Rolf Fleiter ofm

Zen – nahe am Boden

Meditation als Weg zum (inneren) Frieden

„Meditation als einfaches stilles Sitzen und sich Öffnen für das größere Geheimnis Gottes.“ Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

„Meditation als einfaches stilles Sitzen und sich Öffnen für das größere Geheimnis Gottes kam in unserem Noviziat und Studium bis Anfang der 1970er Jahre nicht vor. Da gab es nur „geistliche Lesung“, „Betrachtung“ und „theologische Meditationen“, was immer mit Nachdenken zu tun hatte. Kontemplation (geistige Versenkung) wurde nur angedeutet; das war etwas für geistlich sehr weit Fortgeschrittene. Der Leib wurde nicht erwähnt oder wurde als Ballast für die Seele angesehen.“

Die Begegnung mit Zen im Meditationshaus Dietfurt war für mich eine ganz wichtige, tief greifend neue Erfahrung. Da wurde von der Haltung des Leibes ausgegangen: Nahe am Boden fest verankert sitzen, eine gerade Haltung einnehmen, möglichst viele Muskeln entspannen, die Hände offen halten, sich ganz dem Atmen überlassen und sich durch nichts ablenken lassen: dazu wurde angeleitet. Den Atem zu zählen, sollte dabei eine wichtige Hilfe werden, und die Augen leicht geöffnet zu halten, um in diesem Raum da zu sein und nicht „abzuheben“. Auch Gehen, Essen und Ruhen sollte bewusst und gesammelt geschehen. Das erste Sesshin (eine Einheit der Zen-Meditation) bedeutete fünf Tage völliges Schweigen und täglich zwölfmal eine halbe Stunde still sitzen (Zazen). Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich eine so tiefe Stille erfahren, wie ich sie in unseren Klöstern oder bei Exerzitien bis dahin nicht erlebt hatte. Selbst der Knall von tief fliegenden Düsenjägern, anfangs ein fürchterlicher Schreck, konnte mich nach drei Tagen nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Immer mehr und tief spürbar wurde deutlich: die Köperhaltung drückt Geistig-Seelisches aus und fördert es, fest auf dieser Erde zu sein, hier und jetzt zu leben, ein aufrechter Mensch zu sein, eigenes „Machen-wollen“ und Stolz loszulassen, gelassen zu bleiben und für Höheres offen zu sein. Außerdem war da noch etwas anderes: Mit der Zeit tauchte ich – mit den anderen jungen Priestern damals intensiver, ganzheitlicher, stimmiger. Und obwohl wir die ganze Zeit schwiegen, gab es ein Gefühl füreinander, eine Art von Verbundenheit untereinander und ein Gespür für den anderen neben mir – etwa beim Essen, was er braucht.

Nach weiteren vier Sesshin wuchs auch ein großer Respekt vor dem Buddhismus und dann auch vor den Yogis und Sufis und anderen großen „Suchern“. Andererseits bin ich vorsichtiger geworden gegenüber denen, die alles schon ganz genau wissen und das dann wie eine Waffe gegen andere gebrauchen. Mir ist auch bewusst geworden, wie vorläufig und relativ das ist, was wir uns vorstellen, wenn wir das Wort „Gott“ gebrauchen. Meist ist das von eigenen Wunschvorstellungen und guten oder schlechten Erfahrungen mit geprägt, also sehr subjektiv und relativ. Aber: ER ist da! In den weiteren Jahren habe ich immer wieder Meditation in dem Sinne geübt und es wurde Bestandteil von vielen Fortbildungen und eigener Kursarbeit.

Formen von Meditation und meditative Praktiken hielten inzwischen Einzug in viele Bereiche – oft allerdings nur als Teil von Stress-Abbau und Wellness, also um etwas zu erreichen. Doch genau dies „Erreichen wollen“ gilt es doch loszulassen! Wenn das aber gelingt, dann dient Meditation wirklich dem Frieden – dem inneren und dem äußeren.

Erstveröffentlichung Franziskaner Mission 2018 / 2


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