03.01.2024 Bruder Stefan Federbusch

Hoffnungsschimmer

Gutes > Dank > Ermutigung >> Der Hoffnungsschimmer der Woche

Ein Moment des Stillhaltens und Durchatmens im Hoffnungsschimmer der Woche. Bild von Joshua Woroniecki auf Pixabay

Gegen alles Dunkle und Belastende in unserer Welt gibt es einen Lichtstrahl der Hoffnung. Regelmäßig erzählen Menschen ihre „Frohe Botschaft“, ihre „Gute Nachricht“, einen Hoffnungsmoment des Alltags.

Haben auch Sie Alltagsgeschichten erlebt, die Hoffnung machen? Bruder Stefan freut sich unter hoffnung@franziskaner.de auf Ihre Erzählung.


Der Franziskaner Laurentius Englisch schenkt mit seinen Bildern geflüchteten Kindern aus der Ukraine Hoffnung.

Laurentius Englisch (83) ist Franziskaner und Künstler. In seinen Bildern hat er die Gesichter von Kindern aufgenommen, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten mussten. Am 24. Februar 2022 überfiel die russische Armee das Nachbarland. Bis heute ist der Konflikt ungelöst, ein Ende ist nicht in Sicht. In dem Gebäudekomplex der Franziskanischen Stiftung von Gymnasium, Internat und Kloster in Vossenack wurden etliche aus der Ukraine Geflüchtete aufgenommen.

Die Bilder im Foyer der Mensa zeigen Porträts der hier wohnenden Flüchtlinge, besonders der 25 Kinder. Wir sehen sie in Frontalansicht, sodass wir uns angeschaut fühlen, mit den Dargestellten kommunizieren, die sich dadurch nicht nur präsentieren und betrachtet werden, sondern sich mitteilen. Mehr als die Ähnlichkeit wird so die Anmut, Schönheit und Lebendigkeit sichtbar, die Einmaligkeit, die Würde und das Ansehen. Darin liegt die Botschaft, dass jeder Mensch eine königliche Würde trägt, Achtung und Respekt verdient.

 

Pater Laurentius Englisch für die ukrainischen Kinder in Vossenack.

Die Bilder zeigen Kinder in Blüten mit oder auf Tieren. Die Blumen sind wie eine Verheißung aus einer anderen Welt. Mit ihrem Zauber spiegeln sie auch unsere Seele und sagen uns, dass auch wir etwas Kostbares sind. Die Gestalten kreisen um eine Mitte, einem Zentrum, das alles in Bewegung bringt. Die Frau mit dem Kind ist wie eine Sonnenblüte, die Licht und Freude ausstrahlt.

Das ist auch unsere Berufung, einander auf dem Lebensweg beizustehen und aus allen Ängsten herauszurufen zu Freiheit und zum Glück.

Pater Laurentius Englisch (Franziskaner und Künstler in Vossenack)


Hoffnung im Leid

Noch heute zehre ich von den langjährigen Erfahrungen als ehrenamtlicher Sterbebegleiter in einem stationären Hospiz; von all den Gesprächen und mehr noch der weitgehend stummen Anwesenheit an der Seite von Sterbenden, die sich nach unterschiedlich ausgeprägten Kämpfen – einhergehend mit dem Begräbnis all ihrer Hoffnungen auf ein medizinisches Wunder – im besten Fall erwartungsvoll einwilligen konnten in den endgültigen Abschied aus dieser Welt.

Getragen vom franziskanisch inspirierten Geist der Umkehr & Buße, der nahezu täglichen Teilnahme an der Hl. Eucharistie in der damals nahe gelegenen Franziskanerkirche, zeigte sich alsbald jene Freude & Gelassenheit, wie sie sich wohl nur aus dem tiefem Glauben an die Auferstehung Jesu von den Toten, der Hoffnung auf seine Verheißungen und letztlich auf seine liebende Gegenwart erklären und erfahren lässt – Deo gratias!

Wolfgang Seitz OFS (Mitglied des Ordo Franciscanus Saecularis)


Was wir brauchen, sind ein paar Verrückte

barfuss-und-wild, Buchtitel von Jan Frerichs

Im vergangenen Jahr hat mir die Initiative barfuss-und-wild von Jan Frerichs und seinen tollen Mitarbeitenden Hoffnung gegeben. Einen ihrer Kurse habe ich mit Gewinn gemacht. Außerdem bieten sie per Mail ein kostenloses tägliches „Seelenfutter“, das mich 2023 begleitet hat. Daraus ein Zitat von G. B. Shaw.: „Was wir brauchen, sind ein paar Verrückte, denn seht nur, wo die Normalen uns hingebracht haben.“

Ich habe das sofort gedruckt, aufgehängt und immer wieder davon geredet. Es hat mich getröstet in meinen Verrücktheiten. Manchmal bin ich ziemlich ver-rückt. Nicht am richtigen Platz. Nicht im Lot. Manchmal aber tue ich Dinge aus tiefster Überzeugung und andere halten mich für verrückt. Wenn ich mich z.B. für Kirchenreformen einsetze. Die einen halten mich für verrückt, weil es eh keinen Sinn habe. Die anderen, weil ich nicht mehr katholisch sei. Noch andere, weil es mir nicht zustehe, solche Dinge zu äußern.

Manchmal frage ich mich, ob sie recht haben und ich wirklich verrückt bin. Da tröstet mich dieser Satz. Er lässt mich an prophetische Menschen denken: Jesaja, Jeremia, Teresa von Ávila … verrückt wie Leute, die das Wahlrecht für Frauen forderten, oder Christenmenschen, die für die Priesterinnenweihe einstehen.

Schließlich: Franz von Assisi wurde „il pazzo“ genannt, „der Verrückte“. Wie verrückt muss einer sein, der an eine arme Kirche glaubt! Nicht allein zu sein in meiner Verrücktheit, das gibt mir Hoffnung. Denn seht, wo die Normalen uns hingebracht haben!

Sr. Katharina Kluitmann (Lüdinghausener Franziskanerin, Münster)


Gegen Einfalt

Für die Vielfalt und Lebendigkeit im Denken, Reden, Sprechen, Leben und Lieben.
Das Leben ist bunt, vielfältig, unendlich reich an Möglichkeiten.

… das erlebten die rund 30.000 Menschen, die sich am 21. Januar 2024 in der Bonner Innenstadt zu einer Demonstration „Bonn ist bunt“ trafen, dabei deutlich Flagge zeigten und ein unübersehbares Zeichen setzten für ein friedliches Miteinander der Bürger ohne Ansehen der Person, der Herkunft, der (sozialen, religiösen, ethnischen, …) Zugehörigkeit, der Sprache und Kultur. Und sie setzten dieses Zeichen spielerisch-kreativ, locker-leicht, kommunikativ-integrativ, friedlich-harmonisch.

Als Theologe klingen mir als einem der Teilnehmenden rückblickend die Verse von Wilhelm Willms im Ohr:

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.
Stunden werden eingeschmolzen, und ein Glück ist da
Sätze werden aufgebrochen, und ein Lied ist da
Waffen werden umgeschmiedet, und ein Friede ist da,
Sperren werden übersprungen, und ein Geist ist da

In Bonn (und in vielen anderen Städten in Deutschland) war dieses Fest der Auferstehung plötzlich ganz einfach:

  • Menschen standen auf und setzten sich in Bewegung, begegneten sich freundlich, demonstrierten friedlich für ihre Interessen und bekundeten kreativ und vor allem gewaltfrei ihre Ansichten
  • Menschen setzten sich ein für die Belange ihrer polis (wurden politisch) und für die Belange all der Mitbürger und Bewohner unseres Landes, die von den ‚Einfältigen‘ als Bedrohung empfunden werden und die (verbal schon jetzt und real nach der Machtübernahme) ausgegrenzt und ausgewiesen werden.
  • Menschen fühlten sich über alle (angeblichen) Grenzen mit den anderen Anwesenden verbunden (es wirkte wie ein Familienfest, bei dem alle willkommen waren) und vor allem mit denen, die sich als erste von der ausländerfeindlichen Politik der AfD bedroht fühlen müssen.

Manchmal fügt sich manches, als ob es geplant wäre, sinnvoll zusammen und ergibt ein Ganzes: (katholische) Christen konnten an diesem Sonntag

  • vormittags mit dem Mund und dem Herzen (im Gottesdienst) und nachmittags mit den Füßen beten,
  • vormittags das Evangelium hören und nachmittags diese Frohbotschaft real er-leben und mit Leben füllen,
  • vormittags mit dem Credo den Glauben an den lebendigen Schöpfergott, den Bruder Jesus und den heilenden Geist bekennen und nachmittags auf den Straßen und im Gespräch mit anderen bezeugen, dass der Platz der Christen in dieser kritischen Zeit bei all denen ist, die sich ratlos und hilflos, alleingelassen und ausgegrenzt, verängstigt und bedroht fühlen.

„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“
„Jetzt (in dieser Zeit und bei diesen Herausforderungen) gilt beides: Christen dürfen glauben, dass die Nähe des fürsorglichen, erbarmenden Gottes, der Bestand des Menschenbruders und die Power des Geistes erfahrbar ist und sie stärken kann und dass sie jetzt ihre Einstellung und Haltung, ihr Denken und Urteilen am Gottes Maßstäben und am Wohl der Menschen orientieren sollen. Sucht nach neuen Wegen, wie ihr Gottes Schalom für alle Menschen und für die Schöpfung jetzt und in der Zukunft ganz praktisch leben könnt. Feiert jetzt schon mitten im Tag die Feste der Auferstehung, den Aufstand des Lebens gegen den Tod in allen Facetten, die gottgewollte Vielfalt der Schöpfung und ladet alle ein.“

„Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, heut wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt.“
Warum nicht solche Sonntagspaziergänge und Feste im öffentlichen Raum immer wieder feiern. Was einmal gut gelingt, kann auch ein zweites und drittes Mal gelingen. Und was in Städten möglich ist, kann auch (auf die jeweilige Situation angepasst) auf dem Land klappen. Denn überall, wo sich Menschen (stehend und gehend, essend und trinkend, singend und feiernd) zufällig treffen und in Kontakt kommen, wird Vielfalt positiv erlebt und als Bereicherung (und nicht als Bedrohung) empfunden.

Crear una, dos, tres fiestas de la ressurection!

Joachim Schick (Vivere Bonn)


Schneewarnung

Mit Dankbarkeit und Freude erinnere ich mich an einen Moment Anfang Dezember in München: Es schneit und schneit, angeblich innerhalb von zwei Tagen so viel als sonst im ganzen Winter. Ein halber Meter Schnee – mitten in der Stadt … Alles steht still.

Da kommt (am Sonntagmorgen!) um kurz vor neun eine SMS auf mein Handy. Der junge Mann, der mit seiner Partnerin über mir wohnt, schreibt: „Bitte seien Sie vorsichtig beim Rausgehen. Heute ist’s superglatt.“ Ich habe mich sehr über seine Fürsorge gefreut … und alle, denen ich davon erzählte ebenso.

Auch das sind unsere jungen Leute heutzutage! Eine kleine Achtsamkeit, ein großer Hoffnungsschimmer!

Gertrud Fuchs, Wohnhaft in der Pfarrei Sankt-Anna im Lehel, München


Ein unerwarteter Weihnachtsgruß

Oft bleiben Nachbarn jahrelang nur fremde Namen auf dem Klingelschild, dabei wären freundliche Bekanntschaften mit ihnen doch wünschenswert. Letztendlich hat es nur eine kleine Geste gebraucht, dass die Nachbarn für Monika zu echten Mitmenschen wurden:

Bild von Peggy_Marco auf Pixabay.com

Nach dem Tod meines Mannes habe ich mich von unserem Haus getrennt, was kein leichter Schritt war, und bin vor knapp drei Jahren in die Nachbargemeinde gezogen. In ein Haus mit neun Eigentumswohnungen, in dem mit mir drei Familien, zwei Ehepaare und vier Alleinstehende aus vier Nationen leben. Das Miteinander ist freundlich, aber distanziert, zurückhaltend, mehr wie ein „Guten Tag“ kommt meist nicht. Für mich nicht einfach, mich hier zu Hause zu fühlen.

Am vergangenen Weihnachtsfest gab es ein kleines Wunder: nach der Christmette lag vor jeder Haustür ein Segensgruß von der Familie aus dem Dachgeschoss. Die Familie ist aktiv in der evangelischen freikirchlichen Gemeinde. Constantin, der älteste Sohn, hatte diese schöne Idee. Er ist im Sommer von einer zweijährigen Zeit auf einem Missionsschiff, das karitativ-missionarisch in vielen Ländern tätig ist, zurückgekehrt. Jetzt, in den Tagen danach, ist diese nette Geste das Gesprächsthema unter der Nachbarschaft. Wie schön – wir reden miteinander – alle waren sehr gerührt und erfreut.

Mein Wunsch für diese alleinerziehende Mutter mit ihren drei wunderbaren Kindern ist, dass sie es jetzt etwas leichter haben, hier gut angenommen, wertgeschätzt und akzeptiert zu werden. Die Kinder – jetzt 12, 18 und 20 Jahre alt, hatten gerade in der Anfangszeit vor drei Jahren häufig für etwas Unmut (für mich nicht nachvollziehbar und unnötig) bei den Hausbewohnern gesorgt, weil sie den Dreck an den Schuhen mit ins Treppenhaus gebracht, Fahrräder nicht korrekt abgestellt, Kratzer an der Hauswand verursacht, Schmutzschuhe vor der Haustür abgestellt haben.

Ich bin sehr dankbar, mit dieser Familie unter einem Dach leben zu dürfen, für die es wichtig ist, mit Gottes Segen auf dem Weg zu sein.

Monika Jacob, Franziskanische Weggemeinschaft Hofheim


Das Bohnengebet

Eine Handvoll Bohnen in der Tasche zu tragen, kann das Leben bereichern. Bruder Stefan erzählt zum Auftakt unserer neuen Serie „Hoffnungsschimmer“, wie man sich auch der kleinen Freuden im Leben bewusst wird:

Erzählt wird die Geschichte von einer Frau, die sehr alt wurde und tief glücklich lebte. Sie war eine große Lebensgenießerin und verließ das Haus nie, ohne sich eine Handvoll Bohnen einzustecken. Sie tat dies nicht, um die Bohnen zu kauen. Nein, sie nahm sie mit, um so die schönen Momente des Lebens bewusster wahrzunehmen und sie besser zählen zu können.

Für jede Kleinigkeit, die sie täglich erlebte, zum Beispiel einen fröhlichen Schwatz auf der Straße, ein köstliches Brot, einen Moment der Stille, das Lachen eines Menschen, eine Tasse Kaffee, eine Berührung des Herzens, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, das Zwitschern eines Vogel-, für alles, was die Sinne und das Herz erfreute, ließ sie eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern.
Manchmal waren es gleich zwei oder drei.

Abends dann saß sie zu Hause und zählte die Bohnen in der linken Jackentasche.
Sie zelebrierte diese Minuten. So führte sie sich vor Augen, wie viel Schönes ihr an diesem Tag widerfahren war und freute sich.

Und sogar an einem Abend, an dem sie bloß eine Bohne zählte, war der Tag gelungen. Es hatte sich gelohnt, ihn zu leben.

Bruder Stefan Federbusch, Provinzialvikar der Deutschen Franziskanerprovinz in München