vor Ort die Eltern der schwerkranken Kinder. 20 Zimmer stehen für die Eltern und Angehörigen der jugendlichen Patienten kostenlos zur Verfügung. „Das Projekt der Franziskaner hat mich sehr beeindruckt“, sagt Bruder Moritz. „Es zeigt mir, dass viele gute Dinge in Partnerschaft möglich sind.“

Nicht zuletzt half der junge Ordensmann im Pfarrverband Isarvorstadt mit, den die Kapuziner vor Ort betreuen. „Nach meinem Jahr im abgeschiedenen Camerino in Italien, wo ich mein Noviziat verbringen durfte und alles klar strukturiert war, war die Zeit in München eine Herausforderung für mich“, sagt Br. Moritz. In der Brüdergemeinschaft vor Ort mit ihren sehr unterschiedlichen Aufgaben musste er in bestehende Strukturen eintauchen und seinen eigenen Platz finden. „Mein Leben braucht Struktur, die ich mir selber geben muss. Auch das habe ich in dieser Zeit gelernt“, sagt er. Der gelernte Brauer wird nach den Monaten in München nach Münster ziehen und dort zum April sein Theologiestudium beginnen.


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