Franziskaner - Winter 2017

XXXX XXX Germanicus und die aufsässigen Klosterfrauen Germanicus kam schnaubend von San Damiano herunter: »Die Anarchie ist aus­ gebrochen da oben. Stellt euch vor, die Schwestern haben einen Rat gewählt, der soll jetzt die Klosterordnung regeln. Da müsste doch die Äbtissin auf den Tisch hauen und sagen: Das ist meine Sache!« Franziskus schüttelte den Kopf: »Klara ist weder Äbtissin noch Priorin. Und das ist auch gut so. Sie ist Schwester unter Schwestern – ganz so, wie es im Evangelium steht: Nur einer ist euer Meister, ihr aber seid Brüder.« »Richtig, Franziskus, Brüder heißt es. Im Grunde brauchen die Schwestern einen Mann. Einen vom Bischof bestimmten Oberen, der ihnen sagt, wo‘s langgeht.« »Aber Germanicus, haben wir etwa eine Frau, die uns bemuttert?« »Das ist doch was ganz anderes. Jesus hat doch Männer mit der Leitung der Kirche beauftragt.« »Unter dem Kreuz waren es Frauen, die ausgehalten haben, die Männer sind ab­ gehauen. Und drei Tage später war es eine Frau, die den Männern das Osterevangelium verkündet hat.« Germanicus jammerte leise: »Da fehlt ja nur noch, dass eine Frau auch die Messe feiert.« Franziskus blickte lächelnd zum Himmel: »Bei Gott ist nichts unmöglich!« text helmut schlegel ofm illustration michael blasek ofm

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