27.04.2018 von Gabriel Zörnig

Zwei Esel im Knast

Gustav und Lola, zwei "Neue" in der Jugendanstalt Neustrelitz

Gustav oder Lola? Bruder Gabriel mit einem von den beiden grauen Vierbeinern.

Bruder Gabriel Zörnig ist Gefängnisseelsorger in Mecklenburg. In Waren lebt er in einer kleinen Gemeinschaft. Täglich besucht er die Gefangenen in den Justizvollzugsanstalten in Neustrelitz, Bützow und Neubrandenburg. In seiner Seelsorge versucht er auf die Nöte, Ängste und Hoffnungen der Gefangenen einzugehen. Für die Gefangenen, die oft mit einer gebrochenen Lebensgeschichte fertig werden müssen, sind Bezugstrukturen besonders wichtig, im Hinblick auf eine spätere Integration. Der kleine Zoo in der Jugendanstalt Neustrelitz trägt dazu seinen Teil bei. Seit neuestem gehören auch Gustav und Lola, die beiden Esel dazu.


Ein Teil des Preisgeldes vom Siemerling-Sozialpreis hat Bruder Gabriel, Gefängnisseelsorger in Mecklenburg, für die Esel Lola und Gustav investiert. Endlich ist es wahr geworden. Jetzt sind sie da. Schon lange gab es den Wunsch, auch Esel zu beherbergen im Knast. Esel sind nicht störrisch, sie haben einen starken Willen, so heißt es. Sie lassen sich nicht herumkommandieren, man muss sich mit ihnen vertraut machen und sie verstehen lernen.

Die Jugendlichen Straftäter, die bei Ingo Brassen (Leiter der Abteilung Tierzucht) arbeiten, sind Menschen, die sonst schwer vermittelbar sind oder sonst kaum zum Zuge kommen im Gefängnisalltag. Mit den Tieren lernen sie Fürsorge, Mitgefühl, Verantwortung, aber auch Stärke und Führung.

Am vergangenen Dienstag, 17. April, machte sich eine kleine Gruppe aus Neustrelitz auf den Weg nach Klockenhagen an der Ostsee zum dortigen Eselhof. So viele Esel, da sollten doch auch zwei für uns dabei sein. Wir hatten Mühe, die Esel einzufangen und in den Anhänger zu bekommen. Nicht minder viel Geduld brauchten wir beim Ausladen. Wer will schon gern ins Gefängnis. Gehenlassen bedeutete für die Mitarbeiter dort auch Abschiedsschmerz, sogar Tränen. Wie sich die Dinge mit den Menschen und Tieren doch gleichen, wenn es um Knast geht.

Zur Begrüßung von Gustav und Lola wurde sogar die Knastglocke geläutet. Das geschieht nicht für jeden Ankömmling. Auch der Anstaltsleiter, Herr Eggert begrüßte unsere Neuen an der Pforte. Die Jugendlichen fassten gleich gut zu, halfen die Esel, herauszulocken und unterzubringen. Sie nahmen ihre neuen „Mitbewohner“ freundlich und gespannt auf.

Sorgen machten sich einige Insassen und Bedienstete wegen der möglichen Ruhestörung. Aber das gehört eben dazu. Das war nicht unbegründet. „Wir sind jetzt hier, das sollt ihr schließlich wahrnehmen!“ Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, an die Glocke haben sich auch alle gewöhnt. Vielleicht setzten sich Gustav und Lola ja gegen die nächtlichen Debatten und Beschimpfungen der Gefangenen an den Fenstern auch durch. Ja, ein Esel ist auch ein geliebtes, von Gott geschaffenes Wesen. „Bruder Esel“ nennt Franziskus liebevoll seinen Leib.

Wenn es eben noch nicht zur Palmsonntagsprozession mit den Eseln geklappt hat, dann soll der liturgische Einsatz doch spätestens zu Weihnachten erfolgen.

Seid willkommen ihr Esel, Gustav und Lola, in der Jugendanstalt Neustrelitz mit einem fröhlichen I.A, I.A, I.A.,

Euer Bruder Gabriel

 


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