Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 13. Mit den Armen und Ausgegrenzten solidarisch leben

Begegenung des Heiligen Franziskus mit dem Aussätzigen. Glasbild von R. M. Koller in der Kapelle der Gemeinschaft der Franziskaner in Köln-Vingst.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Das dreizehnte Element betrachtet die Begegnung des heiligen Franziskus mit dem Aussätzigen, die sein Leben und seine Spiritualität nachhaltig beeinflusst hat. Von da an sah er in den Armen und Ausgegrenzten die Brüder und Schwestern den „Armen Christus“.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

13. Mit Armen und Ausgegrenzten (solidarisch) leben

Ein wesentliches Element seiner Bekehrung (= conversio) war für Franziskus die Begegnung mit dem Aussätzigen. Die Dreigefährtenlegende konstatiert: „Nach den Besuchen bei den Aussätzigen war er ein anderer Mensch geworden“ (Gef 12). Die Begegnung mit den Ausgesetzten hat Franziskus verändert. Die Dreigefährtenlegende hält auch fest, dass es der Aussätzige war, der Franziskus den Friedenskuss gegeben hat und nicht umgekehrt. „Und während er sonst gewohnt war, vor Aussätzigen großen Abscheu zu haben, tat er sich jetzt Gewalt an, stieg vom Pferd, reichte dem Aussätzigen ein Geldstück und küsste ihm die Hand. Dann empfing er (= Franziskus) von ihm (= dem Aussätzigen) den Friedensgruß“.

Wo sich Franziskus zunächst Gewalt antun musste, wurde ihm das „in Süßigkeit des Leibes und der Seele verwandelt“ (Test 3), wie er in seinem Testament am Ende seines Lebens bekennt. Die Brüder „müssen sich freuen, wenn sie mit gewöhnlichen und verachteten Leuten verkehren, mit Armen und schwachen, mit Aussätzigen und mit Bettlern am Weg“ (NbR 9,3).

Mit Armen und Ausgegrenzten (solidarisch) leben heute:

  • Das Leben mit den Armen und Ausgegrenzten
  • Die Hinwendung zum einzelnen Menschen
  • Die Christusbegegnung im Armen und Ausgegrenzten
  • Engagement im Sozialbereich
  • Solidarität mit den Betroffenen
  • Unterstützung von Projekten in aller Welt
  • Theologische Reflexion aus der Perspektive der Armen und Marginalisierten (Theologie der Befreiung)
  • Die Menschenrechte als universal einfordern

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